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Wiener Mode.
Von Hermine Hahn.
GenrernnützigeG.
Zum Verschließen der Briefe hat der „Practische Wea- ”et^ .ln Wurzburg ansprechende buntfarbige Brief? verschltitzmarken hergusgegeben, deren Benutzung wir
------- (Nachdruck verboten.)
BnwfrS?«1! blühen, und im goldenen Sonnenschein glückselige Kinder mit übermäßig gebrannten Haare» »nd e-ner splendiden „Godel" oder „Göd" an der Seit/ den Prater und Schönbrunn überschwemmt haben, dann tritt der Sommer in seine Rechte. Heuer ist f
Sammelpunkt des Vergnügens, welches sonst mi? dem Derby ?'ne“ H.^.^punkt überschritten hat, denn seit der Eröffnuna
. Jubiläumsausstellung pulsirt das Leben kräftiger in der schonen Kaiserstadt. Allabendlich entwickelt sich i/den Ave-
der Ausstellung und in der „Robelall?e" im Prattr ein Corso, bei welchem die Wiener Damen durch die Eleganz den Chic und die Harmonie ihrer Toilette die Bewunderuna der Herrenwelt erregen. Und es gehört ein großer Fondm ®r“äte dazu, um die Formen und Farben, die sich alle an
°"^hnen, und die den modernen Geschmack so sonderbar anmuthen, ins richtige Lickt lokov, Ahndel, veilchenlila, citronengelb sind die Modefarben matte der Tagesordnung. Damem'wMe für dieselben schwärmen, müssen in der Form eines arell- kleid assortiren bipfpm o in t ** /L tu Ull^tschen Schneider-
neiö assortiren, diesem Zug fur's Bunte Rechnung tragen Das Bezeichnende an der Umwälzung der Mode sind die^be- sonders reich garnirten Röcke, welche oben sehr ena und unten sehr weit geschnitten sind, und in eine kleine Schleppe laufen. Die kostbarsten dünnen Stoffe, Mouffeline Crev/de m ""d aus denselben gezogene, gelegte und qaufrirte
“ ™ “ wüschen hergestellt, welche den Rock in ^tunique- artlger Weise umranden. Die Taillen trägt man ziemlich alatt w" ^«?'°ckschößchen und einigen großen kosLnÄöp
^ert Eme wahre Fluth von Stickereien ergießt sich swltP? welche sich zu wahren Kunstwerken ae=
stallen, wenn man bedenkt, mit welcher Mühe fteiferop fssns«.
W t*. z«r di. &Ä blaßgrauer Cachemtr mit weißer leichter Seidenstickerei, welche h“1 ü6er das Vorderblatt des Rockes, sowie
über Vorder- und Ruckentheile der Taille sich erstreckt. Der ^rmel bleibt ungestickt, dadurch gewinnt die Taille den fremde Aermel zu haben, welches den Modegesetzen unserer Klerderkünstler entspricht. Die Mitte umschließt ein f+p* TTn tn ®,a[tcn 9etegter Atlasgürtel in grell ab- toHp6fber-^af6f/ °orn cine Pierre de strass Schnalle S 6 sbhr vornehme Damen durch ihren bon sens abge- r”eMn/ bte secesstonistische Mode mitzumachen, bevor- zugen sie lchwarze oder weiße Toiletten mit farbigen Unter- ^LrL^n sind so eingerichtet, daß Unterkleid wecken ?»»» bsiarat anzulegen ist, so daß man erstere 3p h fl ' c unb.c schwarzes Gazekleid beispiels- weise einmal auf weißem und ein andermal auf rosa Taffet getragen werden kann. Der sehr lange Aermel beibt ä ioSr ShPrbfiChet bU ®*ön^eit der Arme zu verrathen. Foulard-' Fickus aus besonders en vogue, und erhalten durch Ftchus aus Mouffeline einen duftigen Aufputz. Für ältere Damen werden cremefarbene oder schwarze Guisturespitzen E M Eme Fülle von leichwn duftigen Sommerstoffen erregt in ihrer Neuheit das Entzücken der Damenwelt Fdee^entüeben^d- too^r aUe dies- originellen
„ ( 5 bte tn '«Mer neuen Dessins die leichten Ge-
™ebef künstlerisch bedecken. Da wird der lieben Eitelkeit die Wahl schwer gemacht, und da die Stoffe so überraschend billig sind, eine größere Anzahl davon eingekauft — als man seinem Portemonnaie verantworten kann. Dieser Sehn- ucht nach dem bunten Tand verdankt jedoch die Industrie Ä K*r too[ten r,e daher nicht höhnen. Auch
welcheIlnnltta Unb 9etb bie vorherschendenFarben, ! .°he sich gewöhnlich carreau- oder streifenartig vom ' weißen Battlstgrunde abheben. Selten aber dominiren nur
zwei Farben. Blaue, sandfarbene, grüne und lila Töne fließen m farbensatten Schimmer zusammen, dem das halbklare wen et^rreap “rs Grundfarbe dient. Den hochmodernen W ™ir in Baumwolle imitirt als Battist- Pliffee vom stärksten Roth bis zum mattesten Jvoire. Einfarbige Leinenstoffe werden in den größten Ateliers verarbeitet «n. weißen Waschborten den Rocknähten entlang besetzt während
I? Battlsthcmdchen mit reichem Spitzen,
labot vervollständigt das einfache „Waschkleidchen", dessen aUS puschendem Taffet geschnitten st. Für den Hochsommer werden die Toiletten mit halblangen ” dovberettet, welchen man durch lange Halbhandschuhe d°"EysPitzen beikommen will- Paris hat diese uralte Mode wieder auf's Tapet gebracht, wir wissen nicht genau, welchem Styl sie entspricht. Aus all dem was in ftuherern Jahrhunderten, und in dem jetzigen geschaffen wurde ^trb gewählt, was am schönsten erscheint, und auf das durch Kunstwerke, hauptsächlich durch die Bühne am stärksten aufmerksam gemacht wird. Die Mode entlehnt dem Alterthum en Faltenwurf, dem Mittelalter die Mitaine und die Guimpe der Renaissance die Haartracht und Farbe. Aus Anlaß des SÄT§ lrinnert -nun sich auch der Trachten der Vierziger-Jahre und verwerthet sie. Die Art und Weise des Verwerthens ist aber das Charakteristische an der jetzigen Mode
Grundform, die so ziemlich ganz und gar Orginal st, wiri> Alws m anachronistischer Verwirung durcheinander- K°rfln‘a ®-Ü'§1lttobann ^chwodern oder richtiger gesagt- $ Jn de m^- Für Retsezweke, bei kühler Witterung am Strand und im Gebirge ist ein neuer, capeartiqer Ueberwuri bestimmt, der sich En-cas nennt, und an die Trachten auf den Bildern der Dreißigerjahre erinnert. Das Vorder- und Rücken- pg umschließende Kleidungsstück ist aus schwarzem, drap- arbenem oder grauem Tuch gemacht und ist durch zwei sehr brerte m Serpentineform geschnittene Volants, deren letzter pdwarts zwei Drittel des Rockes bedeckt, geputzt. Vman
Volants eine eigenthümliche Form, da sie schmäler geschnitten sind und sich nach dem Schluß zu verlaufen • in der 8°nzen Erscheinung erinnert das En-oas an L üml e Shawlmode und es gehört weiblicher Muth dazu, dieses Ungeheuer anzulegen,- nichtsdestoweniger taucht es namentlick m p-rmhm.» Kreisen berei.- mf8 Die Bmihei." L Japen zeigt sich besonders an den Sonnenschirmen wo wiederum lila, hochroth, und türkisblau eine große 'Rolle fielen. Den Schirmgriff schmückt meistentheils ein Thierstück sei es eine Ente oder ein Papagei. Die duftigen Wagenschirme sind den Lampenschirmen abgelauscht, gaufrirt, pltssirt und görntrt, vertragen sie keinen Regentropfen, und die mit dem- fd,Öne 3'räg£tin muß einen Pakt mit dem ^assergott schließen, wenn sie dieses kostbare Toilettenstück nicht als demoürtes Fragment nach Hause bringen will. Nicht bte Jnpons, wovon weit mehr als ein
S TeIJ“&b 8UT T°-letteninventar einer Modedame gehören. Se^ hübsch und für bürgerliche Verhältnisse Passender sind die farbigen Battistjupons, welche in ihrer Leichtigkeit gern getragen werden, aber das frou-frou der knisternden Seide vermissen lassen. Mit den Hüten der Saison 98 können wir nns nur schwer befreunden. Die niederen Kappen, sowie die voran au gebogenen Krempen stehen nur jugendlichen Gesicht- chen, sowie die rosenrothen, oder traumhaft blauen Pailletirten, Chlffon-Togues nur noch diesseits der Altersgrenzen getragen werden sollten Wie aber ist dem weiblichen Geschlecht diese Altersgrenze einleuchtend zu machen, nachdem die Wenigsten von ihnen sich bte Zahl ihrer Jahre selbst eingestehen? 9


