utt'd steht mit nicht gerade freundlichem Gesichtsausdruck zu Herrn Vogel hinüber.
Aber dieser läßt sich nicht ausFeiner sicheren Haltung bringen.
„Ihr Herr Bruder hat gerirt," erklärt er. „Acceptirt hat Herr von Markwald. Faul die ganze Familie! Kein Geld zu haben, weder vom Sohn noch vom Vater. Hätte ich mich nur nicht eingelassen mit diesem Herrn von Habenichts! Sie, Herr Köster, Sie sind ein einfacher Mann, aber Sie sind ein anständiger Mann und Sie haben Ihren Sohn lieb und Sie werden mir zahlen, was mit der Herr Referendar schuldig ist."
Vater Köster macht eine Bewegung mit der Hand, als wollte er die Wechsel zusammenknüllen, aber besinnt sich noch rechtzeitig und begnügt sich, die Unglückspapiere dem freundlichen Geldleiher zornig tn den Schooß zu werfen.
„Nichts bezahle ich, keinen Pfennig bezahle ich," ruft er bebend vor Erregung und sein noch eben bleiches Gesicht färbt sich in einer Secunde dunkelroth.
(Fortsetzung folgt.)
Der Fuchs des Wassers.
Ohne Jägerlatein geschildert von Dr. Fritz Skowronnek.
(Schluß.)
Noch erfolgreicher ist die Methode, den Köderfisch an der Angel auf der Oberfläche des Wassers tanzen zu lassen. Man kann dies, wenn man über die nöthige Kraft verfügt, sozusagen aus freier Faust ausführen: in manchen Gegenden bringt man jedoch praktischer Weise eine hochstehende Gabel an, auf der die Angelstange sich leicht auf und niederwippen läßt. Man muß es gesehen haben, wie der Hecht aus den Köderfisch zuschießt, wie er sogar fußhoch aus dem Wasser herausschnellt, um den Köder zu fassen! Eng verwandt mit dieser Art ist das gesetzlich verbotene „Flimmern". An einer dünnen, aber starken Schnur ist in einem Wirbel ein löffelartiges Instrument aus silberglänzendem Metall befestigt. Am Ende des Löffels sitzt ein starker Haken. Man schleppt nun dieses Instrument hinter dem am Rohr entlang fahrenden Kahn in dreißig bis vierzig Meter Entfernung durch das Wasser. Das Blinken nnd Flimmern des wirbelnden Löffels reizt den Räuber. Er schießt aus dem Rohr der vermeintlichen Beute nach, und sitzt im nächsten Augenblick am Haken fest. Diese Art des Fanges ist sehr beliebt bei scheinbar harmlosen Spazierfahrten . . . und deshalb gerade streng verboten.
Der Curiositäl halber sei erwähnt, daß man den Hecht auch mit einer dünnen Metallschlinge fängt. Wenn der Fisch im hellen Sonnenschein in nicht zu großer Tiefe steht, schiebt man sich mit dem Kahn leise heran und blendet ihn mit Hilfe eines guten Spiegels. Dabei zieht man die Schlinge, jedoch ohne ihn zu berühren, bis über die Mitte des Körpers. Ein schneller Ruck gegen den Kopf hin — und man hat ihn unter den Kiemen eingeschlingt.
Die interessanteste und aufregendste Art, den Hecht zu fangen, ist jedoch unstreitig die Staaknetzfischerei im Spätherbst. Und gerade bet dieser Fischerei lernt man die Verschlagenheit des Räubers am besten kennen und bewundern. Vielleicht mag Manchem der letzte Ausdruck etwas stark erscheinen, aber wenn man sieht, wie ein Thier niederer Gattung die Gefahr erkennt, die ihm droht, wie dies Thier die Gefahr vermeidet oder gar überwindet, dann erstaunt man doch. Die alte Streitfrage: „Jnstinct oder Ueber- legung" will ich bei dieser Gelegenheit nicht aufwärmen. Für mich ist sie.schon lange entschieden.
Wenn im Herbst die Seen sich Nachts in wallenden Nebel hüllen und am Rohr die ersten Eisstückchen im leisen Wellenschlag klirren, dann tritt der Hecht in die großen
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Rohr- und Binsenkämpe auf flaches Wasser. Dann ist die Zeit gekommen zur Anwendung des Stäaknetzes. Das ist ein kunstvoller Apparat, aus drei Netzwänden zusammengefügt. Die erste und dritte Wand wird aus großen Maschen gebildet, deren Seitenwand je 25 Centimeter mißt. Dazwischen ist eine engmaschige Netzwand eingefügt, die kaum einem fingerlangen Ftschlein das Durch'chlüpfen gestattet. Stößt nun ein größerer Fisch auf diese zwischen Ober- und Untersimme ausgespannte Wand, dann geht er ungehindert durch die ersten großen Maschen. Das engmaschige Netz aber, das einen großen Ueberschuß haben muß, gibt dem Stoß nach und wird von dem Fisch mitgezogen durch die äußere dritte Wand. Der Fisch geräth dadurch in einem Beutel, in dem er sich nicht rühren, noch wenden kann. Natürlich muß das Netz durch zahlreiche Korkstücke an der obern und Bleistücke an der untern Simme straff gespannt sein.
Es ist schon eine Reihe von Jahren her, seit ich das letzte Mal mit meinem Lehrmeister und Fischereikumpan, dem alten Stomber, an einem stillen Herbsttag auf den schönen Lycksee hinausgefahren bin. Der Alte ist inzwischen in die ewigen Jagdgefilde hinübergewechselt, aber er fühlt sich dort oben gewiß kreuzunglücklich, wenn es nichts zu fischen giebt. Ja, ich glaube, er würde lieber in der Hölle braten, wenn er dort ab und zu einen kleinen Fischzug machen könnte. Hoffentlich hat St. Peter, der alte Oberfischer mit ihm Mitleid . . .
Mit der alten Flinte auf dem Rücken, die jetzt stumm und traurig über meinem Schreibtisch hängt, umgeben von ein paar ausgestopften Habichten, die aus ihrem Rohr das Blei ereilte, steige ich an einem klaren, kalten Herbftmorgen zum See hinab, wo Stomber im leichten Kahn schon Netz und Stangen geborgen hatte. Die Sonne hebt sich gerade aus dem schwachen Nebel, der vom See emporwallt. Von zwei Schlagrudern getrieben, fliegt das leichte Fahrzeug über die glatte Fläche dahin. Da hebt Stomber sein Handruder und deutet nach dem steilen, mit einzelnen Gebüschen bestandenen Ufer. Ich lasse die Ruder fahren und greife nach der Flinte. Oben dicht unter dem Abhang sitzt Meister Lampe im warmen Lager. Aber schon lange hat er uns mißtrauisch beobachtet. Und sowie ich die Flinte an die Backe werfe, muß auch schon der Schuß krachen, denn im nächsten Augenblick ist er mit einem Satz über die Berglehne. Diesmal bin ich fix genug gewesen. Wie ein Stein rollt er den Abhang herab, bis dicht ans Wasser, so daß ich ihn vom Kahn aus erfassen kann.
Ein guter Anfang. An der nächsten Landzunge steige ich aus, um die Enten zu überraschen, die in der stillen Bucht sich bis auf den Seerand hinaus wagen, um im Uferschlamm zu buddeln. O weh, sie sind schon hinter die Rohrkämpen hinausgeschwommen. Aber Stomber weiß Rath. Während ich mich durch das Gebüsch bis an Ufer schleiche, umfährt er die Enten im großen Bogen. Einige Koppeln stehen auf und streichen ab. Andere aber ziehen ins Schilf zurück, und als der alte Practikus in einem kleineren Bogen zurückkehrt, kommen sie mir in schußgerechter Entfernung vorbeigeschwommen, daß ich mit Erfolg eine Dublette an- bringcn kann.
„Nun aber ist Jagd genug gemacht, jetzt wollen wir Hechte fangen", sagt Stomber, als wir mit einem tüchtigen Schluck Waldmeister „Begräbniß" feiern. Vor einem dichten Rohrkamp wird der Kahn mit zwei Stangen, deren Eisenspitzen in den Seegrund gebohrt werden, festgelegt. Aber leise, ohne jedes Geräusch, denn sonst zieht der Hecht, namentlich der große, der schon durch manche Erfahrung gewitzigt sein mag, sofort in die Tiefe ab. Dann legt Stomber das Netz über den Kahnrand und schiebt die eine Hälfte so dicht wie möglich am Grunde entlang steil durch das Röhricht bis dicht ans User. Die andere Hälfte wird fast parallel dem Rande des Rohrkamps ausgeschoben. Die dazu erforderliche, außerordentlich lange und dünne Stange


