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im Stande war und sich getraute, ihrer Empfindung einen lebhaften, leidenschaftlichen Ausdruck zu geben, und so tief waren sie.
Anna machte Adolf nie einen Vorwurf über sein seltenes Kommen, wie über sein verändertes Wesens sie 1 fragte nicht und forschte nicht, was und wer sein Herz von i ihr gewendet hatte, es war genug, daß sie es verloren hatte. *
Sie begegnete ihm fortdauernd mit der gleichen ; Liebenswürdigkeit, duldete seine Liebkosungen, wenn er ihr - solche spendete, erwiderte sie in ihrer schüchternen Weise und war bemüht, ihn durch ihr Geplauder zu unterhalten — dieses Geplauder, das ihm einst so süß geklungen und das ihm jetzt so schal und inhaltsleer erschien.
Es fiel ihr auch nicht ein, daß es in ihrer Hand liege, l das noch so wenig feste Band zu lösen und ihm seine Freiheit zu geben. Sie war gebunden, sie hatte zu warten und sich zu bescheiden, und geduldig wie das Lamm, das man zu der Schlachtbank führt, erwartete sie den tödtlichen Streich, der ihre Liebe und ihr Herz treffen sollte.
Adolf hatte keine Ahnung von dem, was im Innern des äußerlich so ruhigen und gleichmäßigen Mädchens vorging. Durch kleine Geschenke, die, er ihr bei jedem Besuch mitbrachte, durch eine Zärtlichkeit deren Gemachtheit und Unwahrheit fie nur zu wohl erkannte, suchte er sich vor l seinem Gewissen loszukaufen. Röthete sich dann ihre Wange, i nahm ihr Auge einen ihm sonst fremden feuchten Glanz an, i h hielt er sie für glücklich und überredete sich, daß er ja kein Unrecht gegen sie begehe und fest entschlossen sei, ihr die Treue zu halten.
War das nicht genug, nein mehr als von einem Menschen mit heißem Herzen und aufgeschlossenen Sinnen zu verlangen war?
Er hielt sich für einen Märtyrer, für einen unglücklichen Sclaven seines Wortes und bemerkte darüber nicht, daß Annas Wangen immer schmäler und blässer, daß ihr Gang und ihre Bewegungen matter wurden, das sanfte Licht ihrer Augen wie von einem Thränenschleier verhüllt war.
Auch Frau Göbener merkte nichts, denn sie nahm sich in ihrer Gegenwart mit übermenschlicher Kraft zusammen, und wenn der Amtmann, dem so leicht nichts entging, auch sah und hörte, so hütete er sich, etwas zu sagen, da Anna ihre Arbeit that.
Seine Töchter waren lange nicht in Rapshagen gewesen l und ebenso wenig vor Anna zu ihnen gekommen. So gab \ es denn keine Zeugen ihres Leids als der Papagei, dessen ! Lieblingsruf jetzt der Refrain eines Gedichtes war, das Anna in einer Zeitschrift gefunden hatte und oft unter Thränen las:
„Er liebt nicht mehr! Er liebt nicht mehr!" (Fortsetzung folgt.)
Die schwarze Perle.
Von Hugo Klein.
------- (Nachdruck verboten.) !
„ . . . Die Heldin meiner Geschichte/' sagte der ! Juwelenhändler, indem er sich eine Cigarette anzündete, i „ist eine Perle, und zwar eine tiefschwarze Perle von über- i raschender Größe und seltenem Glanz. Ihre Kostbarkeit j läßt sich schwer in Ziffern ausdrücken."
Es sind nun gerade zwanzig Jahre her, da trat eines i Morgens ein junges Mädchen in einen großen Juwelenladen t in der Hartengasse zu Budapest. Ihre Kleider waren seltsam ; ungeschickt angefertigt, auf dem Kopfe trug sie einen Hut von - schreienden Farben, in der Hand einen großgeblumten Sonnen- j schirm aus alter, vergilbter Seide. Man merkte dem Mädchen auf zehn Schritte die „Landpomeranze" an. > Mochte wohl irgend ein kleines Silber-Armband mit dem emaillirten Worte „Souvenir" als Andenken an die Reise ;
nach der Hauptstadt kaufen wollen oder dergleichen. Sie sah so simpel aus trotz ihrer hübschen schwarzen Augen und der Grübchen in dem rothbackigen Gesichte, daß sich weder der Chef noch sein Commis veranlaßt fühlten, ihr auch nur einen Sitz anzubieten.
Das junge Mädchen schien aber diese Mißachtung gar nicht zu bemerken, ließ sich ruhig in dem kleinen roth- sammtenen Fauteuil nieder, welcher für die noblen Kunden des Ladens in Bereitschaft stand, kramte dann in ihrem Gretchentäschcheu herum und zog schließlich einen sorgsam in Seidenpapier gehüllten Gegenstand von dort hervor. Langsam schälte sie diesen Gegenstand heraus, winkte dann den Chef der Firma näher und hielt ihm zwischen Daumen und Zeige finger ein großes, rundes Etwas entgegen.
„Was ist das werth?" fragte sie mit jugendlich melodischer Stimme.
Der Juwelier nahm den Gegenstand, sichtlich gespannt, aus der Hand der Fremden.
Es war die erwähnte Perle, von einer Schönheit und Pracht, daß der Mann seinen Augen kaum traute. An einem Punkte hatte sie einen kaum merklichen Defect. Der mochte Wohl von einer Spange oder Schlinge herrühren, aus welcher die Perle genommen war.
„Die Perle hat einen Fehler," sagte der Juwelier.
„So!" sagte die Fremde gedehnt, indem sie sich vorbeugte, um die kleine Verletzung des Kleinods zu betrachten.
Der Juwelier faßte das Mädchen genau ins Auge. Ihr Erstaunen war ganz aufrichtig, nicht die geringste Heuchelei lag darin. Sie war keine Kennerin.
„Woher haben Sie die Perle?" fragte nun der Mann.
„Das ist wohl gleichgültig," erwiderte das junge Mädchen lächelnd. „Uebrigens ... ich bin Besitzerin eines kleinen Pfandleihgeschäftes in der Provinz, das ich von meinem Vater geerbt habe Eine hohe Herrschaft will den Schmuck bei mir versetzen. Sie verlangt viel dafür. Sagen Sie mir, was die Perle Werth ist, und ich will Sie für Ihre Mühe bezahlen."
„Ich kann die Perle nicht schätzen," sagte der Juwelier, indem er sie bewundernd betrachtete.
„Warum nicht? Warum können Sie die Perle nicht schätzen?" fragte das Mädchen ein wenig ärgerlich. „Ich will Sie ja für Ihre Mühe entschädigen!"
„Gut, gut," beeilte sich der Manu begütigend zu sagen. „Ich wollte damit nur andeuten, daß die Perle unschätzbar, weil sehr selten ist."
Das junge Mädchen überlegte einen Augenblick, indem sie den Mann prüfend betrachtete. Dann fragte sie:
„Kann ich darauf zweitausend Gulden leihen?" „Unbedingt."
„Und fünftausend?"
„Auch."
„Und zehntausend?"
Der Juwelier nickte lächelnd mit dem Kopfe.
Der Provinzschönen war ganz heiß geworden und sie fuhr sich mit ihrem Tüchelch-n über das Gesicht. Ihre Augen funkelten nun, wie die schönsten Diamanten in dem Laden nicht schöner leuchteten. Sie bat um ein Glos Wasser.
Der vorhin erwähnte, respektlose Commis stürzte eilfertig und gefällig mit einem Glase fort.
„Und zahlen Sie mir für die Perle die zehntausend, Gulden, wenn ich sie verkaufen möchte — denn ich habe auch dazu die Ermächtigung?" fragte das junge Mädchen, noch immer ein wenig mißtrauisch, ob der Mann keinen Scherz mit ihr treibe.
„Nein —"
Sie lachte herzlich.
„Ah! Da sehen Sie!" rief sie.
„Es giebt nur eine Firma in Oesterreich, welche für diese Perle Verwendung hat und sie kaufen dürfte. Es ist die eines Hofjuweliers in Wien."
„Können Sie mir die Adresse angeben?"


