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der Pariser und Londoner „Association femine“ sind auch in dem Berliner Damenclub die Räume so anheimelnd wie möglich eingerichtet, und es wäre kein Wunder, wenn nach einem kleinen ehelichen Scharmützel die Frau des Hauses in ihren Club retirirt, ein Ausweg, welcher bis lang ein Privilegium des männlichen Geschlechtes war. Das reizende Schreibzimmer mit mattgrünen Möbeln, auf denen Heliotrop und gelbe Libertykiffen ruhen, ladet zur verschwiegenen Corre- spondenz förmlich ein, während eine kleine Bibliothek und ein Lesezimmer, in dem Zeitschriften in jeder Sprache aufliegen, beim Scheine des elektrischen Lichtes zur Lectüre einladen. Ein entzückender Gartensalon mit rochen Möbeln im englischen Genre, führt in einen Garten hinab, wo man biegsame Frauengestalteu in hübschen Sommertoiletten lustwandeln siehe. Speisezimmer, Telephonzimmer und Nebenräume, sowie Gast- und Vorstandsztmmec sind im ersten Stock untergebracht, den point d’honneur bildet jedoch das „Rauchzimmer", wo bei türkischem Cigarettendampf wohl über manche Sommertoilette Rach gehalten wird.
Gemeinnütziges.
Wie itzt man Kirschen? Viele meiden das Kirschen- essen, weil sie Magendrücken nach dem Genuffe dieses so gesunden Obstes bekommen. Man genieße etwas Semmel (oder noch besser Butterbrot) während des Kirschenessens (wodurch eine gute, beim schnellen Kirscheneffen oft verhinderte Einspeichelung erreicht wird) und wird bald finden, daß man ganz vortrefflich Kirschen vertragen kann.
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Die Behandlung der Goldfische. Dem bekannten runden Bassin ist ein länglich viereckiger Glaskasten bei Weitem vorzuziehen. Die Erneuerung des Wassers soll wöchentlich ein Mal, in der heißen Jahreszeit alle Tage geschehen- das frische Wasser muß die Temperatur des Zimmers haben und sich der des alten Wassers nähern- auch streue man ein wenig Salz in dasselbe. Bei den Händlern findet man reizende Wasserpflanzen, welche das Wasser Monate hindurch frisch erhalten, so daß dessen Abwechselung fast un- nöthig ist. Als Futter verwendet man möglich frische Ameiseneier, im Sommer kann man auch Fliegen oder etwas Eigelb, niemals jedoch Brot geben, auch füttere man nicht zu reichlich. Von November bis Februar kann man das Füttern einstellen, und erst im Frühjahr beginne man ganz allmählich von Neuem damit.
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Ein Mittel, welches das Blühen der Blumen befördert. Man schüttet 4 Loth schwefelsaures Ammoniak, 2 Loth Salpeter und ein Loth Zucker in Vs Liter heißes Wasser und bewahrt dieie Mischung in einer gut verkorkten Flasche auf. Hiervon nimmt man 10 bis 12 Tropfen auf 1 Liter Wasser und begießt damit die Blumen. Besonders wirksam soll diese Beimischung für Zwiebelgewächse sein, die man in Töpfen treibt. Wenn das schwefelsaure Ammoniak nicht zu haben ist, nimmt man salzsauren, gewöhnlichen Salmiak.
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Walluüffe lange schmackhaft zu erhalten. Walnüsse nehmen gewöhnlich bald einen unangenehmen, öligen Geschmack an, um dies zu verhüten, legt man sie 48 Stunden lang in lauwarme Milch und läßt sie dann an der Luft wieder trocknen. Statt der Milch kann man auch Salzwasser nehmen, doch müssen die Nüffe dann fünf bis sechs Tage darin liegen bleiben.
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Gegen aufgesprungene Hände. Eines der besten Mittel ist Honigwaffer (ein Eßlöffel voll Honig auf 1 Liter
Wasser). Dies macht auch die Haut zart und geschmeidig. Verstärken kann man die Wirkung, wenn man der Flüssigkeit noch einen Eßlöffel voll Glycerin zusetzt.
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Kittreeepte. Warmer Leim und fein gesiebte Holzasche geben einen billigen und dauerhaften Kitt. — Einen geradezu unübertrefflichen Kitt bereitet man sich auf folgende Weise: Aus Bleiweiß, Silberglätte, Kasselergelb, Umbraun und Mennige bereitet man sich ein Pulver, indem man jedes einzeln mit Wasser fein abreibt und das Ganze nach vollständigem Trocknen in einem Mörser zusammen stößt und mischt. Von diesem Pulver reibt man soviel als man nöthig hat, mit recht dickem Leinölfirniß und mischt dann die Masse mit Bernsteinlack bis ein steifer Teig entsteht. Den auf diese Weise erhaltenen Kitt, wendet man bei kleinen Rissen und Höhlungen mit einem kleinen Haarpinsel an, bei größeren Defecten trägt man nach jedesmaligem Trocknen wiederholt auf, bis die Höhlung ausgefüllt ist. — Durch entsprechende Zusätze von Zinkweiß, Bleiglätte und Mennige kann der gewöhnliche Glaserkitt (Kreide und Leinölfirniß) bedeutend verbessert werden. Er hat in dieser verbesserten Zusammensetzung die Eigenschaft, daß er schneller hart wird und sich für manche Holzarbeiten vorzüglich eignet. — Verschiedene Farben des Kittes erhält man durch Zusatz entsprechender Farbstoffe, z.B.: Für Nußholz: Umbraun, Kasselererde u.dgl.- für Eichenhplz: Ocker- für Ahorn: Kremserweiß u. dgl.- für Mahagoni: gebrannte Terra di Sienna u. s. w.
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Schleier zu waschen. Weiße Schleier werden in blutwarmem Seifenwaffer gewaschen, leicht ausgerungen, dann in kaltem Brunnenwasser gespült und geblaut, gestärkt und zwischen den Händen halb trocken geklopft, dann aber zum vollständigen Trocknen aufgesteckt. — Schwarze Schleier taucht man in warmes Wasser, in welchem Ochsengalle aufgelöst ist, und spült sie dann kalt nach. Um sie zu steifen, . zieht man sie durch Gummiwasier, klopft sie zwischen den Händen halb trocken und steckt sie dann auf.
Praktische Winke für Touristen und Ausflügler.
Schmied' wohl einen Reiseplan — Aber halt Dich nicht daran.
Wer wandern will, Der schweig' fein still, Geh' steten Schritt, Nehm' nicht viel mit, Tret' an am frühen Morgen Und laß daheim die Sorgen.
Wandern heißt: ein köstlich Buch genießen - Man blättert darin mit den Füßen.
Der Wanderstab — ein Zauberstab, Führ' ihn bergauf, bergunter - Er zeigt mit jedem neuen Schritt Ein neues Gotteswunder.
Was man abläuft an dem Schuh, Wächst dem Kopse doppelt zu.
Sintemal doch ein Tourist Kein mühselig Lastthier ist, Soll er sich nicht zu Leibesschaden Beim Wandern wie ein Kameel beladen.
Besser liegen bleiben — Als übertreiben und aufreiben.
Wetzen hält im Mähen nicht auf, Sitzen hält im Gehen nicht auf.
Redaction; Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Greßm.


