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VEkicht hätte er, zum Theil wenigstens, doch sein Ziel er- rercht, wenn er den richtigen Weg dazu nicht verfehlt hätte! Anstatt mit Liebe und Güte seine Gewalt über das junge seinen Zwecken auszunutzen, that er es in der bruralen Manier des Egoisten, die dem Weib seiner Wahl den Tyrannen zeigt. Inas ganzes Wesen bäumte sich dagegen auf und erbittert durch solchen unerwarteten Widerstand, zog Hans Lipkow die Zügel straffer, anstatt sie zu QiSr"s cilt E'ger Bruch zwischen den
^b-nden, der hübsche Hans verließ die Stadt, um anderen Orts sein Glück zu suchen, und Ina gab dem Drängen der Mutter nach, sie wurde die Braut Steffens- wußte sie sich hier doch wirklich geliebt. ' 'w
Wenn ihr diese Art Liebe, die Liebe eines lauen Durschnittsmenschen auch kaum genügen konnte, so war sie doch froh, endlich Frieden vor sich selbst und der Mutter zu haben. —
o: ü 9Zuri.5^e.° unb Verlobter wußten um ihre erste Liebe, und Beide hüteten sich wohl, an diese Wunde zu rühren. (Fortsetzung folgt.)
Das Rosenfräulein?)
(Nachdruck verboten.)
Fritz Rauschart hatte ein Lustspiel geschrieben. Der Mann war bisher nur als Lyriker bekannt und gefeiert gewesen. Den Jünglingen hatte er von Kampf, den Frauen von Lrebe, den Männern von Ehre gesungen. Als er Umschau gehalten nach einer Genossin, hatte er die Wahl unter den Jungfrauen der Stadt- sie liebten den Dichter, weil er ein hübscher Mann war und liebten den hübschen Mann noch SS !”.cit ,er bin Dichter war. Des Stadtbaumeisters Töchterlein hatte ihn herabgeholt von der Dachkammer und in em stattliches, wohlausgestattetes Haus geführt. Sein Arbeitszimmer ward geschmückt mit sammtenen Sitzen, mit meisterhaften Oelgemälden. Das Gemach der jungen Frau ward geziert mit einer Wiege und einem Kindlein drin. Und dieses glückliche Heim war beschattet von Lorbeerkränzen, denn der Lorbeer war dem Herrn Fritz Rauschart lieber, als alle Blumen und Sträucher des Paradieses.
Nun hatte er ein Lustspiel geschrieben, welches benamset war: „Das Rosenfräulein." Die Theaterdirectoren der Stadt hatten sich überboten an Liebenswürdigkeiten und Versprechungen- der Dichter gab das Stück dem, der die vollendetste Aufführung und die größten Ehren zusichern konnte. Die Theaterkreise waren in Aufregung und schon tagelang vor der Erstaufführung waren die Plä«e vergriffen.
Rauscharts Familienkreis bestand um diese Zeit in seinem Weibchen und seinem siebenjährigen Töchterlein Rickerl, welches er vor Liebkosungen manchmal fast erstickte.
Diesen Beiden las er eines Abends in sroher Laune das neue «tück vor. Frau Paulina war entzückt über dasselbe und äußerte nur ein Bedenken über den letzten Act. "Nir diesen fürchte ich nichts", sagte der Dichter, „die Leute sind derlei bereits gewohnt worden und je naturalistischer heutzutage, desto sicherer der Erfolg. Der Hauptzweck des Dramatikers ist die Wirkung, der Erfolg, alle anderen Ziele sind nebensächlich."
„Du wirst ja recht haben, Fritz", sagte sie, „ich freue mich darauf wie ein Kind." Und in der That, sie dachte voller Glückseligkeit an die Ehren, die der Abend bringen werde Klein Rickerl, welches in seinem Bettchen hockend dem Vorleser zugehört hatte, jubelte in eitel Lustigkeit besonders über das Rothhöselein, wie der Lustigmacher hieß, der im Stück vorkam.
„Halte Dich nur hübsch unter der Decke, Kind", mahnte die Mutter, „wenn bis zur Aufführung Dein Husten heil ist, darfst Du mit in die Loge kommen!"
*) Aus P. K. Roseggers Schriften. Volks-Ausgabe, 2. Serie.
P«>s eompl. 35 Mark. A. Hartlebens Verlag, Wien.
. Dbr Tag der Erstaufführung kam immer näher, aber ward nicht heil und der Arzt meinte, dem blassen Magdele-n thue das Bett besser als die Aufregung, die im Hause herrschte. Deshalb mußte Frau Paulina die Schneiderin Juwelenhändler in einem anderen Zimmer empfangen, deshalb konnte Herr Rauschart die Künstler, mit denen er angeblich zu thun hatte, nicht in seinem Hause sehen, denn die Herren haben so vernehmliche Stimmen und ein so lebhaftes Gebühren.
.^bim Rickerl saß stets eine wohlgemuthe Kindeswärterin, die dem Kinde kleine Geschichtchen vorlas, frohe Liedlein sang und von Stunde zu Stunde ein Silberlöffelchen voll Honigseim ,hm zwischen die Lippen flößte. Die zarten Lippen waren schier rosenfarbig - denn es giebt auch weiße Rosen. Aber manchmal nach den Anfällen des Krampfhustens lag es auf diesen Lippen wie kleine rothe Blüthlein. Das Kind war in den letzten Tagen sehr brav geworden, es verlanqie nicht mehr so aus dem Bette, es ließ die blaue Seidendecke ruhig auf sich liegen, sonst zjedoch war es überaus aufgeweckt und wollte immer von dem „Rosenfräulein" Hören, und wie das im Theater vor sich gehen werde.
Am Tage der Aufführung, als an allen Straßen die großen Placate angeschlagen waren, in den Blumenhandlungeu Strauße und Kränze bestellt wurden, die Vornehmen der Stadt sich noch rissen um Plätze zum Festbankette, welches dem Dichter zu Ehren nach der Vorstellung gegeben werden sollte, als in den Zeitungsdruckereien schon die Besprechungen des neuen Stückes fertiggestellt wurden, so daß der mvrgiqe Tag noch ein größeres Ruhmesfest als der heutige zu werden versprach, trat Frau Paulina tiefbekümmert in das Zimmer ihres Mannes und begann vor ihm zu schluchzen.
.. r Was das bedeutet? Ob etwa gar die Aufführung verschoben sei? fragte Herr Rauschart erschrocken.
Davon habe sie nichts gehört. Aber es wäre vielleicht ein Glück, denn heute würde sie kaum ins Theater gehen können. Der Arzt habe zur Kindesfrau eine eigenthümliche Aeußerung fallen gelassen. Der Abend sei ihr jedenfalls verdorben und so wolle sie lieber daheim bleiben beim kranken Kinde.
„Beim kranken Kinde?" sagte Herr Rauschart. „Wenn Kinder, die im Winter husten, deshalb schon krank wä en, da liefen wenig gesunde Kinder auf der Gasse herum."
„Meinst Du, daß es nichts auf sich hat?"
„Natürlich nicht. Die Aerzte mit ihrer Wichtigthuerei und Angstmacherei! Es war überhaupt überflüssig, einen Arzt zu rufen."
„Du beruhigst mich, Mann."
„Wir wollen das Kind selber fragen."
Und als sie vor dem Bette der Kleinen standen, die aus dem schmalen Gesichtlein mit den großen Augen herschaute, und als sie fragten: ,Wie geht cs Dir, Rickerl?" antwortete das Mädchen leise und traurig lächelnd: „Gut geht es mir."
„Nun also. Du bist ja unser liebes, kluges Kind," sprach Herr Rauschart auf die Sackuhr blickend, es waren nur mehr eine Stunde und zwanzig Minuten bis zum Beginne der Vorstellung. „Sage einmal, Rickerl . . . Siehe, Deine liebe gute Mama geht so gerne ins Theater, sage, ist es Dir unangenehm? Dann wird sie zu Hause bleiben."
„Mama soll ins Theater gehen," antwortete das Kind. „Es wird so schön sein! Mama wird mir dann vom Rothhöselein erzählen, nicht wahr?"
„Ja sicher, mein Kind, wir werden Dir Alles erzählen und ein anderes Mal wirst Du auch dabei sein."
„Bitte," hauchte das Rickerl.
„Dann muß ich aber schnell ans Toilettemacheu gehen," sagte Frau Paulina, „es ist die höchste Zeit." Ein Freuden roth blüthe auf ihren Wangen und eine Stunde später trat sie in weiße Seide und Hermelin gehüllt in das Rimmer des Kindes.
Die Kiudesfrau deutete mit dem Finger: Stille! Sie


