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gemischte Kalk GYPs oder phosphorsaure Salze enthalt, sich sehr wohl Verbindungen ergeben können, die bei der Zersetzung des Carbide- diese Gase zu liefern im Stande sind. Die Entdecker dieser wichtigen Thatsache,, zwer englische Chemiker, rathen daher dringend zu einer chemischen Reinigung des rohen Gases. Wie diese auch durch fernere Versuche feststellten, ist die Giftigkeit des Acetylen-Gases eine viel geringere wie die des Leuchtgases. Daß das Acetylen mit vielen Metallen, namentlich Kupfer, explosive Verbindungen bildet, ist wohl allgemein bekannt. Diese Verbindungen, deren Gefährlichkeit eine genaue chemische Untersuchung nicht zuläßt, zeigen einen ähnlichen Character, wie der berüchtigte Jodstickstoff, Clorstickstoff, das Knallquecksilber und ähnliche. — Aus diesen Angaben geht ohne Weiteres hervor, daß das Gas einen in jeder Hinsicht interessanten Körper darstellt, dessen Eigenschaften zu studiren schon aus wissenschaftlichem Interesse anregt. Aber auch nur streng wissenschaftliches Vorgehen kann hier das gewünschte Resultat ergeben, nämlich zu lernen, das Gas möglichst bald richtig zu behandeln, und in Anbetracht ferner sonstigen großen Vorzüge, dessen Verwendung ohne jede Gefahr zu ermöglichen. (Mitgetheilt von M. E h r e n b a ch e r, Patent- und technisches Büreau, Leipzigerstraße 115/116, Berlin W.) __________
Historische Brautan,jüge.
Von Wilhelm Thal.
(Nachdruck verboten.)
KO. Fast zu allen Zeiten und bei allen Völkern spielte der Hochzeitstag eine höchst bedeutsame Rolle, und stets war das Brautkleid ein Gegenstand ernstester Erwägungen und Betrachtungen.
Es ist bei uns gang und gäbe geworden, die Farbe des Brautkleides müsse weiß sein- doch war das nicht immer der Fall, und noch heut trägt die Braut bei den Bokhares ein rosenfarbenes Gewand an ihrem Hochzeitstag, während in Griechenland rothe Seide stehende Vorschrift ist- dieser Gebrauch stammt wohl noch aus dem Alterthum, wo roth allgemein zu Brautkleidern verwendet wurde, dagegen hielten die Landesmänninnen Julius Cäsars gelb für die geeignetste Farbe des hochzeitlichen Gewandes. — Bei den Armeniern erscheint die Braut an dem wichtigsten Tage ihres Lebens ir: einem sackähnlichen Gewände aus schwerer Seide, das Körper, Füße und einen Theil des Kopfes vollständig deckt. Das Gesicht verhüllt ein Leinenschleier, über den ein anderer Schleier fällt. Vor der eigentlichen Trauung hat nun die Frau des betreffenden Geistlichen die Verpflichtung, die Nägel der Braut mit Alhenna tiefroth zu färben. — In der Türker trägt die Braut schweren weißen Seidenbrokat, ihre Taille umschließt ein mit Juwelen oder Perlen besetzter Gürtel- das Gesicht ist vollständig weiß geschminkt, mit Ausnahme des Kinnes, auf welches ein herzförmiges Schönepflästerchen in rother Farbe geklebt ist und der Augenbrauen, die ganz schwarz gemalt sind. ,
Die Geschichte hat uns mancherlei wunderbare Hochzeltsgebräuche überliefert, aber der Pomp hielt sich zuerst immer in sehr bescheidenen Grenzen, und manche hohe Dame erschien in höchst einfachem Costüm vor dem Altar. So trug Anna von Oesterreich bei ihrer Hochzeit mit Ludwig XIII. ein einfaches Kleid aus weißer Seide, keine Krone schmückte ihr Haar, keine Juwelen, keine Perlen. Dagegen erschien Isabella von Portugal, als sie sich mit dem Herzog Karl von Burgund vermählte, in einem prächtigen Kleide mit wunderbarer Stickerei- darüber trug sie einen Hermelinkragen, eng gepuffte Aermel, einen mit Hermelin besetzten Sammetmantel, der von den Schultern bis zur Erde reichte- aber auch sie trug keinen Schmuck und der Stoff des Kleides war nur Musselin. Als Königin Anna von Frankreich Hand und Herz
Karl VIII. schenkte, erschien sie an ihrem Hochzeitstage in einem zobelbesetzten, goldverbrämten Kleide und einem herrlichen mit Hermelin eingefaßten Seidenmantel.
Anders lag die Sache schon, als Jakob I. von England die Hochzeit seiner Tochter Elisabeth ausrüstete. Die ehr- amen Bürger waren nichts weniger als erfreut, als Jakob I. hnen eine sogenannte Hochzeitssteuer auferlegte. Dre Kosten der Ausstattung betrugen das artige Sümmchen von 53,294 Pfund Sterling (— 1,065,880 Mark). Die Trauung and in Whitehall statt, und es war zu derselben eine derartige Pracht und Pomp aufgewendet worden, daß dreses Fest für alle späteren Hochzeiten am Londoner Hofe muster- qiltig wurde. Die Schleppe des Brautkleides, das ganz aus Silberstoff bestand, kostete 130 Pfund Sterling (= 2660 Mk.). In den aufgelösten Haaren der Braut schimmerten Perlen und Diamanten, während eine goldene Krone sich auf ihrem Haupte wiegte. Aber auch diese Hochzeit stand, an Pracht noch weit hinter der Vermählung Heinrichs I. mit Mathilde von Schottland zurück, als die Anwesenheit des gesammten Adels Englands und Schottlands gefeiert wurde. Margarethe Tudor trug zu ihrer Hochzeit ein seidenes Kleid mit Brokatstickerei auf ihrem Haupt, eine goldene mit Diamanten besetzte Krone und ihren Hals schmückte ein Perlenschmuck von unschätzbarem Werthe. So könnten wir wohl die Liste berühmter Brautanzüge bis ins Unendliche fortführen, doch wir wollen mit der Beschreibung einer Hochzeit schließen und zu diesem Zwecke mehrere Jahrhunderte überspringen. Am 25. Januar 1858 vermählte sich die Prinzeß Victoria von England, die jetzige Kaiserin Friedrich mit dem Kronprinzen von Preußen, weiland Kaiser Friedrich III. Die St. James Capelle, in welcher die Trauung stattfand, war mit rothem Sammet mit Goldfranzen ausgeschlagen. Die Kirche war qedrängt voll, in den drei ersten Sitzreihen saßen die fürstlichen Gäste, dahinter kamen die Minister und der Adel. Die Trauzeugen waren der König von Belgien und dre hochbetagte Herzogin von Kent. Zwölf Herzogstöchter trugen die Schleppe der Braut- das Kleid derselben bestand aus weißer schwerer Seide mit eingestickten Blümchen. Die Brautjungfern trugen weißen Tüll mit Besatz und Rosenkränzen in den Haaren. Als das Paar von dem Erzbischof von Canterbury eingesegnet worden, küßte der Bräutigam die Prinzeß zärtlich auf die Stirn, und der Zug begab sich in derselben Ordnung zurück nach Windsor-Schloß, wo das Hochzeitsmahl eingenommen wurde.
Wir schließen unsere kurze Skizze mit dieser Hochzeit, die damals in ganz Europa die lebhaftesten Sympathien erregte und in der That zwei Nationen, England und Deutschland, inniger an einander knüpfte.
Literarisches.
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Redaetion: I. Hermann «Oe. Druck und Verlag der Brühl'schm UniversttStS.Buch. und Steinbruderei (Pietsch A Scheyda) in Gieße«.


