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erwerbungen, welche hier durch menschlichen Fleiß dem Meere abgerungen worden sind.
Während man so an der ganzen Westküste mit Erfolg arbeitete und namentlich an den Buchten und Flußmündungen beträchtliche Landeroberungen machte, vollzog sich der entgegengesetzte Proceß an den dem Festlande vorgelagerten Düneninseln, wie Röm, Sylt, Föhr, Amrum und an den noch viel schutzloseren Halligen/ Langeneß, Oland, Gröde, Habel, Hamburger Hallig, Nordstrandi ch Moor, Nordstrand, Südfall, Pellworm, Hooge, Süderoog, Norderoog und Seesand, sowie an den weit südlicher gelegenen Inseln Helmsand und Buschsand. Das Marschland dieser Halligen wird bei jeder Hoch- fluth vom Meere überspült, und es geht dabei nie ohne mehr oder minder bedeutende Landverluste ab. Mit der totalen Vernichtung dieser Inseln, welche eine Art natürlicher Wellenbrecher für das dahinterliegende Festland bilden, wäre das letztere gänzlich unhaltbar, und man wendet deshalb mit Recht der Erhaltung der Eilande neuerdings die größte Aufmerksamkeit zu. Die größeren dieser Inseln, wie Pellworm und Nordstrand, erfreuen sich eines sicheren Deichschutzes/ auf den kleineren aber ragen bei jeder Hochfluth nur die auf künstlichen 5 bis 6 Meter hohen Hügeln erbauten Häuser und Stallungen aus dem Wasser hervor, und es ist eine Lebensfrage für die ganze schleswig-holsteinische Westküste, daß diese Inseln erhalten werden. Die preußische Regierung, welche eine derselben, die Hamburger Hallig, durch Steinböjchungen vor weiterer Abbröckelung bewahrt und durch einen langen Damm mit dem Festlande verbunden hat, ist auf Grund der Wahrnehmungen, daß hier im Laufe der Jahrzehnte noch eine bedeutende Landerwerbung möglich ist, zu dem Entschlüsse gekommen, ein schon vor Jahren von den namhaftesten Autoritäten empfohlenes Project zu verwirklichen, welches nichts Geringeres bezweckt, als den größten Theil des Wattenmeeres wieder in festes Land zu verwandeln, nachdem sie sich überzeugt hat, daß hier allgemeines Culturinteresse und voraussichtliche Rentabilität in glücklichster Weise zusammentreffen. Man will nämlich die Halligen untereinander und mit dem Festlande durch Dämme verbinden und in den so entstandenen Buchten die Landgewinnung in großem Stile betreiben. Der erste dieser Dämme, jener vom Festlande nach Oland und von da nach Langeneß, ist bereits im Bau begriffen/ demnächst soll die Verbindung von Gröde und Habel mit dem Festlande, sowie diejenige von Norderoog, Hooge, Pellworm und Süderoog untereinander und die Verbindung von Nordstrand und Südfall, sowie Nordstrandisch Moor mit dem Festlande er folgen. Daran soll sich weiter die Verbindung von Föhr und Amrum untereinander und endlich die Verbindung der großen Düneninseln Sylt und Röm mit dem Festlande anschließen.
Es ist fürwahr ein großes Ziel, welches der menschlichen Arbeit und Beharrlichkeit damit gesteckt wird; aber es handelt sich um die Gewinnung einer förmlichen kleinen Provinz, wenn, wie es hier der Fall ist, 1500—2000 Quadrat-Kilometer Wattenmeer in anbaufähiges Land umgewandelt werden können. Die Durchführung dieses großen Werkes wird sich mindestens ebenbürtig jenen gewaltigen Anstrengungen zur Seite stellen, welche die Holländer an die Trockenlegung des Zuhdersees zu verwenden im Begriffe stehen, und dieses Ziel deutscher Thätigkeit wird mit weniger Kosten und größerer Sicherheit erreicht werden/ denn beim Zuydersee handelt es sich darum, ein gewaltiges Meerbecken gegen die offene See abzusperren und auszupumpen und das dann 5—6 Meter unter dem Meeresspiegel gelegene Land gegen den Einbruch der See zu vertheidigen, während das an der deutschen Nordseeküste zu gewinnende Land durchweg über dem Meeresniveau liegen wird.
Abbildung <uä „Aurg Kleiöerg, ein Führer für Fremde und Einheimische.» Preis 50 Psg. Beitag von Emil Roth in Eichen.
Gleibevg.
Burg Gleiberg schaut herab ins Land, Wo unser Gießen liegt, Wo, wie ein schimmernd Silberband, Die Lahn durch's Thal sich schmiegt.
Umtobt dereinst von manchem Sturm, Umdroht von Feindes-Näh', Ragt dennoch Gleibergs alter Thurm So stolz empor, wie je.
Verklungen ist der rauhe Ton.
Vor Sturm und Feind ist Ruh'.
Burg Gleiberg winkt dem Wand'rer schon
Von ferne freundlich zu:
Herauf zu meinen stolzen Höh'n!
Der Weg wird Dir nicht leid!
In meinen Mauern träumt sich's schön Von längst vergang'ner Zeit!
Wo noch den Speer der Ritter schwang, Das Schwert in wilder Schlacht, Wo noch das Hüfthorn froh erklang: Auf auf! Zur lüft’gen Jagd!
Das Ritterfräulein zart und hold, Blickt ihnen nach in's Thal/ Ihr blondes Haar erglänzt wie Gold Im letzten Sonnenstrahl.
Und träumend schaut der Wandersmann Das herrliche Gebild'.
Da nimmt es Liebchens Züge an Und winkt und lächelt mild.
Er sieht nicht, wie der Sonnenschein Beim Abschied ihn gegrüßt, Sieht nicht den Mond, der das Gestein Mit Silber übergießt.
Sieht nicht der gold'nen Sterne Schaar, Die funkelnd, hoch sich drängt, Sieht nur die Maid mit blondem Haar, Die ihm ihr Herz geschenkt.
Das Bild verschwand. Er ist erwacht!
Dem fernen blonden Kind Haucht durch die klare Sternennacht Viel' Grüße zu der Wind.
Redaktion I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schenUniversitiits-Buch- und Steindruckerei (Pietsch L Scheyda) in Gießen.


