Ausgabe 
12.5.1898
 
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der sichere Besitz! So wenig, wie es sich je ereignen könnte, Laß man ihm dies weiße Haus mit den Schnörkeln und Emblemen nehmen könnte so wenig konnte er sich vor­stellen, daß sich in Ebbas kühles Köpfchen eine phantastische Idee einniste. Um seine Rennpferde zitterte er, die schlechte Laune eines Jokeys regte ihn auf, die Heiserkeit einer kleinen Soubrette, der er seine Huldigungen darbrachte, konnte ihn verstimmen, weil immer Einer da sein konnte, der die Bemerkung machte:Welch einen schlechten Geschmack "T hat der gute Conrad Lund das ist schon kein Gesang mehr!" Aber die stets gesunde, nie launenhafte, immer ladhlike Ebba!

Vorhin hatte Bruno der reizenden Frau erzählt, wie sich in der letzten Zeit seine Praxis ungemein ausgedehnt habe er hielt nicht mit dem Bekenntniß zurück, daß es in seinem Beruf schon sehr muthlose Stunden für ihn gegeben, jetzt blähe plötzlich ein frischer Wind die Segel.

Es war schon wie ein Bündniß, ein stilles Verstehen zwischen ihnen, das fühlte sie wohl.

Sie müssen mir nach Tisch einmal aus Ihrem Leben erzählen," sagte jetzt.

Conrad Lund trank seinen schweren Rothwein aus. Auch das noch, das konnte recht erfreulich werden, wenn die Höflichkeit ihn noch zu dem Kaffeeviertelstündchen zwang. Die Frau war unberechenbar. Sie hatte Herren und Damen -aus der Hofgesellschaft, aus der Gelehrten- und Künstlerwelt zur Berfügu g und sie langweilte ihn mit diesem Gesundheits­apostel. (Fortsetzung folgt.)

Die Gefahren des Acetylengases.

Auf keinem Gebiete der Technik ist wohl in den letzten 'Jahrzehnten ein solcher Fortschritt gemacht worden wie in der Beleuchtungs-Industrie. Dieser ist ganz allein in der Erfindung der Dynamomaschine zu suchen, auch hinsichtlich aller anderen, die Electricität nicht benutzenden Beleuchtungs­arten. Als die electrische Beleuchtung in ihren beiden Haupt- modificationen, als Bogenlicht und Glühlampe aufkam, war man geneigt anzunehmen, daß nun wohl für Gas und Petroleum das letzte Stündlein geschlagen haben würde. Es galt daher für die Vertreter dieser beiden letzteren Be­leuchtungsarten den Kampf mit der Electricität aufzunehmen, um dieser nicht zu unterliegen. Dies war nur dann möglich, wenn es gelang, Gas und Petroleum billiger wie bisher zu liefern, oder aber die Beleuchtungsapparate so zu vervoll­kommnen, daß sie ein intensiveres Licht und dieses noch billiger wie früher ergaben. Den besten Beleg dafür, daß nur die Concurrenz mit dem elektrischen Lichte die großen Verbesserungen der anderen Beleuchtungsarten zeitigte, bietet das Gasglühlicht. Denn diese wichtige Verbesserung auf dem Gebiete der Gasbeleuchtung wurde schon vor der Erfindung der Dynamomaschine gemacht. Da aber damals die Gastechnik noch keine Ursache hatte, die Electricität zu fürchten und man andererseits auch die Gasbeleuchtung als einen überwundenen Standpunkt zu betrachten geneigt war, so fand die Auersche Erfindung nicht die geringste Beachtung. Erst als die electrische Glühlampe auch die Beleuchtung ge­schlossener, kleinerer Räume ermöglichte und hier dem eigent­lichen Felde der Gasbeleuchtung so empfindlich nahe trat, erinnerte man sich endlich des Auerlichtes wieder, fand das­selbe plötzlich vortheilhast und ersetzte eine Unmenge schon gemachter electrischer Anlagen durch diese billigere und doch so intensive Gasbeleuchtung.

So große Annehmlichkeiten nun auch die Beleuchtung mittelst des gewöhnlichen Leuchtgases und der Electricität bietet, so bildet doch die Abhängigkeit des Gebrauches dieser Lichtquellen von einer Central-Erzeugungs-Anlage immerhin einen gewissen Uebelstand. Hinsichtlich der Gasbeleuchtung that deshalb Justus Liebig den Ausspruch, daß man den Erfinder der Kerze für ein großes Genie gepriesen haben

würde, wenn die Gasbeleuchtung die ursprüngliche gewesen wäre. Der große Gelehrte ließ damit erkennen, daß seiner Ansicht nach die Zerlegung des Rohmaterials bei der Gas- fabrication in gewisser Hinsicht eine Unnatürlichkeit darstelle, indem die complicirten Manipulationen der Gasfabrikation bei einer Kerze sich alle im kleinsten Raume abspielen. Gegen die Kerzenbeleuchtung wäre in der That auch nichts einzuwenden, wenn sich in dem kleinen Verbrennungsraum größere Intensitäten der Leuchtkraft erzielen ließen. Ganz dasselbe gilt auch von der Petroleum^ Beleuchtung, die mit den von Centralen erzeugten Lichtquellen auch nicht con- curriren kann. Es fehlte bisher eben neben Gas und Electricität ein diesen ebenbürtiges, aber ohne stabile Er­zeugungs-Anlage herstellbares Licht, welches für isolirte Objecte, wie Schiffe, Leuchtthürme, Eisenbahn- u. a. Fahr­zeuge, Laternen, sich benutzen läßt. Diese Lücke auszufüllen, dürfte die Aufgabe des Acetylen-Gases sein. Dieses empfiehlt sich bei seiner leichten Herstellbarkeit mittelst Calciumcarbid und Wasser in allen jenen Fällen, wo die Verwendung des Leuchtgases oder die Electricität nicht möglich ist. Wenn auch die electrischen Accumulatoren in hohem Grade die Möglichkeit bieten, im kleinsten Raume, ohne weitere Um­stände, ein Licht von beliebiger Stärke zu erzeugen, so sind dieselben doch auch in ihrer Ladung von einer größeren Kraftquelle abhängig, andererseits sehr schwer. Es ist daher kein Wunder, daß die Acetylenbeleuchtung bei ibrem Er­scheinen mit Freuden begrüßt wurde. Denn sie füllt in der That eine Lücke aus, die bei unseren verwöhnten Ansprüchen an gute Beleuchtung sehr fühlbar war. Dieses neue Leucht­gas ist auch aus einem anderen Grunde von großer Be­deutung. Es dient nicht allein zu Beleuchtungszwecken, sondern kann auch zum Betriebe von Gaskraftmaschincn, Motorwagen und Fahrrädern angewandt werden, da eben die Gaserzeugung so wenig Umstände macht, daß sie, wie schon gesagt, überall und im kleinsten Raume ausführbar ist. Aber mit so großen Erwartungen man auch auf diese neue Errungenschaft blickte, so hat diese jüngste Beleuchtungsart doch gleich zu Anfang eine schwere Schädigung erlitten. Verschiedene Unglücksfälle, die bei der Handhabung des Gases und bei wissenschaftlichen Experimenten mit diesem vorkamen, verbreiteten einen solchen Schrecken im Publikum, daß auch jetzt noch kein Vertrauen zu dem neuen Beleuchtungsmittel vorhanden ist. Aber dies war seiner Zeit beim Schieß­pulver, dem Leuchtgas, dem Petroleum, dem Dynamit genau so der Fall. Auch bei diesen Materien mußte man erst durch schwere Unglücksfälle Erfahrungen sammeln, um den schlimmen Eigenschaften derselben begegnen zu lernen. Techniker und Gelehrte ließen sich dadurch keineswegs ab­schrecken, mit diesen Stoffen weiter zu arbeiten, bis sie schließlich Miitel und Wege fanden, die Gefährlichkeit dieser sonst so nützlichen Hilfsmittel zu beseitigen. Genau so ver­hält es sich mit dem Acetylen. Es muß zugegeben werden, daß der Character dieses Gases noch keineswegs genügend erkannt und seine Eigenschaften noch nicht hinreichend erforscht sind. Wohl aber tst man in wissenschaftlichen und technischen Laboratorien zur Zeit an keinem Stoffe mehr interessirt, wie eben an dem Acetylcngase. Als neuestes Resultat solcher Forschungen liegt ein sehr beruhigendes, wichtiges Resultat vor. Dieses besteht in der gemachten Erfahrung, daß das absolut chemisch reine Gas selbst bei ziemlich starker Compression, durchaus keine explosive Zersetzung erleidet, und nur das gewöhnliche, direct dem Generator entnommene un­reine Gas zu so verhängnißvollen Katastrophen führt. Diese Untersuchungen ergaben an fremden Beimischungen Schwefel­wasserstoffgas, Arsenwasserstoffgas, und als ganz besonders gesährliches Gas, Phosphorwasserstoff. Dieser letztere ent­zündet sich bekanntlich an freier Luft von selbst, wodurch Explosionen des Acetylens sehr leicht erklärlich werden. Diese Beimischungen sollen der Verwendung unreiner ! Materialien zur Herstellung des Calciumcarbides zuzu- schreiben sein. Denn es ist klar, daß, wenn der mit der Kohle