Ausgabe 
13.1.1898
 
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Die Chaussee führt von Großen-Linden nach Kleine Linden eine kleine Strecke durch Wald, dessen linker Zipfel kurzweg dasEichelstück" genannt wird. Hier auf dem Bergrücken und auch weiter thalabwärts nach demOsterfeld" über das Gerichtshaus hinaus bis zur Rheinfelser Straße mag die alteHessenluft" stürmend und wetternd die Kronen alter Eichen gezaust und geschüttelt haben. In einer. großen Curve bog damals die Straße von ihrer jetzigen geraden Richtung nach links und wand sich am Gerichtshaus vorbei nach der Rheinfelser Straße zu. So war es dazumal, als ein Postkutscher von der Rheinfelser Straße abbog und durchs Hüttenberger Land wollte. Schwerfällig und un­sicher schleppten die müden Gäule die Kutsche dem nahen Walde zu. Ein eisig kalter Schneesturm umtobte heulend und musternd unfern armen Schwager auf seinem ohnedies luftigen Sitze. Er weiß, dort, an jener Biegung steht eine Herberge. Zwar ist sie verrufen, doch will er die Nacht hier verbringen und warten, bis Sturm und Wetter sich ausgetobt haben. Schnell sind die Rosse vom Wagen gelöst und untergebracht. Er selbst begibt sich hierauf in die erleuchtete Stube. Lustig flackert das Feuer im Kamin, und eine behagliche Wärme strahlt ihm entgegen. Aber es befremdet ihn, daß ihn keine menschliche Seele bewillkommt und seiner Wünsche Begehr erfüllt. Ein runder Tisch in­mitten des Zimmers ist mit zwölf Gedecken versehen und mit Speisen reichlich besetzt. Ein banges Grauen erfüllt sein Herz und zagend legt er sich auf seinen Mantelsack nieder. Da, um die zwölfte Stunde knarrt die Thür, und herein treten zwölf schwarz vermummte Männer und nehmen an dem runden Tisch Platz. Mit Entsetzen muß er hören, wie sie sofort beginnen über ihn Gericht zu halten. Angstvoll drückt er sich in den Schatten des Kamins. Die Berathung dauert lange. Sie können sich über das Urtheil nicht einigen. Da ertönt plötzlich aus dem Walde ein kurzer Eulenruf, und ebenso plötzlich sind die geheimnißvollen Ge­stalten verschwunden. Die Geisterstunde war vorüber. Wohl freudig begrüßt er den erwachenden Morgen und verläßt eiligst die abenteuerliche Stätte. Ob unser Schwager an jenem Morgen mit dem fröhlichen Klange seines Posthorns die Wipfel dreier Linden begrüßte, darüber schweigt die Mär'.

Nun zum Schluffe noch eine kleine Anmerkung, lieber Leser, ich sehe Dein überlegenes Lächeln, das bei der Lectüre dieser Zeilen Deine Lippen umspielt. Du bemitleidest mich, daß ich solches sage, aus der Rumpelkammer einer längst verflossenen Zeit hervorgeholt habe. Ich bitte um Ent­schuldigung, Du stehst mit Deiner Intelligenz auf der Höhe Deiner Zeit. Auch bist Du kein Beschränkter und Leicht­gläubiger mehr, um verlacht zu werden. Dir kann man nicht mehr gruseln machen. Aber wisse: Saul war auch ein kluger Mann und lief doch zuletzt noch zur Hexe von Endor. So wird es auch immerhin noch sein, daß die Nacht keines Menschen Freund ist. Schwach benervten Menschen, ängstlichen Gemüthern wird die dunkle Nachtzeit Visionen vorgaukeln, die das Herz unter dem Gewände schneller schlagen lassen. Der Aberglaube hat bestanden und wird auch noch weiter bestehen. Drum dürfte man dem Aberglauben nachforschen, um das Wahre vom Falschen zu trennen, die Ursachen zu ergründen, welche übersinnliche Dinge ?. -fen; dann gebe man der Wissenschaft, was ihr gehört yiv? dem Glauben, was des Glaubens ist.

GEeinnAtziges.

Was ist Porridge? Dieses Wort hört man so oft in Amerika und England, daß man als Nichtkenner desselben unwillkürlich zur Frage veranlaßt wird, was darunter zu verstehen ist. Die Antwort lautet: Porridge ist ein ge­

i kochter Brei, dargestellt aus Qlläker Oats ^amerikanischem, präparirten Hafer) mit Wasser oder Milch nach Recept auf den Packeten. Für mehr als 120 Millionen Menschen (in Amerika und England) ist Porridge die beliebteste erste Mahlzeit des Morgens. Millionen von Kindern dient Porridge als Ernährungsmittel, wodurch sie kräftig auf­blühen. Reconvaleseenten, zumeist an Verdauungsmangel leidend, oder Greise mit bereits geschwächter Verdauungs- kraft, genießen Porridge und finden dadurch Ersatz für schwere unverdauliche Nahrungsmittel. Welchen Umfang die Fabrieation von Quäker Oats zur Porridge-Bereitung in Amerika und England erreicht hat, davon hat man im Allge­meinen in Deutschland keine Ahnung. Aehnlich wie bei uns die großen Export-Brauereien eigene Eisenbahnwaggons mit Firmenaufschrist den Güterzügen einreihen, um das gold­gelbe oder dunkelbraune Naß auf dem schnellsten Wege den durstigen Kehlen zuzuführen, ebenso besitzt die amerikanische Quäker Oats-Gesellschaft in Chicago eine enorme Anzahl eigener Eiscnbahnwaggons zum Transport ihrer Fabricate. Fortgesetzt begegnet man bei Reisen in Amerika den weiß angemalten Eisenbahnwaggons der Quäker-Oats-Gesellschaft. Schon die Bereitungsweise der amerikanischen Quäker Oats durch das patentirte Verfahren des Zerquetschens und Prä- parirens bildet die Grundlage der vorzüglichen Qualität. Durch diese Zerquetschungsmethode werden die verschiedenen Cellulosewände des präparirten Haferkorns aufgeschlossen, wodurch der Magensaft direet mit der Arbeit des Auflösens der nahrhaften Bestandtheile beginnen kann, welche im Haser- korn zwischen bett einzelnen Cellulosewänden aufgespeichert sind. Durch dieses Verfahren wird kein Mehl, sondern eine präparirte Grütze dargestellt. Diese nahrhaften Bestand­theile enthalten 16 pCt. Eiweißkörper, sind also nahrhafter als Rindfleisch und dabei ea. 90 pCt. billiger. Warum dieses vorzügliche Nahrungsmittel noch nicht von Jedermann in Deutschland verwendet wird, ist ganz unverständlich. Vielleicht tragen diese wenigen Zeilen dazu bei.

Hrriirsristisches.

AusLustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer 10 Pfg. Ein Nothschrei. Dichter (dessen fünftes Drama auch ausgepfiffen wird):Zum Verzweifeln! Das Publikum bessert sich ja gar nicht!" Er weiß es besser. Die kleine Ella:Die Soldaten müßten eigentlich alle Lieutenants sein, nicht, Karlchen?"Aber, Ella, wer sollte dann die Lieutenants grüßen?" Zweifelhaft. Frau:Ich gehe eben für unfern Zimmerherrn, den Studenten Spund, etwas einholen." Mann:Was willst Du denn holen?" Frau: Er will heute Abend zu Hause studiren, und da hat er mich gebeten, ich möchte ihm eine Flasche Bier und ein Fäßchen Tinte besorgen." Mann:Na, na, da wirst Du Dich wohl verhört haben, jedenfalls hat er umgekehrt gesagt, eine Flasche Tinte und ein Fäßchen Bier."

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Theueres Erkennungszeichen. (Aus dem Briefe des Studiosus Bummel an seinen Onkel.). . . Es freut mich unendlich, lieber Onkel, daß Du mich nächsten Montag besuchen willst ich werde pünktlichst am Bahnhofe fein. Da wir uns aber noch nie gesehen, so bitte ich Dich, als Erkennungszeichen einen Hundertmarkschein in der rechten Hand zu halten!"

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Ballgespräch. Secundaner:Mein Fräulein, haben Sie schon einmal in schwebender Pein gebangt?"

Stebactfah «. Sch «»da. Druck und «erlag der Brühl'schen UuiverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in «ießen.