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ginnen die Hechte zu laichen. Um einen großen Rogner sammeln sich drei vier, ja manchmal bis zehn kleinere Milchner. Langsam zieht die Hochzeitsgesellschaft am Ufer entlang, bis die passende Stelle zum Absitzen des Laichs gefunden ist. Dann beginnt das Wasser unter den heftigen Bewegungen der laichenden Fische zu brodeln und zu schäumen. Dies ist der richtige Augenblick zum Wurf. Der Fischer hat sich unmerklir, der Laichstelle genähert, aber nicht immer gelingt es ihm, sich heranzupirschen, denn auch in diesen weihevollen Momenten ist der Hecht scheu und vorsichtig. Wie ein Bündel Blitzstrahlen fahren die Thiere auseinander.
Leichter ist es jedenfalls, laichende Hechte mit einem starken Schrotschuß zu erlegen. Nur muß man sich beeilen, die gische mit einem Hamen schnell aus dem Wasser zu heben, denn in den meisten Fällen sind sie von dem Aufschlag nur betäubt und erholen sich schnell.
Eine Fangart von unendlichem Reiz ist das Stechen der Fische bei Fackellicht. Dazu gehören handlange, daumendicke Stückchen von kienigem (harzigem) Fichtenholz, die in einem Drahikorb etwa zwei Fuß vor der Kahnspitze brennen und das Wasser bis zu einer Tiefe von drei und vier Fuß durchhellen. Jo der Spitze des Kahns steht der Fischer mit dem Speer, ein zweiter schiebt den Kahn langsam und geräuschlos vorwärts. Es gewährt einen wunderbaren Anblick, die sonst so scheuen Fische von dem Lichtglanz geblendet, unbeweglich stehen zu sehen. Es gehört aber eine feste Hand und ein sicheres Auge dazu, um nicht fehl zu stoßen. Auch auf die Waffe kommt es viel an. Ich hatte mir nach Angaben des Königsberger Professors Benecke, der nicht nur eine große Autorität auf dem Gebiet der Fisch- wiffenschaft, sondern ein noch größerer Praktiker war, einen Speer construirt, der das Entzücken jedes erfahrenen Fischers war. In ein Stahlstück von Handtellergröße waren zwölf recht starke, gutgeglühte, feingespitzte Stricknadeln eingelassen. Zahlreiche Widerhaken aus dünnen Stahlspitzen waren aufgeschweißt. Als Schaft diente eine dünne, glatte Bambusstange von vier Meter Länge. Mit diesem Speer entging mir so leicht kein Fisch, auch wenn nur zwei Spitzen getroffen hatten. Selbst ein starker Aal, der sich zur Nachtzeit auf flache Uferstellen hinausgewagt, mußte manchmal daran glauben.
Die Ausübung dieser aufregenden Fischerei ist nur noch in geschlossenen Gewässern möglich, die dem Fischereigesetz nicht unterliegen, oder in einsamen kleinen Seen, die das Auge des Gesetzes nicht überwacht. Früher sah man in stillen, warmen Sommernächten die hellen Feuer rings um den See aufleuchten. Damals fing man auch die Krebse meistens bei Kienlicht. Einer trug den Sack mit dem Holzvorrath, ein Anderer an langem Skiel den Drahtkorb mit dem lodernden Feuer, und rechts und links von ihm wateten die eigentlichen Krebsfänger, die mit sicherem Griff die geblendeten Rückschrittler aus dem flachen Wasser herausholten. Wo man jetztInoch es wagt, diese leichte Fangmethode anzuwenden, da wandert einige hundert Schritt vor und hinter den Krebsfängern je ein Wachtposten mit einem wachsamen Hunde. Ein Pfiff, der Drahtkorb fährt zischend ins Wasser hinab, und lautlos flüchtet die ganze Gesellschaft in die Ufergebüsche oder in den nahen Wald.
Die Verordnungen der Behörde mögen ja für die Schonung der Wasserbewohner sehr heilsam fern, aber sie haben dem Fischerleben viel Poesie geraubt. Wie wundersam war es doch, wenn man im leichten Kahn in der Stille der Sommernacht dahinglitt und die qualmende Gluth des Feuers grelle Lichter auf die dunklen Fichten am Ufer warf. Oder wenn man beim Dämmerlicht des grauenden Morgens die letzten Kienscheite an einem Busch zusammenwarf und die Beutel leerte, um die gefangenen Krebse zu zählen. Dann fand sich auch meistens noch ein letzter Schluck in der Flasche,
der die nassen, in der Morgenkühle erschauernden Glieder wohlig durchwärmte.
Wie die alten Erinnerungen alle wieder lebendig werden! Ist es mir doch, als wäre es gestern gewesen, daß ich zum letztenmal mit unserem alten Fischmeister das große Zugnetz rüstete. Das war stets eine Art Familienfest. Zeitig am Tage zogen wir Fischer hinaus zu dem einsamen Waldsee im dunklen Forst. Am Nachmittag brachte ein Leiterwagen die Eltern und gute Freunde, die niemals fehlen durften. Dann loderte auf dem Rasen der Landspitze, die den See in zwei Hälften theilt, ein mächtiges Feuer empor, es wurde Kaffee gekocht und Grog gebraut und schließlich ein mächtiges Gericht frischgefangener Fische zubereitet. Aber nicht immer ist der Fang ergiebig. Die Witterung ist nicht immer günstig. Und wenn das Netz zu schwer auf dem Grunde schleppt, dann entwischt der schlaue Räuber, aus den es abgesehen ist, darüber hinweg.
Auch mit der Angel läßt sich der Hecht fangen. Als Köder dient ein kleiner Weißfisch, ein großer Thauwurm oder gar ein Frosch. Die Methode des Fangens läßt fich schwer beschreiben, denn so viele Anhänger dieser Sport zählt, so viel Methoden giebt es. Die einfachste Art besteht darin, daß man die aus einer starken Ruthe und Schnur bestehende Angel mit einem kleinen Fisch besteckt und auswirft. Erfolgt der Biß, dann wird derffHecht angehauen, durch den Zug des elastischen Angelstockes müde gemacht, und dann mit Hilfe eines Käschers eingehoben. Es kommt jedoch vor, daß man bei drei oder noch mehr Bissen den Fisch nicht „anhaut". Das rührt daher, daß der Hecht wohl den Köderfisch, aber nicht den Haken mitgefaßt hat. Befferen Erfolg hat man mit der sogenannten Schluckangel. Der Hecht pflegt nämlich jeden Fisch, den er greift, erst eine Weile im Rachen zu halten, bis kein Widerstreben mehr stattfindet. Dann läßt er die Beute einen Augenblick los, um fie schluckgerecht über den Kops zu fassen. Zu dieser Procedur sucht er meistens das Röhricht des Ufers auf. Auf dieser Beobachtung fußt das Prinzip der Schluckangel, die nur aus einer bis zu hundert Meter langen Seidenschnur besteht. Etwa zehn bis fünfzehn Meter wirft man mit dem Köderfisch aus,- wenn der Hecht gebissen hat, läßt man den Rest der Schnur von einer leicht laufenden Rolle abspulen. Nach etwa zehn Minuten holt man die Schnur ein, in den meisten Fällen mit Erfolg. Denn der Hecht hat inzwischen den Fisch so tief verschluckt, daß er vom Haken nicht mehr loskommt. Ein vorsichtiger Angler tödtet jeden Hecht, sobald er eingeholt ist, denn es kommt gar nicht so selten vor, daß der Gefangene sich mit gewaltigem Schwung aus dem Kahn hinausschncllt, namentlich wenn er in einem mit Wasser angcfüllten Raum, dem sogenannten „Spiel", aufbewahrt wird. (Schluß folgt.)
Humoristisches.
Abergläubisch. Frau Huber: „., .. Sie werden sehen, Frau Nachbarin, 1897 wird ein „schlimmes Jahr", weil der Neujahrstag auf einen Freitag fällt!" — Frau Maier: „O mein, was gäbs erst da für ein Unglück, wenn er gar einmal auf einen Dreizehnten fallen thät'!" * * *
Frei nach Goethe. „Rings auf allen Wegen — Partout, — Selbst auf den einsamsten Stegen — Siehst Du — Das Rad mit dem Schlauch,- — Schon radelt der Wilddieb im Walde — Warte nur, balde — Radelst Du auch." » * *
Fauler Zauber. Sie: „Ach, wie reizend der Zauberkünstler arbeitet! Hast Du gesehen, wie er eben einen Hut in ein Goldstück verwandelt hat?" — Er: „Da bist Du doch noch viel bedeutender, Du kannst sogar Goldstücke in Hüte verwandeln!"
Rcdactum: 8L Echeyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in Gießen.


