Ausgabe 
17.4.1898
 
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Nr. 58

1898.

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änderbar sind die Schätze vertheilt: Der Arme hat wenig, nichts der Bettler, Zu viel der Reiche; genug o, nicht Einer I

Leben lassen, um zu leben,

Gelten lassen, um zu gelten,

Nicht, was Dir nicht ansteht, schelten,

Weil es Andern ansteht eben:

Diese Lehre laß' Dir geben:

Eine gab man selten besser. Rückert.

Der Amtmann von Rapshagen.

Criminal-Roman von F. Arnefeld.

(Fortsetzung.)

Sie stand auf, legte den Arm in den des Amtsraths und Beide kehrten nach dem Hotel zurück, ans dessen breiter Terrasse die Gäste bereits versammelt waren, das herrliche Schauspiel des Untergangs der Sonne über dem Brienzer See genießend und des Zeichens wartend, daß in dem großen Speisesaal die Abendfuppe aufgetragen werde.

Meta kam dem Vater und der Tante schon entgegen und schalt lachend über ihr langes Ausbleiben. Sie wollte llch an den Arm des Amtsraths hängen, der wnßte sich aber geschickt von ihr loszumachen und in das dicht neben dem Hotel befindliche Postbnreau zu schlüpfen.

Dort gab er der freundlichen und unermüdlichen Beamtin em wortreiches Telegramm auf, für das er eine ganz am sehnliche Gebühr zu bezahlen hatte.

u @ilL .T°ge vergingen dem Amtsrath und seinen berden Gefährtinnen unter Spaziergängen und weiteren Ausflügen, wozu sie die den Verkehr nach dem Gießbach bewirkende Drahtseilbahn, wie Dampfschiffe und Eisenbahn rtorr ber 6ef,en Laune, vergeblich hoffte ledoch Meta, daß sich eine Gelegenheit finden werde, wo sie mit ihm von ihres Herzens heißem Wunsche sprechen könne im Gegentheil, als weiche er einer solchen recht geflissentlich aus. Haltens Namen ward nicht genannt und auch Elisabeth hatte das Gespräch, das sie am Tage vermocht^""^ 9eWt/ nicht zu wiederholen

Am Abend, während die Bewohner des Hotels, wie die

i Touristen, auf die den Fällen gegenüberliegende Seitenterrasse l geströmt waren, um die Beleuchtung mit anzusehen, war | zwischen den Bekannten, welche der Amtsrath und die beiden Damen gewonnen hatien, füe den nächsten Vormittag ein weiter Spaziergang bis hoch hinauf zum dritten Fall verab­redet worden. Als jedoch die für den Aufbruch bestimmte Stunde des anderen Tages kam, erklärte Wenzel, er fühle sich nach den vielen voraufgegangenen Partien ermüdet, wolle im Hotel bleiben, in der damit verbundenen Waffer-

1 Heilanstalt ein Bad nehmen, recht gründlich der Ruhe pflegen I und allenfalls einen Brief schreiben. Elisabeth und Meta ! Möchten das strapaziöse Vergnügen nur allein mitmachen.

I Trotz ihres Bittens und Zuredens beharrte er bei l diesem Vorhaben und so brachen Beide ohne ihn mit ihrer ' Gesellschaft auf.

< ®ie Ruhe mußte ihm vortrefflich bekommen sein, denn ; als die Wanderer kurz vor dem Mittagsmahl erhitzt, bestaubt ! und müde zurückkehrten, kam er ihnen in seinem leichten leinenen Anzuge iehr frisch und heiter entgegen, erzählte

l er sei durch die Ankunft eines Bekannten angenehm über- l rascht worden und ein diner apart für vier Personen be- j stellt, das in einer halben Stunde in dem kleinen, nach den j Fullen hinausgehenden Saal aufgetragen werden würde.

( r+ "®eJ* auf Eure Zimmer und macht Euch schön, mein - Gast ist Kenner!" rief er in bester Laune, Meta aber ward ä das Herz eentnerschwer. Wer war dieser urplötzlich aufqe- l tauchte Freund, mit dessen Namen der Vater so geheimniß- l voll that?

Hatte er vielleicht einen von ihm ausgewählten Freier 1 h-erherberufen? Glaubte er, daß sie Holten vergessen habe ; und sich geneigt finden lasse, einem anderen Bewerber i Gehör zu leihen?

' r Sie vertraute ihre Befürchtungen Tante Elisabeth und j diese war ebenfalls nicht unbedenklich. Beide besannen sich 1 sttzst daß der Vater eine geheimnißvolle Geschäftigkeit ent- : wickelt, Telegramme abgesandt und empfangen habe.

''3dl hätte die größte Lust, große Ermüdung vorzu- schutzen und gar nicht zum Essen hinunterzugehen," sagte Meta, ein Mäulchen ziehend. °

Elisabeth stellte ihr vor, daß sie dadurch ihren Vater und dessen Gast, der möglicher Weise ein alter Duzfreund von ihm sei, beleidigen würde und redete ihr auch das Vorhaben aus, in ihrem arg mitgenommenen Touristenkleide zu bleiben. Sie bequemte sich denn auch, Toilette zu machen nnd sah in dem weißen gestickten Kleide mit der Rose im goldenen Haar reizend aus, obwohl sie sich bemühte, in