Ausgabe 
14.4.1898
 
Einzelbild herunterladen

224

Zeit das Recht largiendi insignia civica zu den Befugnissen der Pfalzgrafen (Comites Palatini) gehörte, die als Stellvertreter des Kaisers angesehen wurden- jedoch reservirte der Kaiser in allen Palatinatsbriefen für sich das Recht, den königlichen Adler oder eine Krone auf dem Wappenhelm in besonderen Fällen zu verleihen. Aus diesem letzteren Grunde ist z. B- das von Johannes Barthels, 1738 Bürger in Nürnberg, geführte Wappen:Schild quergetheilt, im oberen blauen Felde ein goldner Halbmond und darunter drei goldne Sterne, im unteren silbernen Felde auf grünem Dreiberg drei grüne Zweige, auf dem Helm eine goldne Krone, aus welcher ein von Blau und Silber gespaltener Mann wächst, in der Rechten den Halbmond, in der Linken einen Zweig haltend," mit der Bestimmtheit auf eine kaiser­liche Verleihung zurückzusühren. Diese Beschreibung eines bürgerlichen Familienwappens, die wohl geeignet ist, ein klares Bild von einem solchen vor unfern Augen erstehen zu lassen, entnehme ich dem historisch beglaubigtenBürger­lichen Wappenbuch von I. Siebmacher/' welches 1857 von dem bekannten Heraldiker Dr. O- T. von Hefner aus München neu herausgegcben wurde. Um den Wißbegierigen auch eine Wappendeutung zu liefern, sei angeführt, daß der Mond mit seinen Hörnern von altersher die Versinnbild­lichung des ruhig-edlen Wesens war, maßen die 100 Raths­herrn Romuli ein großes 0 oder einen halben Mond auf ihren Schuhen getragen, welches bedeutet, daß sei alles, was unter dem C sei, als irdisch und eitel, mit Füßen treten,- die Sterne bedeuten Glück, Heil und hellstrahlenden Ruhm,- die drei grünen Zweige sind ein Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Reichthums- Blau und Silber bedeuten Wachsamkeit (aus der Vorrede eines alten Wappenbuchs von 1656).

Die Wappen besitzen heute natürlich nur noch historischen Werth und haben gar keine rechtliche Bedeutung mehr- wenn nun auch von einzelnen Heraldikern behauptet wird, heute könne Jedermann aus eigener Machtvollkommenheit ein Wappen annehmen, vorausgesetzt, daß keine andere Person oder Familie zur Führung des gewählten berechtigt sei, so ist es doch nach dem Angeführten klar, daß die seit Generationen in einzelnen Familien geführten Wappen auf einer obrigkeitlichen Verleihung beruhen, die einzelnen Bürgerlichen infolge ihrer Verdienste zuthcil wurde- die Wappenführung war mithin ein erworbenes Recht, welches durchaus nicht allen Bürgerlichen als solchen zukam. Geschichtlich nachweisen lassen sich über 10,000 solcher Wappen.

Ich bin nun der Ansicht, daß es für jeden vernünftig denkenden Menschen lächerlich erscheinen würde, wenn heute Jemand ein neues Wappen, nach eigenem Gutdünken, an- nehmen wollte, während andererseits das Weiter- oder Wiederführen eines den Vorfahren zugehörigen Wappens mir ein berechtigter, pietätvoller Brauch zu sein dünkt. Es muß für jeden gebildeten Menschen in genealogischer Be­ziehung von Interesse sein, in Erfahrung zu bringen, wer seine Voreltern waren, woher sie stammten und inwiefern sie der Gesammtheit dienten bezw. eine Rolle in ihrem Kreise spielten und sich auszeichneten. Findet man dann solch ehr­würdige Zeichen vergangener Familienherrlichkeit, wenn ich mich so ausdrücken darf, so ist es durchaus am Platze, die­selben aus dem Dunkel der Vergangenheit hervorzuziehen und sie an's Tageslicht zu befördern. Nichts ist so geeignet, die Ehre des Hauses und der Familie zu versinnbildlichen, als der Gebrauch ehemals verliehener Wappen, und mit derselben Berechtigung, mit welcher Staaten und Herrscher auf eine ruhmvolle Vergangenheit blicken, darf dieses jeder Mensch, der eben in diesem Sinne eine Vergangenheit hat. Als weiteres Moment für die Rückkehr zum Gebrauch der Familienwappen, der sich übrigens mehr und mehr ein- i bürgert, wäre darin zu suchen, daß sie auf Siegeln, Karten, Briesen, Stickereien, überhaupt allen Gebrauchsgegenständen '

einen künstlerisch-ornamentalen Schmuck bilden, dessen Werth bei unserer, eigentlich zu nüchternen Geschmacksrichtung leider noch zu sebr unterschätzt, ja verkannt wird. Zudem würde gerade für uns Frauen, die wir uns so viel mit Hand­arbeiten, mögen sie nun in Malen, Sticken, Brennen oder- anderen bestehen, die Beschäftigung mit diesen interessanten Erinnerungszeichen aus grauer Vorzeit, bei deren Anblick' und Nachbildung wir uns schönen Träumen von Romantik, Minncdienst und Hofguust hingeben können, von hohem Genüsse sein und, wenn wir uns auch manchmal wehmüthig sagen müßten: sic transit gloria mundi, so würde uns auch wieder der Rückblick auf verdienstvolle Vorfahren ein Ansporn sein, uns Mühe zu geben, ihrer würdig zu werden und ebenfalls etwas im Leben zu leisten, zu er­streben- heißt es doch schon in einem alten, beherzigens werthen Sprichwort: auf die Vergangenheit bauend, gründet: man die Zukunft. Frau Ba.

Huinovistisches.

AusLustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel,. Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer 10 Pfg. Ein Gemüthsmensch.Schämen Sie sich, Baron, ein solcher Egoist zu sein und nur nach Geld zu heirathen!" Meinetwegen geschieht dies nicht, Gnädige! Ich thue es nur meiner künftigen Frau zu Liebe. Es wäre doch sehr traurig für sie, wenn sie den Gatten, ihr Theuerftes, darben sähe." Herr Pannemann in Afrika.Nee, meine Herren, nur nich bange lassen machen niemals nich! Wat soll ick Ihnen sagen wie ick in Afrika mit meine Menagerie reeste, da hatten wir 'mal Hunger, daß uns de Seele piepte, und nich de minimumfte Käserinde. Wat dhu' ick? Ick' dresflre meinen Cerberus, wat mei jroßer Lewe is, daß er mit so 'ner ollen Angstrehre, die von die Afrikareesenden nur so uff de afrikanischen Jassen rumliegen, Schöneken macht. Und denn laß ick'n raus. Hurrjeh, da hätten Se sehen sollen, wie unse schwarzen Bricder da erscht ausrissen!' Aber wie se sehn, daß mein Cerberus so'n ollen Cylinder uffnimmt un uff de brilljanteste Weise Schöneken macht, da schlängeln se sich wieder 'ran und schmeißen in bet olle Ding wat soll ick Ihnen sagen Rhinocerosschinkeu Jazellenknackwirschte, Elephanteneisbeene ick sage Ihnen, wir haben jepräpelt wie de Firschten. Also, meine Herren, nur nich bange machen lassen niemals nich! Immer ruff'u Wiwelekieh, Allens mitjemacht, sich vor keene Arbeet gescheit denn verläßt der liebe Jott keenen Deitschen nich! Dichterling:Meine Gedichte werden mich überleben." Kritiker:Sind Sie denn so leidend?" Unmöglich. Bor allem dürfen Sie nicht mehr rauchen."Ja, ich rauche nie, Herr Doctor."Hm!! Dann müssen Sie mit dem Trinken aufhören."Ja, ich trinke nie." Hm!! Hm! Dann hören Sie ja mit dem Velocipedfahren auf."Ja, ich fahre gar nicht."Ja, mein Lieber, wenn Sie nichts aufzugeben haben, kann ich Sie nicht gesund machen." Verkannt. Schnude (trifft einen Stromer-Genossen nach längerer Zeit in einer großen Stadt wieder):Aber Lude, bist Du abgerissen!" Lude:Unsinn, das ist ja mein neuer Fechtanzug!" Sein Trost. Herr (zu einem Protz dessen Sohn Schriftsteller ist):Nun, wie ich hörte, wurde das Lustspiel Ihres Sohnes gestern bei der Premiere ausgepfiiffen!"Ja! Aber nur vom feinsten Publikum im Parquet!" Frühlingsanfang.Ach, nun kommt wieder die schlimme Zeit, wo es gleich wieder Tag ist, wenn man mal 'n bischen länger cm Stammtisch gesessen hat." Gedankensplitter. Die einflußreichste Dame. Das ist Madam' Reklame. Wer auf großem fluße lebt, dem kann leicht etwas in die Schuhe ge­schoben werden.

Siebaction: I. B.: Hermann Elle. Druck und Berlag bet Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen