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„Gern."
Der Verkäufer schrieb die Adresse auf ein Blatt Papier. Die Fremde dankte freundlich, indem sie es entgegennahm und mit ihrem Kleinod wieder in der Gretchentasche verbarg. Dann trank sie das Glas Waffer, welches ihr der Commis unter Bücklingen darreichte, erhob sich, legte trotz aller Ablehnung einen Gulden als „bescheidene Schätzungsgebühr" auf den Tisch und entfernte sich.
Vierundzwanzig Stunden später trat dasselbe junge Mädchen in der nämlichen, in Wien noch befremdlicher erscheinenden Toilette in den Laden des Hofjuweliers auf dem Graben, der ihr bezeichnet worden war. Dort empfing ich die Besucherin — ich war damals als Stellvertreter des Chefs und Geschäftsleiter bei der alten Firma angestellt. Ich sah die Perle — die Verkäuferin stand in gar keinem Verhältnisse zu ihrem Besitze.
„Vor Allem, mein Fräulein," sagte ich, „werden Sie so gütig sein, mir zur Polizeidirection zu folgen, um sich dort auszuweisen, wie Sie in den Besitz dieses Schmuckes gelangt sind."
Sie richtete einen zornsprühenden Blick auf mich.
„Und wenn ich das nicht thue?" rief sie heftig.
„Dann müßte ich bedauern, einen Wachmann holen zu müssen, der Sie dahin geleitet."
„Gut," sagte das Mädchen, „ich folge Ihnen, wenn das so Sitte ist in Wien, mit Kunden umzugehen . . . Lassen Sie freundlichst einen Wagen holen."
Der Wagen war bald zur Stelle.
„Die müssen entschuldigen," sagte ich, „aber der Fall —- ein Kleinod von diesem Werth —"
„ES ist schon gut," sagte sie kurz. „Was Sie thun, thun Sie ja auf Ihre Verantwortung."
DaS Mädchen erschien mir nun durchaus rechtschaffen und ganz geschetdt. Ich verstehe mich auf das Benehmen von Schwindlern. Ich täuschte mich auch nicht. Im Polizeiamte wurde die junge Fremde aufgefordert, sich auszuweisen, wer sie sei und woher sie die Perle habe. Sie gab an, sie heiße Cäcilie Roth und sei nach Großwardein zuständig. Sie besitze von ihrem Vater ein kleines Pfandleihgeschäft, in welches häufig ein junger Bauersmann gekommen wäre, Akos Kelemen mit Namen, der verschiedene Habseligkeiten versetzt habe. Er sei sehr arm. Eines Tages kam sie an dem Häuschen Kelemens zufällig vorbei und hörte lauten Lärm im Hofe. Da ihr der Mann bekannt war, trat sie ein und hörte, daß man ihn wegen einer Schuld von achtzehn Gulden pfänden wollte. Kelemen rief sie zur Seite, zeigte ihr verstohlen die Perle und erbat sich zwanzig Gulden dafür, um seine Schuld bezahlen zu können. Er sagte, die Perle sei ein altes Andenken, von dem er sich ungern trenne. Mehr aus Mitleid mit dem armen Teufel als überzeugt von dem Werth der Perle, gab sie ihm die verlangte Summe. Sie wußte wohl, so viel verstand sie von der Sache, daß die Perle einen hohen Werth besitzen müsse, wenn sie echt war. Sie hielt sie jedoch nicht für echt. Das Weitere ist aus meiner Erzählung bekannt. Sie fügte noch hinzu, daß sie, in Pest über den Werth des Kleinods aufgeklärt, die Reise nach Wien gemacht habe, um es zu veräußern in der Absicht, den Erlös mit dem armen Kelemen ehrlich zu theilen.
Fräulein Cäcilie Roth blieb in ihrem Hotel unter Polizeiaufsicht, bis man in Großwardein die nothwendigen Erhebungen gemacht. Ausführliche Depeschen gingen nach der ungarischen Provinzstadt. Die Aussagen des jungen Mädchens wurden in allen Punkten für richtig befunden.
Es stellte sich ferner heraus, daß der Vater des Akos Kelemen ehedem Kammerdiener des Grafen Ludwig BatthLnyi, des Ministerpräsidenten der ungarischen Revolutionsregierung vom Jahre 1848, gewesen sei. Batthänhi trug die Perle als Busennadel und schenkte sie wenige Stunden vor seinem Tode — er wurde bekanntlich in Pest zufolge kiegsgericht-
lichen UrtheilS erschossen — seinem treuen Diener als Andenken. Nie wollte sich dieser davon trennen. Doch er starb, und sein Sohn löste schon früher die goldene Nadel und die Fassung ab, um sie, von Noth getrieben, zu veräußern. Das geschah schließlich auch mit der Perle, von deren Werth er keine Ahnung hatte.
Die Perle selbst war gestohlenes Gut. Vor hundertundfünfzig Jahren wurden aus der englischen Krone, in welcher sich unter anderen kostbaren Stücken drei schwarze Perlen von unvergleichlicher Größe und Schönheit befanden, eins dieser Kleinode mit zwei großen Diamanten gestohlen. Seit hundertundfünfzig Jahren wurde diese Perle Seitens der englischen Regierung gesucht — vergebens! Sie blieb verschollen. Nun brachte sie ein Zufall wieder zum Vorschein.
Wie die Perle in den Besitz des Grafen BatthLnhi gelangte, ist nicht bekannt. Vermuthlich hatte er sie von irgend einem Curiosttätenhändler gekauft und theuer, wenn auch nicht dem vollen Werthe nach, bezahlt. Diesen Werth kannte er selber nicht, als er den treuen Diener vor dem Tode ein kostbares Andenken, das einzige, das er noch besaß, zurücklassen wollte.
Der englische Kronschatz löste die Perl;, treu seinem Angebot, um 2500 Pfund Sterling ein. Ein nettes Sümmchen! Fräulein Cäcilie Roth theilte das Geld durchaus loyal mit dem armen Akos Kelemen. Es blieb aber doch beisammen, denn die beiden sahen sich schon lange gern, und das unverhoffte Glück machte sie zu einem Ehepaar."
Der Diamantenhändler schloß seine Erzählung. „So romantische Geschichten könnten viele Perlen und Diamanten erzählen," sagte er. „Gar merkwürdige Schicksale sind oft mit ihnen verknüft, Glück und Thränen . . ."
Hrnnsvistisches.
Unglaublich. Dienstmädchen: „Der Herr Assessor kommt doch schon vier Wochen zu Ihnen ins Haus und er hat Ihnen während dieser Zeit noch keinen Kuß gegeben,- na hören Sie, gnädiges Fräulein, das ist nicht schön von ihm." — Fräulein: „Der Herr Assessor ist eben sehr gebildet." — Dienstmädchen: „Mich hat er aber doch gleich den ersten Tag beim Fortgehen geküßt." —
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Umschreibung. „Du hattest doch die Absicht, um Fräulein Körner anzuhalten. Aus der Sache ist wohl nichts geworden?" — „Nein, ich habe mich noch zuletzt an etwas gestoßen." — „Woran denn?" — „Hm, an einem kleinen Sprachfehler." — Wie, die iunge Dame stottert wohl?" — „Das nicht, aber sie hat nein gesagt!"
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Ausweg. Frau (zu ihrem in früher Morgenstunde heimkehrenden Manne): „Jeden Morgen sind die Kinder schon auf, wenn Du nach Hause kommst,- schämst Du Dich nicht?" — Mann (zerknirscht): „Du hast recht, liebe Amalie, die Kinder müssen länger im Bett bleiben!"
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Anpreisung. Käuferin: „Ist die Matratze auch wirklich gut?" — Verkäufer: „O, meine Gnädigste, wenn Dornröschen die einmal benutzt hätte . . . hätte eS nach den hundert Jahren auf derselben noch weiter schlafen wollen!"
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Mitunter. A.: „Guten Tag, Frau Müller! WaS macht Ihr Gatte — ist er ein recht folgsamer Patient?" — Frau Müller: „Mitunter schon! Gestern hat ihm der Arzt ein Glas Bier erlaubt — das hat er gleich getrunken!"
Siedartion I. V.: Hermann Sil«. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch L Scheyda) in Gießen.


