U
W
; M!
Oder sich ohne Liebe verständigt.
$1. Roderich.
-Ach glaube, daß es kein Bündniß giebt, Bei dem so schnell die Freude endigt, Als wenn man sich ohne Verstand verliebt.
Was lehrt das Leben? Gieb Mir gründlichen Bescheid; — Hingeben, waS Dir lieb, Hinnehmen, was Dir leid.
P. Heyse.
Der Amtmann von Rapshagen.
Kriminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
XIII.
„Ueberm Garten durch die Lüfte Hört ich Wandervögel ziehn, Das bedeutet Frühlingsdüfte Unten fängt's schon an zu blühn" sang Carola Münter.
Die Fenster des nach dem Park gehenden Musikzimmers waren weit geöffnet, im Wipfel einer Roßkastanie, deren kerzengleichen Blüthen soeben aufgebrochen waren, schluchzte eine Nachtigall, es war einer jener sanften verschleierten Frühlingstage, wo das Sonnenlicht leise gedämpft durch einen ganz feinen Wolken- oder Dunstschleier fällt und die junge Blüthenwelt wie mit einem silbernen Schein umkleidet.
In der Fensternische, mit einer Häkelarbeit in den Händen, lehnte die Frau Professor Münter, am Flügel saß Adolf Göbener und begleitete in einer Weise, welche kundgab, daß dies heute nicht zum ersten Male geschehe, die Sängerin, welche fortfuhr:
Zauchzen möcht' ich, möchte weinen, Ist mir's doch, als könnt's nicht fein! Alte Wunder wieder scheinen Mit dem Mondesglanz herein, Und der Mond, die Sterne sagen's, Und in Träumen rauscht's der Hain, Und die Nachtigallen schlagen's: Sie ist Dein, sie ist dein!" —
„Sie ist Dein," wiederholte Carola, aber mit einem leisen Mißton schloß die Begleitung.
Adolf Göbener hatte die sonst so kunstgeübten Hände nicht ganz in der Gewalt gehabt.
Was hätte er darum gegeben, hätte er cinstimmen können in die Worte Eichendorfs, denen Schumann den schluchzend jubelnden Ausdruck verlieh: „Sie ist Dein! Sie ist Dein!"
Da stand sie neben ihm, schlank und schön, im duftig hellen Sommerkleide, die weiße, ausdrucksvolle Hand leicht auf den Flügel gestützt, den Kopf mit dem wunderbare« Haar wie umkränzt von den hellgrünen Blättern einer Linaria, deren Ranken aus einer von der Decke herabhängenden Ampel fielen, unter welcher sie ganz ungesucht ihren Platz eingenommen hatte.
So fein, beherrscht und zurückhaltend Carola sich im Verkehr mit Adolf auch im Gespräch in der Gewalt hatte, wenn sie sang, verriethen die blauen Augen doch zuweilen ihres Herzens streng gehütetes Geheimniß.
Beseligt und gleichzeitig tief elend las es Adolf.
Vor sich sah er das Kleinod, nach welchem seine Seele : schrie. Er durfte nur die Hand auSstrecken, um es zu ergreifen, zu halten für das Leben,- ein Wort, eine Bitte, und sie war sein. Aber seine Hand war gefeffelt, sein Mund verschlossen.
Und las er nicht auch in ihren blauen Augensternen die vorwurfsvolle Frage, warum er nicht endlich rede? Hatte er ihr nicht durch sein ganzes Verhalten ein volle- Recht dazu gegeben? Erwarteten nicht auch ihre^Mutter und der Amtsrath seine Erklärung?
Oft hatte er sich vorgenommen, diesem Zustande ein = Ende zu machen, dem Amtsrath ein offenes Geständniß abzu- I legen, Carola nicht wieder zu sehen und seinen Vater mit ! Bitten zu bestürmen, seine Verlobung mit Anna zu veröffent- ! lichen, am liebsten ihn sogleich mit ihr zu verheirathen, um : so eine Schranke aufzurichten, die er nicht mehr zu über- j schreiten vermochte.
Er hatte von dem Allen nichts gethan. Wie versiegelt | war sein Mund gewesen, sobald er ihn geöffnet, um sich - gegen den Amtsrath auszusprechen,- wie mit unsichtbarer ; Gewalt trieb es ihn nach Waldhof. Wenn er auch mit der ; Absicht ausgeritten war, nach Rapshagen zu gelangen, sein ? Pferd schlug ganz von selbst den Weg nach Waldhof ein, » und am allerwenigsten vermochte er mit seinem Vater zu sprechen. ; Er sah die scharfen Augen des Alten, die bis auf den Grund \ der Seele blickten, auf sich gerichtet, hörte sein kurzes Lachen, l und fürchtete nichts mehr, als er könne sich einmal wieder
Zwiefacher Betrüger schalt er sich. Elender Schwächling,


