1898.
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«Kjra
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ewähr sich Jeder im Vertrau'», Doch Jeder traue Jedem nicht! Nicht in die Brust laß' Jeden schan'n, Doch Jedem frei in's Angesicht.
Bald hat bei Keinem rechten Werth Ein Schatz, der offen allerwärts.
Reich Jedem freundlich Deine Hand, Doch Ausermählten gieb Dein Herz!
Emil Rittershaus.
Muttersohn.
Roman von Arthur Zapp.
(Fortsetzung.)
„Wissen Sie, lieber Köster," sagte er mit einer unendlich überlegenen Miene, „Sie haben doch manchmal furchtbar spießbürgerliche Ansichten. Sie thun ja gerade, als wenn man von Ihnen verlangte, Sie sollten sich dem Teufel verschreiben. Ich kenne doch einigermaßen Welt und Leben und nehme für mich auch in Anspruch, Gentleman zu sein, aber ich bedenke mich nicht einen Augenbtick querzuschreiben. Ueberhaupt eine famose Einrichtung solch ein Wechsel. Seien Sie kein Rauhbein, Köster!"
Der Tadel des Collegen verfehlte nicht seinen Eindruck auf den Andern. Nichts war ihm so fatal, als unter seinen Collegen als philiströs zu gelten.
, ,/Aber wenn . . . wenn man den Wechsel nachher nicht einlösen kann?" wandte er schüchtern ein.
Der Gigerl lächelte. „Sehr einfach, dann prolongirt man." „Und wenn man dann wieder nicht bezahlen kann?" „Dann prolongirt man noch einmal. Man prolongirt so lange, bis man eben in der Lage ist, einlösen zu können."
„Seien Sie doch kein solch Philister, Köster!"
Ottos Widerstand war gebrochen. Wenn die Sache so bequem war! Zudem brauchte er dringend Geld. Neue Handschuhe thaten ihm Noth, ebenso neue Eravatten, neue Hemdenkragen und längst war ein Chapeau-CIaque das Ziel seiner Wünsche. Was konnte ihm denn passiren? Das Spießbürgerliche haftete ihm wirklich noch allzusehr an. Die übertrieben strengen, beschränkten Ansichten seines Vaters konnten doch für ihn nicht immer und ewig maßgebend sein.
„Na, Köster?"
„Meinetwegen. Ich komme mit."
Herr von Markwald belohnte seinen Collegen mit einem wohlthuenden Schlag auf die Schulter.
„Werde mit der Zeit noch einen ganz Patenten Kerl aus Ihnen machen, Köster."
IV.
Das Wechselgeschäft war erledigt. Otto schwamm förmlich tm Geld. Er konnte nun einmal aus dem Vollen leben und brauchte nicht zu „kneifen", wenn einer der Collegen eine kleine Weinkneiperei bei Kempinski oder den Besuch eines Cafe chantant oder sonst eine lustige Sache vorschlug. Fatal war es ihm, daß er in der Nacht dann immer noch den weiten Wegnach der Rügener Straße hatte, während die anderen Herren sämmtlich im Centrum der Stadt oder in der Nähe desselben ihre Wohnungen hatten. Noch verdrießlicher war ihm die Fopperei, Deren Gegenstand er im Kreise der Collegen geworden, nachdem Herr von Markwald eines Tages von seinem Besuch in ter Rügener Straße erzählte und bei der Schilderung der Miethskaserne und des ganzen Stadttheils mit dicken Farben aufgetragen hatte.
„ //Wie . . ., in der Rügener Straße wohnen Sie?" rief Wattenfeld, der seiner Ironie wegen unter den Collegen gesürchtet war. „Wo ist denn das? Liegt denn das über» Haupt noch in Berlin?"
„Freilich," lachte Grünow. „Wenn ich nicht irre, gehört die Rügener Straße zum Stadttheil Gesundbrunnen." Worauf Wattenfeld mit seinem spöttischen Sarkasmus ...: „Gesundbrunnen? Ach so! Da draußen im höchsten Norden, wo die Civilisation aufhört und Reinickendorf anfängt. Giebt es denn da schon Pferdebahnen? Wie? Wirklich? Alle Achtung!"
Und Markwald hatte mit seiner Schnarrstimme dazwischen gerufen: „Miserable Gegend! Begreife nicht, wie 'n anständiger Mensch überhaupt da wohnen kann."
Otto hatte sich im ersten Moment furchtbar geärgert, bei ruhigerem Nachdenken aber hatte er dem Collegen seine höhnische Bemerkung gar nicht verübeln können. Es war wirklich eine ganz schauderhafte Gegend. So furchtbar ärmlich und öde und trist! Wenn man aus dem Innern der Stadt mit seinem blendenden eleetrischen Licht, seinen großartigen Läden und dem ganzen interessanten, abwechslungsreichen Weltstadttreiben, in die halbdunkle, stille Seitenstraße des Gesundbrunnenviertels kam, dann wehte einen förmlich der Hauch der Aermlichkeit an. Keine Droschken, keine Münchener Bierpaläste, keine Coneerthäuser, kein Theater, nur nüchterne, häßliche Miethskasernen, kleine, schmutzige


