Ausgabe 
15.2.1898
 
Einzelbild herunterladen

- 100 -

Druck mld Berlag der Br LH lachen UuiversttätS-Buch- und Stemdruckerci (Pietsch & Scheyda) in ließen.

Ntdactianr T. Scheyda.

«schweigens nicht anneymen, daß das Herz des jungen Mädchens sich von ihm gewendet hatte! Vielleicht hatte sogar ein glücklicherer und vermögenderer Nebenbuhler seine Stelle etn0t<So hatte Jacques denn schließlich alle Hoffnung auf­gegeben. * ,

*

Eines Morgens, als er in seiner Wohnung sein be­scheidenes Frühstück einnahm, ertönte dre Thurklingel.

hierher kommt und arbeitet, ohne irgend welches Gehalt zu beziehen."

Ja", sagte Rigal,ein edler Mensch!"

Dann wandte er sich lächelnd zu einem eben eintretenden

Emma. , . r .

Doch Jacques schien nur halb beruhigt zu sein,

^Wie willst Du aber Herrn Rigal die Sache beibringen, ohne daß er etwas ahnt?"

Das wirst Du schon sehen."

In demselben Augenblick kehrte Rigal nach Hause zurück.

Werther Herr Mgal", sagte der junge Mann, indem er eine ernste Miene annahm,ich habe dreimal im Innern des Geldschranks klopfen hören . . . Was vorgegangen ist, weiß ich nicht . . . Aber da ich gerade in dieser Nacht geträumt habe, der Geist würde Ihnen Ihr Eigenthum wiederbringen." . ., ,

Der Alte war auf den Geldschrank zugestürzt und schrie

I in einem wahren Delirium der Freude.

Mein Geld! Mein Geld!"

Nun, sind Sie jetzt zu zufrieden?" fragte Bernau, als Riqal sich einigermaßen beruhigt hatte.

Ob ich zufrieden bin! . . . Und da gießt es noch Leute, die behaupten, es gäbe keinen Geist.

Sie existiren ohne Zweifel", versetzte Bernau und fügte mit seltsamer Miene hinzu:

Man muß nur verstehen, sich ihrer zu bedienen!

Dann sagte er, auf Emma zeigend, die heftig mit einem Lachkrampf kämpfte.Sehen Sie, Ihr Fräulein Tochter glaubte auch nicht an den Spiritismus! Doch ich möchte wetten, daß sie seine Nützlichkeit jetzt nicht mehr bestreiten wird!"

äÜrne"®a8 Unglück hat manchmal sein gutes", versetzte Emma.Und dieser Diebstahl, dessen Opfer Du geworden bist, so unangenehm er auch für Dich sem mag, macht nicht nur Jacques und mich glücklich, sondern er hat Der auch gezeigt, daß es noch edle Menschen auf Erden giebt, denn der neue Buchhalter, den Du vor zwei Monaten engaglrt haft, bezeigt eine solche Anhänglichkeit, daß er nach wie vor

ist zum Theil ruinirt und hat mich aus der Pension ge­nommen, denn der Preis ist ihm jetzt zu hoch."

Ruinirt! Welches Glück! Aber wie?"

Es sind Diebe ins Haus gedrungen, haben den Geld­schrank erbrochen und fünfzigtausend Francs gestohlen . . - gerade den Betrag meiner Mitgift."

Die braven Leute!"

Nicht wahr?"

Nun, und weiter?" m ,

Aber begreifen Sie denn nicht? Mein Vater ist jetzt nicht mehr so anspruchsvoll wie früher . . . und wenn S,e damit einverstanden sind, ein Mädchen ohne Mitgift zu

heirathen ...

Oh, meine theure Emma . .

Es ist also abgemacht! Halten Sie officiell um meine; H""dAbg'emacht . . . ich komme morgen . . . Armer Vater Riaal! er ist wohl recht unglücklich?" ,

Nein, weniger, als man glauben sollte! . . er hatletzt eine Marotte. . . Ein neuer Buchhalter, den er sich ge­nommen, hat ihn zum Spiritismus bekehrt, und er verbringt jetzt seine Zeit damit, Experimente zu machen. Das tauscht e ihn über Alles hinweg." * *

Na!" sagte Rigal, indem er Jacques bei seinem Er­scheinen die Hand reichte.Du willst Emma trotzdem beiratben, obwohl sie heute keine Mitgift hat? . . - Na, das beeist daß Du ein braver Junge bist! ... Ach, diese verdammteiitzMebRigal, ^lw nicht die Kraft, Ihnen zu

jungen Manne: .

Wir sprachen eben von Ihnen, mein Freund, und ich sagte dem Bräutigam meiner Tochter, daß Sie ein goldenes Herz hätten . . ."

Er stellte Jacques vor:

Mein zukünftiger Schwiegersohn!"

Eröffnete. . IBernau!" wollte Jacques rufen, doch dieser hatte

Emma! ... Sie! Sie hier? ... Sie erinnern sich | g^its einen Finger auf den Mund gelegt und hieß ihn meiner also noch?" . .

Ich habe Sie nie vergessen, mein Freund . . . auch nie aufgehört, Sie zu lieben! . . . Doch wenn wüßten, was sich Alles bei uns zugetragen hat!

Was denn? Sprechen Sie!"

Ach, mein Freund! An demselben Tage, an dem meinen Vater um meine Hand baten, hatte der Sohn Herrn Noisel um mich angehalten. Sie wissen doch, daß Herr Noisel fast Millionär ist?"

Und, Sie haben ihn abgewiesen?

Natürlich habe ich dies. Doch wenn Sie den Zorn meines Vaters gesehen und seine Drohungen gehört hätten. . . . Am Tage nach dieser entsetzlichen Scene schickte er mich nach Melnu in eine Pension, wo ich bis vorgestern verblieb und wie eine Gefangene bewacht und behütet tourbe; ja, man

"n? Rigal hatte seinen Hut genommen und sagte:Ich gehe ®te einen Augenblick aus, meine Kinder- Bernau, der zur Familie gehört, wird bei Euch bleiben."

Nun! was sagst Du dazu?" fragte Bernau, als der Alte zur Thür hinaus war.

öeS 1Ich sage", versetzte Jacques,nichts weiter, als daß ich der Glücklichste aller Sterblichen hin. . . Und ich sage ferner, daß es elend von mir war, an Deiner Freundschaft gezweifelt zu haben. . . Nun aber erzähle mir."

Du begreifst also nicht? Herr Rigal hatte gesagt. Sie müssen dieselbe Mitgift, wie meine Tochter haben . . . Nun, ich habe die Ziffern gleich gemacht: Null gegen Null.

Dann fuhr er, sich zu Emma wendend, fort, die von der

........ . zwischen dem Buchhalter ihres Vaters und ihrem Bräutigam gestattete mir nicht einmal, zu schreiben." herrschenden Vertraulichkeit ganz bestürzt war:

Meine arme Emma! Was müffen Sie gelitten haben!Beruhigen Sie sich, mein Fräulein, Ihre Mitgift liegt doch wie kommt es, daß Sie heute frei sind?" in sicherem Gewahrsam, und Ihr Vater wird das, was er

Es ist ein großer Glücksfall eingetreten mein Vater lor an Jh^m Hochzeitstage unversehrt wiederfinden!

- " "a h,,r ®pnfiDn ae- I also der Dieb . .?"

Der Dieb! bin ich!! . . . Ja, wer den Zweck will, muß auch die Mittel wollen. ,

Oh, der arme Mann! Jetzt, da Jacques sem Wort hat, wollen wir ihm gleich Alles sagen . . ."

Sie wollen es? Meinetwegen!"

Mit diesen Worten zog er aus einem großen Couvert ein Päckchen Banknoten, legte es in den leeren Geldschrank und riß denselben weit auf. v

Welche Freude mein Vater empfinden wird! sagte