Ausgabe 
14.4.1898
 
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Donnerstag den 14. April. (A

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in neuer Rock ist nicht bequem, Ein neues Haus ist nicht genehm; Doch hast Du beides lange Zeit Bewahrt, gepflegt in Lust und Leid, Ist beides halb verschlissen,

Magst Du es nimmer missen.

Herm. Bender.

Der Amtmann von Rapshagen.

Criminal-Roman von F. Arnefeld.

lFortsetzung.)

Der Amtsrichter langte seitwärts auf den Tisch, um Göbener einen dort liegenden Brief zuzureichen, der hatte sedoch keine Obacht darauf, sondern wiederholte nur das eine Wort:

Hinterlassen?!"

Ja, hinterlassen,"' antwortete der Amtsrichter.Der Bauführer Adolf Göbener hat gestern Nachmittag an der Leiche seiner Mutter zwei Schüsse aus einem Revolver auf sich abgegeben. Die herbeieilenden Geschwister haben ihn leblos in seinem Blute schwimmend gefunden." . ,, ^btzt verließ den sündigen alten Mann doch der bis

behauptete Gleichmuth. Es wurde ihm schwarz vor den Augen, er wankte und setzte sich auf den Stuhl.

, < 3« feiner Art hatte er den einzigen Sohn doch geliebt und noch immer viele Hoffnungen auf ihn gesetzt. Nun waren diese vernichet- Adolf hatte mit eigener Hand seinem Leben ein Ende gemacht! 1

Er ist tobt!" stöhnte er.

Der Schuß war tödtlich," antwortete ausweichend der Amtsrichter- es wollte ihn etwas wie Mitleid mit dem bisher so hartgesottenen und nun doch plötzlich zusammen- : brechenden alten Mann überkommen. Verstohlen suchten i eine Augen die des Protocollführers, auf eine fast unmerk- i Me, ihm aber doch sehr wohl verständliche Bewegung des Letzteren, setzte er aber nichts hinzu, sondern sagte:

Sie haben auch Ihren bedauernswerthen Sohn in den getrieben, lesen Sie seinen Brief, der läßt darüber Zweffel. Lesen Sie!" wiederholte er, als Göbener gar keine Miene machte, aufzustehen und den geöffneten Brief

0110 ^""ehmen,oder besser, ich werde Ihnen das Schreiben vorlesen lassen." -

i winkte dem Protoeollführer, der sich sogleich erhob, i neben den Tisch des Untersuchungsrichters trat und mit ewem Ausdruck, welchen man dem trockenen, nüchternen ! ^tann kaum zugetraut hätte, den ziemlich langen Brief las, den Adolf Göbener kurz vor seiner verzweifelten That qe- j schrieben, an den Vater adressirt, und mit der Bestimmung, ; man solle ihm demselben nach dem Gefängniß schicken, so nieder- - gelegt hatte, daß er von den Geschwistern aufgefunden werden mutzte. Er war gleichzeitig mit der Nachricht von dem Geschehenen dem Untersuchungsrichter überbracht worden, der die Bitte, einem der Schwiegersöhne eine Unterredung mit dem Gefangenen zu gestatten, rund abgeschlagen hatte.

Er versprach sich eine viel größere Wirkung für die Untersuchung davon, wenn er selbst die Mittheilung übernahm.

Die Berechnung erwies sich als richtig.

, ter den Klagen und Anschuldigungen, welche der Brief in milder Form, aber um desto vernichtender, enthielt brach der Alte zusammen. Den Worten des in den Tod gehenden jungen Mannes schien etwas Hellseherisches bei­gewohnt zu haben, denn sie schilderten genau den Seelen­zustand, in welchem der Vater sich vor und bei Begehung der That befunden haben müsse. Adolf fühlte sich mitschuldig, zuerst dadurch, daß er die Versicherung überhaupt geschehen lassen und ferner durch seinen Wankelmuth, der dem Vater nicht verborgen geblieben und ein Anreiz zu der That ae- worden sei.

Ich büße meine Schuld durch einen freiwilligen Tod," schloß der Brief,sühne Du die Deine durch ein reumüthiges Geständmß, und durch die Strafe, die das Gesetz über Dich verhängt. Vor der Schmach und Schande, die Du über Kinder und Kindeskinder gebracht, vermag sie nichts zu retten, aber laß es nun an den Opfern genug sein, die Deine wahnwitzige Habsucht gefordert hat, sorge, daß das unschuldig vergossene Blut nicht noch weiter kommt über die unschuldigen Häupter Deiner Kinder und Kindeskinder!"

Ehrenberg hielt inne. Man vernahm jetzt nichts als das leise Knistern des Papiers und das Keuchen und Stöhnen Göbeners, der sich auf seinem Stuhle wand.

Haben Sie mir auch jetzt nichts zu sagen?" fragte eindringlich der Untersuchungsrichter.Soll diese wie von jenseits des Grabes kommende Stimme auch ungehört ver­hallen? M:cht die Mahnung gar keinen Eindruck auf Sie?"

Da sprang Göbener, wie von einer Feder geschnellt, empor und schrie:

Verloren! Alles verloren! Mein unglücklicher Sohn