Ausgabe 
16.7.1898
 
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unst, die kehrt sich nach dem Glücke; Geld und Reichthum, das zerstäubt- Schönheit läßt uns bald zurücke;

Ein getreues Herze bleibt.

Mir ist wohl bei höchstem Schmerze, Denn ich weiß ein treues Herze.

Paul Fleming.

Felsgarten.

Roman von Clara Bücker.

(Fortsetzung)

Er trat der Fragerin nichtsdestoweniger näher und stutzte. Freiwillig wollte das Mädchen ihn grüßen, als auch sie zauderte und nur gemessen den Kopf neigte.

Ist störe doch Wohl?"

Sie nehmen mir die Frage ab," versetzte Heinrich, denn eben legte ihr Vater mir nahe, fürs Erste hier zu bleiben, Fräulein Hilde?"

Ach nein," lächelte sie nun, wobei ein Zug um ihren Mund huschte, der ihm zu denken gab,ist Papa Ihr Hiersein recht, ist es mir sogar billig."

Damit zog sie sich hinter diesen Papa zurück, ihm alles Andere überlassend.

Du siehst Dich gänzlich gebunden, Heinrich, Vater wie Tochter wissen nichts einzuwenden. Und nun will ich Dir Dein Zimmer zeigen, damit Du Deine Sachen unter­bringst, dann setzen wir uns zu Tisch."

Der Landrath ging voran, Hilde blieb zurück, daß Heinrich sich noch einmal nach ihr umwandte. Sie schritt gerade durch das Zimmer nach einer anderen Thür, er er­hielt das volle Bild ihrer anmuthigen, schlanken Glieder im dunkelblauen, weißgepunkteten Sommerkleide, wie es Ines' Zofe nicht einmal angezogen hätte.

Schlicht und züchtig fiel es um sie her, nahm der Gurt es über den Hüften zusammen, ließ es allein den edel ge­tragenen Hals etwas frei. Sanft geneigt trug sie den feinen ernsten Kopf, der mit seinem knospenhast jungen Gesicht eine Studie für sich blieb.

Bedeutend älter als Ines schien das Mädchen hier noch ganz und gar unberührt, auch nicht ein Hauch der rauhen

Welt konnte dieser Ahnungslosigkeit bisher nahe getreten sein. So wollte auch er es nicht.

Kein Blick sollte ihr den gewaltigen Eindruck verrathen, den ihre außergewöhnliche Art ihm machte. Der, dem sie einst gehören würde, durfte allein genießen, was in ihrer Seele lebte.

In seinem Zimmer hielt er hastige Umschau. Dunkel polirte Möbel nur zum Gebrauch, dunkel bezogene Sophas, Decken wie Teppiche nur spärlich vertreten, aber solche Schlichtheit schien hier am rechten Ort.

Tauchlitz holte seinen Gast zu Tisch ab. Diesmal grüßte Hilde ihn sicherer; jedenfalls fühlte sie sich als Hausfrau.

Ihr Vater saß vor seinem Teller still und gelassen, wie vorhin im Arbeitszimmer, kaum hob er den Blick, ob­wohl er mäßig, ja, sicher nicht einmal wußte, was er eben genoß. Hilde indeß, von einnehmender Anmuth bei dieser materiellen Beschäftigung, besaß das Feingefühl der unbekümmerten Jugend für jeden Bissen und äußerte es in kurzen Bemerkungen.

Die Suppe hat Kraft, Papa, die solltest Du auseffen," oderder Braten ist saftig, von reinstem Fleischgeschmack, probire doch laß lieber die wässerigen Kirschen. Eine Kartoffel, ja? Sie haben einen guten Erdgeschmack."

Umfangreicher als diese kleinen Anpreisungen war die Speisenfolge auch nicht, wie denn das Porzellan sammt den Bestecks eben gerade anständig und wohlgeformt anmutheten. Und dennoch besaß Alles einen Anstrich, eine Art, die Heinrich betroffen machte, so sehr berührte sie sein Innerstes.

Sie sind gewiß eine andere Mannigfaltigkeit gewöhnt," wandte Hilde sich an ihn,ach, und da fällt mir ein, wenn die Tante aus Mecklenburg sich hier aufhielt, sie gern Emmenthaler und Pumpernickel zum Kaffee; Beides sollen Sie nicht entbehren."

Sie eilte selbst, seine Annerkennung ließ sie erröthen. Nach Tisch zog Tauchlitz sich zurück, die beiden jungen Leute blieben allein.

Papa muß etwas ruhen. Er ist gar nicht kräftig, deshalb müssen wir für Einhaltung seiner Gewohnheiten sorgen. Wollen wir durch den Garten gehen?"

Wie sie war, noch immer im punktirten Hauskleidchett, schritt sie neben ihm durch den erst zartgrün belaubten Garten, dessen Rasenplätze nur Rosenstämme trugen. Sie blühten noch nicht, der Flieder am Zaun hatte erst dicke Knospen angesetzt. Hier und da waren einzelne Zweigspitzen I sorgsam von weißem Mull umhüllt, Raupennester und Puppen