Ausgabe 
15.3.1898
 
Einzelbild herunterladen

ri

»SS

;! 1 K

'iWFl

!-Wj- 2J

tiller und bescheid'ner Fleiß

Ziert den Mann, der tüchtig;

Meist jedoch kriegt Der den Preis, Der nichts thut, als wichtig!

Der Amtmann von Rapshagen.

Criminal-Roman von F. Arnefeld.

(Fortsetzung.)

Befangen waren sie einander entgegengetreten,- Jeder glaubte sich gegen den Anderen schuldbewußt, nicht lange waren sie aber beisammen, da gelangte die alte Kindersreund- schäft wieder in ihre Rechte, und sie plauderten so harmlos und vertraulich miteinander, als wäre Adolf noch der Gymnasiast und Meta das kleine Mädchen mit den kurzen Röcken und den langen, goldblonden Zöpfen.

Auf einem langen Spaziergang durch den Park ver­traute ihr Adolf, trotz des strengen Verbotes seines Vaters, daß er heimlich mit Anna Holten verlobt sei, und sie er­widerte dieses Geständniß dadurch, daß sie ihm die eigentliche Veranlassung zu ihrer Reise, ihre Liebe zu Stephan Holten, bekannte und sich weinend über die Grausamkeit ihres Vaters beklagte, der davon nichts wissen wollte und den Geliebten schroff abgewiesen hatte.

Adolf horchte auf. Also war an dem Gerüchte doch etwas Wahres! Es war ihm, als sein Vater so sehr in ihn gedrungen, einen Besuch in Waldhof zu machen, die Befürchtung aufgestiegen, der schlaue Alte, dem es mit der Einwilligung in seine Heirath mit Anna nicht Ernst sei,

F auf eine Ueberrumpelung abgesehen. Nun waren diese Besorgnisse zerstreut und die Genugthuung half ihm sogar darüber hinweg, daß Metas Erwählter, trotzdem er Annas Bruder, doch wenig nach seinem Sinn war. Er vermochte es sogar über sich, ihr Muth zuzusprcchen.

Ihr Vater habe ja zuletzt ihr immer den Willen aethan, sie solle nur fest bleiben, er werde schon nachgeben, wenn er sehe, daß er mit ihr nicht anders durchkomme.

Jubelnd war ihm Meta um den Hals gefallen und hatte ihn zum Dank für diesen Zuspruch tüchtig abgeküßt, dann aber traurig gesagt: * '

Ach, Adolf, wenn er nur nicht gerade ein Arzt wäre, Du weißt doch, welche Abneigung der Vater gegen diesen

5 ^are er freilich nicht Arzt, würden wir uns

? f° gelernt haben," fügte sie schon wieder

i ^chelnd hinzu.Ich habe ihn schon gefragt, ob er nicht mir zu Liebe umsatteln wollte."

Er könnte ja Landwirth werden und Waldhof über« nefltnen, damit die schöne Pachtung nicht in andere Hände HE Adolf darauf geantwortet, ehe MEaber

^6er .bJ^en Uschlag äußern konnte, hatte sich der Amtsrath zu ihnen gesellt und sie mit ins Schloß ae- genommen, wo das Mittagsmahl ihrer wartete.

. ., ®_rft war Adolf den als Gäste auf Waldhof wellenden Damen vorgestellt worden und er hatte staunend vor Carola Münter gestanden. Es waren ihm schönere, anmuthigere Mädchen vorgekommen, er gestand sich, daß Anna einen Liebreiz besaß, dessen diese junge Dame ent- behrte, aber ihre Erscheinung war von einer Eigenartigkeit, die so leicht Niemand vergaß, dem sie einmal begegnet war' n, Mi es in ihrer Absicht lag, sich vorzudrängen und auch ohne daß es nur den Anschein davon gewann, hatte Carola übende Element der kleinen Tafelrunde

4e6tI&et* fesselnder Weise hatte sie von lhren Erlebnissen tn Petersburg und auf den Gütern der russiichen Fürstenfamilie, in deren Mitte sie fünf Jahre ver- lebt, erzählt, und später auf Veranlassung der Mutter mehrere der werthvollen und originellen Andenken, die sie von dort mitgebracht, herbeigeholt. Sie war mit ihren beiden Zöglingen und deren Eltern in Frankreich, England und ? ? Aw.es.e"/ sp^ch, wie aus gelegentlichen, ihr ganz selbstverständlichen Aeußerungen hervorging, die Sprachen ^s" Lander, und sang mit einer wohl ausgebildeten Sopranstimme russische und deutsche Volkslieder und italienische

. n^?^'"uschl hatte Adolf Göbener sich an jenem Abend von Waldhof nach Rapshagen auf den Weg gemacht, und als

.b°rt Anna, die gerade Schlachttag gehabt, mit noch aufgestrelften Aermeln, aufgestecktem Rock, eine weite, blaue Schürze um die Taille gebunden, im Hausflur entqeaen- getreten war, hatte er die Empfindung gehabt, als sei er aus emer Landschaft voll üppiger Farbenpracht und warmer Beleuchtung plötzlich auf ein Feld versetzt worden, wo freundlich aber einförmig Küchenkräuter wachsen.

Schon an dem Tage, wo er Anna in ihrem Zimmer ausgesucht und ihr verkündet hatte, daß sein Vater ihrem Bunde nicht länger feindlich gegenüberstehen wolle, war eine leise Ernüchterung über ihn gekommen, die er sich jedoch lange selbst verhehlte. Sie war ihm seiner über-