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sorgen, erkranken. Namentlich sind es Gewebswucherungen, welche sowohl den inneren Hohlraum gewaltig verengern, als auch einen Zerfall der Gefäßwände bewirken. Hieran schließt sich dann noch eine Verkalkung der Arterien. Somit wird die Ernährung des Herzfleisches immer mehr beeinträchtigt, und die davon Betroffenen fangen dann an, über den „kurzen Athem", nach Herzklopfen und körperlichen Anstrengungen, über leichte Ermüdung und Neigung zu sogenannten Congestionen zu klagen. Tritt nun irgend eine Gelegenheits- Ursache ein, so stellt das Herz Plötzlich und unerwartet seine Thäügkeit ein. Daher stürzen viele solcher Leute während einer anstrengenden Arbeit, beim Heben schwerer Lasten, beim Treppensteigen u. s. w. zusammen. Auch der Tod während gewisser natürlicher Verrichtungen ist nicht selten. Auffallend häufig tritt der Herzschlag während der Verdauung ein, d. h. kurz nach einer besonders reichlichen Mahlzeit, so daß es keinem Zweifel unterliegt, daß auch in den größeren Ansprüchen, welche durch die Verdauung an die Herzthätigkeit gestellt werden, ein Moment erblickt werden muß, welches die Lähmung eines kranken Herzens herbeizuführen vermag.
Auch heftige Gemüthsaffecte können ein Gleiches bewirken, denn bei ihnen wird das Gefäßsystem und das Herz in sehr lebhafter Weise in Mitleidenschaft gezogen, wie das hinreichend zu erkennen ist an dem Blaßwerden des Gesichtes bei Schreck, der Röthung bei Freude, sowie an den Veränderungen des Tempos des Herz'chlages. Es ist also der plötzliche Tod aus Freude, Schreck oder schwerem Leid keine bloße Erfindung der Dichter, sondern eine Thatsache. Kommen solche Fälle zur Obduction, so findet sich fast stets ein in der erwähnten Weise degenerirtes Herz, und es ist zweifellos, daß die betreffenden heftigen Gemüthsaffecte auf den Stillstand desselben von wesentlichem Einfluß gewesen sind. Daher ist eine gewisse Vorsicht bei Mittheilung erschütternder Ereignisse, insbesondere an Kranke, entschieden angezeigt.
Aus der Volkslitteratur der Eingeborenen in den deutschen Colonien.
Die nachfolgenden Sprichwörter der Ewhe-Neger in Togo sind von Herrn R. Prietze ausgezeichnet und im Original und mit Jnterlinear-Uebersetzung in meiner Zeitschrift für afrikanische Sprachen veröffentlicht:
1. Eine Hand knickt keine Laus (Einigkeit macht stark).
2. Die Fliege frißt des Hundes Ohr nach und nach auf (Petit ä petit l’oiseau fait son nid).
3. Niemand nimmt das Dach seines Hauses, um eine fremde Hütte zu decken (Jeder ist sich selbst der Nächste).
4. Die Ameise sprach: Wenn wir zusammen sind, können wir dem Grashüpfer das Bein ausheben (Einigkeit macht stark).
5. Ein müßiger Mund spricht von den Angelegenheiten ünderer Leute.
6. Ein Friedensstifter muß ruhig bleiben, sonst macht er den Streit noch schlimmer.
7. Eine Mutter wird nicht (dauernd) böse,' hat sie eben mit der einen Hand ihr Kind ge chlagen, gleich liebkost sie es mit der andern.
8. Auch mit zehn Bund Brennholz kann man einen Stein weder kochen noch in Brand setzen (d. h. ein tüchtiger Mann fügt sich keiner Ueberzahl.
9. Eine kleine Katze fängt kleine Mäuse (d. h. Jeder nach seinen Kräften).
10. Krummes Holz hinterläßt krumme Asche (der Apfel fällt nicht weit vom Stamme).
11. Eine (schlechte) Palmnuß verdirbt alle Palmnüsse (ein räudiges Schaf u. s. w.).
12. Ein Auge kann nicht zugleich in zwei Flaschen sehen
(in China sagt man ähnlich: Ein Mann kann nicht auf zwei Schiffen stehen).
13. Ein alter Leopard ändert seine Streifen (auf dem Felle) nicht.
14. Manchen Strom habe ich durchquert, und keiner riß mich fort; da faßte mich eine Feldquelle nahe der Heimath (d. h. man entgeht manchmal den großen Gefahren und erliegt den kleinen).
15. Viel Fleisch verdirbt die Suppe nicht.
16. Die Lüge tödtet den Menschen.
17. Besser eine Schlumpe nehmen als unverheirathet bleiben.
18. Auf beiden Füßen kann man nicht hinken.
19. Die Zunge zerbricht Häuser.
20. Ein alter Papagei lernt nicht mehr sprechen. (Was Hänschen nicht lernt u. s. w.).
21. Ein Kind, das nie andere Länder gesehen hat, spricht: Nur meine Mutter versteht gut zu kochen.
22. Täglich eine Mauskeule ist besser als auf einmal eine Rindskeule (und dann weiter nichts).
53. Kauris (d. h. Geld) machen den Mann.
24. Weißt du dem Buckligen zu schmeicheln, kannst du ihm den Buckel streicheln.
25. Eine Ziege mit abgeschnittenem Ohr kann ihr Kind nicht lehren (d. h. wer es selber an sich fehlen läßt, kann andern keine moralischen Vorschriften machen).
(Deutsche Colonialztg.)
GEsinnütziges.
Eine für Rosensreunde sehr interessante Preisaufgabe veröffentlicht der „practische Rathgeber im Obst- und Garten« bau": einen alle drei Jahre wiederkehrenden Preis von 1000 Mark für die beste deutsche Rosenneuzüchtung, die noch nicht in den Handel gebracht ist. Zunächst soll der Preis im Jahre 1900 verliehen werden. Findet sich kein geeigneter Bewerber, erhöht sich der Preis für das nächste Mal auf 2000 Mark. Die Neuzüchtung bleibt volles Eigen- thum des Züchters und wird farbig im „practischen Rath- geber" abgebildet. Wer sich für die näheren Bedingungen interessirt, lasse sich die neueste Nummer des „practischen Rathgebers im Obst- und Gartenbau" kommen, sie wird auf Wunsch umsonst zugeschickt von dem Geschäftsamt in Frankfurt a. Oder.
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Das Häufeln der Kartoffel muß sorgfältig aus- geführt werden. Geschieht es nachlässig, so daß in der Mitte eine tiefe Rille verbleibt, der Kartoffelbusch innerhalb der Triebe eine Mulde aufweist, so könnte es allerdings unterlassen werden, weil dann diese schwachen, stark durchlüfteten Kämmchen derartig austrocknen, daß eine verstärkte Stolonen- btldung nicht stattfindet. Der Häufelpflug hat regelrecht geschlossene Kämme zu formen. Manche Landwirthe fürchten dabei das Bedecken der Pflänzchen mit Erde. Wenn dasselbe im Großen und Ganzen vermieden werden soll, fo schadet dasselbe doch nie in dem Maße, wie das angeführte Behäufeln.
Der Tairsendftttz kann, wo er in Massen auftritt, ähnlich den Schnecken großen Schaden anrichten, weil er sich hauptsächlich an den keimenden Samen und zarten Sämlingspflanzen, an weichschaligen Melonen und Gurken, dann auch an Aprikosen, Erdbeeren und anderen Früchten vergreift, diese anfrißt und dadurch verdirbt. Das Wegfangen ist ziemlich schwierig. Durch Auslegen ziemlich frisch ausgehöhlter Möhren, Kohlrabi, Gurken und Kürbisse ist es theil- wcise möglich. Doch müssen die Fangstücke frisch sein und Morgens und Abends nachgesehen werden. Wer Kröten im Garten hält, hat die besten Fänger für dieses Ungeziefer.
W*act(on: 8. Burkhardt. — Druck und B-rlag der Brühl'schen UnürerfitStt-Buch- und Gtemdruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


