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as ist so schön am frischen Frühlingswind:
Sein Rauschen mahnt: Das Beste kommt noch, Kind!
Das ist so schmerzlich an des Herbstes Prangen, Sein Schimmer sagt: Das Beste ist vergangen!
Frieda Schanz.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
„Es war eine Falle!" keuchte Göbener, „und ich bin hlneingefallen. Mein Sohn hat gar keinen Selbstmord begangen^ meine Frau ist wohl auch nicht gestorben und meine Töchter —"
„Ihre Frau ist todt," unterbrach ihn der Amtsrichter, „und Ihr Sohn hat sich durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet. Er lebt noch, ob er aber davonkommt, das ist die große Frage. Die Aerzte geben wenig Hoffnung."
„Wer bürgt mir dafür, daß Sie mir jetzt die Wahrheit sagen?" fragte Göbener.
„Welche Veranlassung hätte ich, das nicht zu thun?" erwiderte der Amtsrichter mit verächtlichem Achselzucken.
„Richtig, Sie haben ja aus mir herausgelockt, was Sie wissen wollten," sagte Göbener höhnisch.
„Nicht Alles, aber ausreichend, um Sie vor das nächste Schwurgericht zu verweisen," entgegnete der Amtsrichter, schloß das Verhör und ließ den Gefangenen in seine ReHe zurückbringen.
„Sind Sie aus dem Mann klug geworden?" fragte Kroh den Protocollführer, als er mit ihm allein war.
„Nein, und es liegt auch gar nicht in der Absicht des Herrn Daniel Göbener, daß wir das werden sollen," antwortete ,Ehrenberg. „Seine Schlauheit verläßt ihn auch jetzt nicht und er sucht sich bereits mildernde Umstände zu verschaffen. Die Hauptsache ist, daß wir sein Geständniß haben."
„Alles Uebrige können wir dem Staatsanwalt und den Geschworenen überlassen," versetzte Kroh.
„Den Vertheidiger nicht zu vergessen. Bin wirklich gespannt, was der zu Gunsten dieses alten Sünders Vorbringen wird," erwiderte der Protocollführer zornig.
„Nun, was würden Sie denn an seiner Stelle sagen?"
< fragte der Amtsrichter, den die Entrüstung des braven | Mannes belustigte.
„Nur ein paar Worte: Werft das Scheusal in die Wolfsschlucht!"
„Kurz und drastisch!" sagte der Amtsrichter, „aber Unrecht kann ich Ihnen nicht geben."
XXIV.
„Auf diese Bank von Stein will ich mich setzen," citirte etwas außer Athem gebracht der Amtsrath Wenzel und ließ sich auf eine Bank, unweit des zweiten Falles auf dem Gteßbach in der Schweiz nieder, zu dem er an einem wolkenlosen und ziemlich heißen Junitage in Begleitung seiner Cousine, Elisabeth Wenzel emporgestiegen war.
Schon etwas länger als eine Woche hatten Elisabeth und Metha Wenzel im Hotel Gießbach Wohnung genommen, das sich gegenüber von Brienz, da wo die Gießbachfülle in einer Höhe von 300 Fuß in den Brienzer See stürzen, umgeben von frischen grünen Matten und prachtvollen, sich weit ausdehnenden Waldungen erhebt, und den Besuchern dieses Theiles der Schweiz vorübergehend, wie für längere Rast einen sehr angenehmen Aufenthalt gewährt.
Am Mittag dieses Tages war von Luzern und über den Brünig kommend, auch der Amtsrath Wenzel eingetroffen, der sich nach einer Trennungszeit, die ihm endlos gedünkt, so wenrg er äußerlich sich das auch hatte merken lassen, nun endlich wieder mit der geliebten Tochter vereinigt sah.
Der Amtsrath war nicht, wie dies beabsichtigt gewesen, m der Gesellschaft der Frau Professor Münter' und deren Tochter gekommen- beide Damen hatten den Aufenthalt in Waldhof der Reise vorgezogen. Wenzel gab seiner Tochter, die, so sehr das Wiedersehen mit dem Vater sie beglückte, doch das Ausbleiben der Verwandten beklagte, dafür einige mehr oder minder stichhaltige Gründe an, den wahren und ausschlaggebenden, daß Carola den Ort nicht verlassen gewollt, in dessen Nähe Adolf Göbener mit dem Tode rang, gestand er seiner Cousine Elisabeth erst in einem langen Gespräch auf einem weiten Spaziergang, den er wenige Stunden nach seiner Ankunft mit ihr unternommen und der sie bis zur Felsgrotte des zweiten Falles geführt hatte, während Meta auf dem unweit des Hotels befindlichen Lawn-Tennies-Platz mit einer aus Engländern und Deutschen bestehenden Spielgesellschaft zurückgeblieben war.
Meta sollte davon, wie überhaupt von den furchtbaren Ereignissen, die ihren Jugendgespielen Adolf Göbener zu fernem Selbstmordversuch getrieben hatten, vorläufig nichts erfahren.


