Donnerstag den 17. Februar
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ast Du Jemand weh gethan Und Du hörst ein frommes Läuten, Denke, o, gedenke d'ran:
Seinen Tod könnt' es bedeuten.
Geh' ihm nach und bitte ab — Bis Du ihm das Herz erweichest, Daß nicht einst an seinem Grab Zagend Du vorüber schleichest.
Clara v. Schwarzkoppen.
Muttersohn.
Roman von Arthur Zapp.
XXI.
Otto befindet sich in rosigster Laune. Er ist im Wohnzimmer bei Frau und Kind. Er tändelt mit seinem Kleinen, den er auf seinen Knien reiten läßt, und erzählt seiner Frau von der Audienz, die er beim Justizminister gehabt hat. In drei Monaten kann er auf seine Anstellung rechnen. Erst dann läuft die Kündigungsfrist ab.
Das behagliche Plaudern wird durch das eintretende Dienstmädchen gestört.
„Herr Assessor, Ihr Herr Bruder ist da!" meldet sie. „Er möchte den Herrn in einer dringenden Angelegenheit sprechen. Ich habe ihn in des Herrn Assessors Studir- zimmer geführt."
„Gut!" bescheidet Otto und erhebt sich. Er trägt seinen Sohn zur Mutter und küßt diese auf die Stirn.
„Ich werde Carl zum Mittagbrod hier behalten," sagt er. „Nicht?"
Ueber das liebliche Gesicht der jungen Frau geleitet ein flüchtiger Schatten. Ihr Schwager ist ihr nicht sympathisch. Im Gegentheil, fie kann in seiner Nähe ein in« stinctives Gefühl von Unbehagen, ja, von stillem Grauen nicht unterdrücken. Aber sie ordnet ihre Empfindungen dem Wunsche ihres Gatten unter.
„Gewiß, swenn Du meinst," giebt sie ergeben zurück.
Otto geht. Schon auf dem Flur hört er des Bruders Schritte, der in seinem Zimmer ungeduldig auf- und abzuschreiten scheint.
„Was hat er, was will er?" fragt sich Otto. „Kommt er endlich, meine Hilfe in Anspruch zu nehmen?"
Carl steht mitten im Zimmer und starrt den Ein- i tretenden mit weitaufgerissenen, blutunterlaufenen Augen an. - Das Haar hängt ihm wirr in's Gesicht, seine Brust hebt ; sich ungestüm unter schnellen Athemzügen. Otto erschrickt.
„Was ist Dir?" ruft er besorgt. „Ist irgend ein I Unglück geschehen? Ist Jemand erkrankt? Vielleicht Mutte<?"
Carl, der im ersten Augenblick bei Ottos Anblick, der \ ahnungslos, freundlich eingetreten, wie betäubt dagestanden, stürzt jetzt zu dem Bruder hin und packt, seiner Aufregung nicht mehr mächtig, Ottos Arm. Seine Blicke sprühen ihn an, als wollten sie ihn vernichten.
„Du ... Du hast's gethan . . . Du!" keucht er fast athemlos.
Otto ist mehr überrascht als bestürzt.
„Aber was willst Du denn von mir?" sagt er noch immer ahnungslos.
In Carls dunkelflammendem Antlitz zuckten Haß und Zorn und Verachtung.
„Wo hast Du die viertausend Mark hergehabt?" herrscht s er den Bruder an. „Die viertausend Mark, mit denen Du vor drei Jahren am vierten April Dein Accept eingelöst hast?"
Völlig fassungslos, mit fahlem Gesicht, taumelt Otto zurück. Er hält sich an dem Stuhl fest, der in seiner Nähe steht. Ganz darniedergeschmettert sinkt er darauf nieder. Er ist nicht im Stande, seine Schuldlosigkeit zu verbergen. Zu jäh, zu unvermittelt hat ihn der Streich getroffen.
Carl steht vor dem Schuldigen. Er packt ihn an beiden Schultern und schüttelt ihn im Paroximus seiner Empörung.
„Elender! Schändlicher!" zischelt er ihm in's Gesicht. „Du bist es also wirklich gewesen. Du hast gestohlen, Du . . . und hast mich in's Gefängniß wandern lassen. Ich habe auf der Anklagebank sitzen müssen für Dich . . . Du, Du erbärmlicher Wicht Du!"
Otto wehrte sich nicht, er vertheidigt sich nicht. Er sitzt wie betäubt, wie vernichtet, den stieren Blick zu Boden gekehrt.
Carl läßt von dem Wehrlosen ab. Sein erster Zorn hat sich ausgetobt. Er drückt seine beiden Hände gegen die Augen. Auch ihn überkommt es wie ein Schwindel, sein Herzschlag rast so ungestüm, daß er ihn hört, daß er [ ihn fühlt bis hinauf zum Halse. Aus tiefster Brust athmet ’ er auf. Es ist ihm, als ob eine schwere, schwere Last von | ihm weiche. Der Dieb ist gefunden, der wirkliche Dieb! \ Er leugnet nicht einmal. Und nun darf ihn . . . ihn selbst i Niemand mehr der schimpflichen Thal bezichtigen,- Niemand


