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weiß ich dein Geheimniß: Nichts mehr fragen! Das muß von jetzt an weine Weisheit sein!
Weiter ging er. Wie hatten die Bäume doch damals gerauscht von Allem, wonach sein Herz gedrängt Heute trennte ihn kein Hirngespinnst mehr von der gewaltigen Natur, Äug' in Auge standen sie und begriffen sich.
Wenn das nur nicht so schmerzhaft wäre, was er in seinem Innern trug! Wird Ines sich nie darauf besinnen, daß ein liebendes Weib das Heilige im Manneslcben ist, was ihm Glauben und Reinheit wiedergiebt? Gewiß, sie ist ja noch jung. Gehörte sie ihm nur erst. Ihm gehören? Der Kunst, den Zujubeluden, ihrem Vater und dann vielleicht H)m. — ah!
Nach zwei Tagen traf Franz ein. Betroffen sah er Heinrich an, verstohlen beobachtete er ihn. Dessen ungeachtet würde er gewiß nichts geäußert haben, wenn sich die Mutter nicht an ihn gewandt hätte.
„Franzing, sprich Du doch mal mit ihm!" (Fortsetzung folgt.)
Hochgebirge oder Meeresstrand?*)
Ein Fingerzeig für dieWahl der Sommerfrische.
Von Dr. med. Kurt Kreusner.
Wir Deutschen sind ein reiselustiges Volk in des Wortes ureigenster Bedeutung. Während unsere angelsächsischen Stammesvettern jenseits des Aermelkanals alle Welttheile nur zu dem ausgesprochenen Zweck überfluthen, um Reichthümer zu sammeln und sich so bald wie möglich in ihr nebliges Albion zurückziehen, von wo aus die wohlhabend gewordenen Familien der Mode und dem Sport zu Liebe nur hier und da einmal eine Reise nach dem europäischen Festland unternehmen, führt der teutonische Wanderirieb alljährlich zur Sommerszeit Hunderttausende ins Alpenland, in die deutschen Mittelgebirge, oder an Seeküsten, und zwar lediglich wegen des Vergnügens am Rei en an sich.
Ungleich zahlreicher noch aber ist das Heer Derjenigen, welche alljährlich zum Beginn der Schul- und Gerichtsfcrien aus dem nervenaufreibenden Gewühle der Großstädte mit Frau und Kind entfliehen, um in friedlicher Ruhe die nöthige geistige Spannkraft und körperliche Frische für neue Arbeit zu sammeln.
Unsere Voreltern, deren Leben im Allgemeinen weit ruhiger verfloß, als dasjenige der modernen Menschen, welches man nicht ohne Berechtigung oft genug mit einer Hetzjagd vergleichen könnte, hatten kein so starkes Bedürfniß nach sommerlicher Erholung, daher kommt es auch, daß die ältere Generation den jetzt ganz allgemein gewordenen Zug in die Sommerfrische oft nicht versteht und zuweilen als Modcsache lächerlich zu machen sucht — doch mit Unrecht! Denn nach der Anstrengung eines langen Jahres sind wir Alle mehr oder minder abgearbeitet und haben ein ernstes Bedürfniß nach dem dolce far niente der sommerlichen Erholungszeit.
Die glücklichen oberen Zehntausend, bei denen die Geldfrage keine Rolle spielt, und welche nach Belieben einen ihnen nicht zusagenden Sommeraufenthalt mit einem anderen besser convenirenden vertauschen können, werden freilich nicht lange zu überlegen brauchen, wohin sie gehen sollen. Anders aber liegt die Sache bei dem minder Begüterten, welcher nur mühsam die für den Sommeraufenthalt erforderliche Summe erübrigt hat und für den ein Fehlgriff in der Wahl des Ortes ein kaum wieder gut zu machender Schaden ist. Er muß darauf bedacht sein, in den wenigen Wochen Sommerurlaub und Ferienzeit durch richtige Wahl des Ortes den größtmöglichen ge undheitlichen Vortheil für sich und seine Familie herauszuschlagen.
* Wir empfehlen diesen Artikel unfern Lesern einer freundlichen besonderen Beachtung. Die Redaction.
Wo also nicht äffische Nachahmungssucht und Hoffahrt dem wahren Gesundheitsbedürfniß entgegen über die Wahl der Sommerfrische entscheidet, wird man zunächst die Persönlichen Verhältnisse, Beschäftigungsweise und Leidenszustände des Einzelnen zu Rathe ziehen müssen, um nachhaltigen Nutzen zu erzielen.
Es ist nun ein weitverbreitetes Vorurtheil, daß die stillste Sommerfrische gleichzeitig auch die beste fei; in vielen Fällen trifft dies aber durchaus nicht zu; denn es ist nicht nach Jedermanns Geschmack, wochenlang an einem weltfernen, jeder Zerstreuung baren Orte sich in die Einsamkeit zu vergraben, wo vielleicht nicht einmal die Naturlchönheiten abwechselungsreich genug sind, um einen Ersatz für den Mangel jedweder Zerstreuung zu bieten. Treten dann noch länger anhaltende ungünstige Witterungsverhältnisse ein, so kann der Aufenthalt in solchen Einsiedeleien geradezu unerträglich werden und die Großstadt, der man kaum entronnen ist, als einen begehrenswerthen Ort erscheinen lassen. Derartige Eremitagen eignen sich nur für solche Leute, deren Nerven durch eine aufregende Lebensweise und Beschäftigung auf bat Aeußerste überreizt sind und absoluter Ruhe bedürfen, also beispielswei e für Parlamentarier, welche die Rolle eines Vorkämpfers in der Redeschlacht der Volksvertretung spielen, für ehrgeizige Künstler, deren unstetes Leben ihre geistige Elasticität aufzureiben droht, oder für Spekulanten, bei denen fortwährend ganze Vermögen auf dem Spiele stehen und quälende Sorge den Schlaf der Nächte verscheucht. Ein Beamter aber, ein Geschäftsmann oder sonst ein anderer, dessen arbeitsames Leben sich durch 11 lange Monate mit jener Monotonie abgespielt hat, wie sie des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr nun einmal Tausenden vorschreibt, wird gut thun, sich für den einzigen Ruhemonat des ganzen Jahres einen Ort zum Aufenthalt auszuwählen, wo die maßvollen Freuden einer anregenden Geselligkeit eine angenehme Abwechselung in sein an allzugroßer Eintönigkeit leidendes Leben bringen.
Leider geht aber auch Mancher, der lieber die Stätten stiller Einsamkeit aufsuchen wllte, in die geräuschvollen Weltbäder und Sommerfrischen, in welchen er, im Grunde genommen, die ganze Gesellschaft seines Heimathsortes wiederfindet. Unter solchen Umständen wird er natürlich auch die leidigen städtischen Gewohnheiten beibehalten, statt den prächtigen Sommermorgen zu genießen, bis tief in den Tag hinein schlafen, statt zeitig zur Ruhe zu gehen, im gewohnten Bekanntenkreise noch in später Abendstunde rauchen und trinken, und vor Allem auf Schritt und Tritt an jene Sorgen und Verdrießlichkeiten erinnert werden, welche man nun schon einmal auf einige Zeit von sich abschütteln muß, wenn der Sommeraufenthalt den erwarteten Nutzen bringen soll. Das unruhige, nervöse Gesellschastsleben, welches die Nacht zum Tage und den Tag zur Nacht macht, läßt sich eben in keiner Weise mit einer kurgemäßen Zeiteintheilung in der Sommerfrische vereinbaren, für welche als oberster Grundsatz das Sprichwort gilt: „Morgenstunde hat Gold im Munde".
In Fällen, wo eine ernstliche Krankheit vorliegt, wird natürlich der Arzt bet Bestimmung des aufzusuchenden Badeoder Luftkurortes ein entscheidendes Wort mitzusprechen haben. Für allgemeine Leidenszustände hingegen, welche nicht den ausgesprochenen Character einer Krankheit tragen, sondern als Constitutionsschwächen aufgefaßt werden müssen, kann im Allgemeinen Folgendes als Norm gelten:
Seebäder, insbesondere diejenigen der kalten, windbewegten Nordsee, eignen sich namentlich für an sich kräftige und widerstandsfähige Personen, welche an Trägheit des Stoffwechsels und der körperlichen Functionen leiden oder deren Nerven in ruhigem Wohlleben erschlafft sind. Die enorme Steigerung des Stoffumsatzes zeigt sich bei ihnen in dem Auftreten eines phänomenalen Appetites, eines prächtigen Nachtschlafes und einer außerordentlichen Zunahme der geistigen und körperlichen Regsamkeit. Dagegen ist es geradezu unverantwortlich, wenn schwächliche, blutarme Individuen jene


