Ausgabe 
12.6.1898
 
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D»n Saus und Braus leben,

E Kann nur Herzeleid geben.

Lieber ohne Abendbrod zu Bette geh'n, Als mit Schulden aufsteh'n Sprichwort.

Ina.

Novelle von S. Halm.

(Fortsetzung.)

Schmollend concentrirte sich das Kind rückwärts, einen Blick voll Bedauerns auf die Cassette und einen voller Grimm auf Thea, die sich ihr Etgenthum wieder zugeeignet, werfend. So schlau, so vorsichtig eingefädelt und nun Alles zu Wasser; die Hellen Thränen schossen ihr in die Augen. Wie sehr sie noch Kind und Backfisch war, bewies sie in diesem Augenblick.

Schon in der Thür, wandte sie sich nochmals an die Schwester.

Eins möchte ich nur wissen", sagte sie giftig,wo Du Dich hineingeschlichen hast? Vielleicht durch den Schornstein? Jetzt traue ich Dir Alles zu, nachdem Du!" und ver­ächtlich zeigte ihr Finger auf die Cassette mit dem inter­essanten Inhalt.Alle Thüren habe ich selbst verschlossen!"

Nur die kleine Flurthür nicht, liebe Ina, die hattest Du vergessen, ganz recht!" erwiderte Thea voll Ruhe und mit beleidigender Kälte fügte sie hinzu:Und jetzt laß uns allein, liebes Kind. Was ich mit Papa zu besprechen habe, taugt nicht für Deine Ohren."

Schlimm genug!" rief die Kleine erbost; die niedlichen Hände in Fäuste ballend, stürmte sie hinaus.

Mit einem Achselzucken wandte sich die Aeltere von ihr ab und dem Vater zu. Der stand noch immer halb verlegen, halb grollend und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er begriff seine älteste Tochter nicht. Unverständlich war sie ihm schon immer gewesen. Ina stand seinem Herzen, seinem Verständniß näher; dieses Kind mit seiner aufbrausenden Leidenschaft bei kleinen Anlässen, mit seiner ruhigen Ent­schlossenheit, die vor nichts zurückschrak, seinem Muth in allen großen Lebensfragen war ihm fremd, ein fremdes und gleichsam auch ein höheres Wesen.

Ungewiß betrachtete er sie auch jetzt. Wie bleich sie

doch war, trotz der äußeren Ruhe! Wie ihre Nasenflüae bebten! ö

Wollen wir auf Dein Zimmer gehen, Vater?"

Der Commerzienrath trocknete sich wohl zum fünften Male während des Alleinseins mit der Tochter den Schweiß von der Stirn.

/-Ja- Nein. Das heißt, ganz wie Du willst!"

Sonderbar, der Lieblingstochter gegenüber war er schwach aus Liebe und aus Princip, der älteren gegenüber aus Verlegenheit, in dem Bewußtsein, ihr innerlich fremd zu sein.

Thea schwieg, doch sie setzte die Cassette nieder und legte Hut und Handschuhe daneben.

Wie Du willst, Vater," und sie setzte sich neben ihn.

Wieder schwiegen Beide, wohl war es dem alten Herrn, als ob es ihm zukomme, eine energische Frage zu stellen, Aufklärung zu fordern, aber er fand nicht gleich den rechten Anfang. Er wollte nicht schwach, aber auch nicht brüsk sein, denn wie er Thea so neben sich sitzen sah, blaß, eine Falte zwischen den Brauen, da that sie ihm doch unendlich leid­ste war doch auch sein Kind, und sein weiches Herz hatte doch sicher auch für diese Tochter Raum. So that er denn, was er nicht hatte thun wollen. Er streichelte die Hand des schweigsamen Mädchens, was als eine stumme Auf­forderung zum Reden zu nehmen war und auch wohl als eine solche aufgefaßt werden mochte, denn Thea begann ux sprechen. 0

Was der alte Herr nun erfuhr, war so selsam, so überraschend für ihn, daß er Anfangs, nachdem Thea geendet, noch immer in seinem vorherigen Schweigen verharrte und als er dann endlich sprach, nur ein leises:Mein armes, armes Kind und eine innige Umarmung für das Beichtkind hatte."

Noch denselben Abend wurdePußchen" höchst eingehend examtnirt und da Papa Lentze bei diesem Verfahren nur die Flunkerei des Lieblings, sonst nichts herausbekam, so fand die ganze Angelegenheit damit ihren Abschluß, daß Pußchen schwören mußte, keiner Seele, weder der besten Freundin noch der eigenen Mama von der Cassette und ihrem Inhalt etwas zu sagen und Thea mit jeglicher Frage oder Anspielung unbehelligt zu laffen, nach welchem nur höchst ungern gegebenen Versprechen Pußchen einen väter­lichen Klaps bekam und sich trollen durfte. Von jenem Tage an aber datirte ein anderes Verhältniß zwischen Papa Lentze und seinen Töchtern. Pußchen war nicht mehr allein seine ständige Begleiterin, Thea war die Dritte im Bunde, so oft sie nur