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zMA rauch der Zeit! Die leichten Stunden Schießen schneller als ein Fluß.
Zeit hat Flügel angebunden; Glücke geht auf glattem Fuß. Gott weiß, was wir morgen machen; Heute laßt uns lustig fein IJ Trauern, Frohsinn, Weinen, Lachen Zieh'n bald bei uns aus, bald ein. Wohl dem, welcher ist vergnüget, Wie sich sein Verhängniß füget.
Ina.
Novelle von S. Halm.
(Fortsetzung.)
Gebhardt wollte zum Herrn Commerzienrath und das Schwesternpaar begleitete ihn.
Ina hatte sein Anerbieten, Theas Wagen zu lenken, freundlich abgeschlagen. Doch ließ er es sich nicht nehmen, wenigstens neben ihr her zu schreiten. Gleichgültige Dinge bildeten das Gesprächsthema, und da sich Ina heute sichtlich weniger angeregt zeigte, so gab sich Thea vielleicht auch in Folge der Aeußerungen der Schwester, für jetzt keinen weiteren Befürchtungen hin. Wenn die Schwester nicht die Gewalt über ihr Empfinden verlor, so schien ihr die Gefahr immerhin nicht allzu drohend, ein tieferes Gefühl im Herzen des Mannes hielt sie für ausgeschlossen, glaubte sie doch in Gebhardt, der ganz in seinen Geschäftssorgen aufging, nur den nüchternen Verstandesmenschen vor sich zu haben. Hätte sie gewahren können, mit welchem verschleierten und doch beredten Blick gerade jetzt des Mannes Augen auf ihrer Schwester ruhten, sie hätte sich weniger sanguinischen Hoffnungen hingegeben. —
Halb in ihre Gedanken vertieft war sie dem Gespräch der Beiden kaum gefolgt, als Plötzlich Teßas Name an ihr Ohr schlug und sie aufhorchen ließ.
„Ich warne Sie vor dieser Schlange, mein Fräulein!" härte sie Gebhardt sagen. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn ein derartig veranlagtes Weib zwischen zwei Menschen Unheil zu stiften gewillt ist-" worauf Ina aufrichtig bekannte:
„Mir ist Franzens Cousine von der ersten Stunde
nnsercr Bekanntschaft an unsympathisch gewesen und daß sie meine Gesühle mit doppelter Münze zurückgiebt, dafür habe ich mannigfaltige Beläge "
Gebhardt lachte. „Ja, mein Fräulein, Sie haben eben das Aergste begangen, was Sie begehen konnten, Sie haben meiner Schwägerin und auch meiner Frau den Lieblingsplan zerstört."
Fast klang etwas wie Schadenfreude aus Gebhardts Worten, und obgleich Thea sich durch die Hineinmischung des Napiens seiner eigenen Gattin nicht sonderlich angenehm berührt fühlte, glaubte sie doch in seiner Schadenfreude einen neuen Beweis für die Richtigkeit ihrer Vermuthung zu sehen, daß in Gebhardts Brust kein wärmeres Gefühl für die Schwester schlummere. Würde er sonst warnen, wo er nur auf die Seite seiner Verwandten zu treten brauchte, um seinem Ziel näher zu rücken.
* * *
Drückende Schwüle lag über der Stadt- schon seit einer Stunde ballte sich am westlichen Himmel Wolke auf Wolke zur dichten drohenden Wand zusammen- kein Lüftchen regte sich, es war die schwüle Stille vor Ausbruch eines Gewitters, und doch schritt Teßa von Steffens, unbekümmert ob des drohenden Unwetters, den Weg hinaus zur Villa Lentze. Sie hatte es sich einmal in den Kopf gesetzt, und kein Wetter hätte sie davon abgehalten, den weiten, staubig sonnigen Weg zurückzulegen. Teßa hatte, ohne es selbst zu wissen, eine Eigenschaft mit ihrem Schwager gemein, eine an Verbissenheit grenzende Willensfestigkeit, wenn es ein bestimmtes Ziel zu erreichen galt und doch wählte sie nicht den directen Weg- der, den sie einschlug, führte über sonnige Felder, an einem halbverwahrlosten Besitz vorbei, der ihrem Schwager gehörte und der seit dem letzten Miethetermin von den früheren Einwohnern geräumt war. Nach der unverschlossenen Pforte dieses Grundstückes lenkte Teßa, ehe sie ihren Weg weiter verfolgte, die Schritte, offenbar nicht ohne einen bestimmten Beweggrund und Zweck. —
Das einem Landhause einfachsten Slyls ähnliche Gebäude lag inmitten eines stark verwilderten Gartens - die Dachpfannen zeigten einen grünen Moosansatz, die Fenster bet« riethen den Mangel der nöthigsten Reinigung.
Wie ausgestorben lag das Haus, der Garten. Teßa schenkte dem Allen kaum einen Blick- sie strebte am Haus vorbei in den hintersten, von hohen Ahornbäumen beschatteten Theil des Gartens. Dort lag in einer besonders schattenreichen Ecke ein halb zerfallenes Häuschen, aus dem der Schall gedämpfter stimmen klang. —


