Ausgabe 
11.6.1898
 
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amten tragen jedoch allein die Offiziere sowie die Unteroffiziere Uniform.

Die Beamten der verschiedenen Zweige der Verwaltung tragen die weiße Tropenjacke mit heruntergektapptem Kragen.

Die Kaiserliche Regierung hat vier Dampfer, zwei kleine und zwei von ungefähr 500 Tonnen. Ein fünfter Dampfer, welcher 300 Soldaten tragen kann und zehn Sabinen für die Offiziere besitzt, wird jeden Tag erwartet.

Der Stadt gegenüber, auf der anderen Seite der Bai, wo in diesem Augenblick ein deutscher Kreuzer ankert, liegen verschiedene hübsche Gebäude, welche die Artillerie, Pulver­magazine und Dhnamitlager bergen und als Wohnungen für die Feuerwerker dienen.

Wir gehen zur Regierungsstation zurück durch eine breite Straße, die Kaiserstraße, einen breiten Boulevard an dem Meere. An dieser Straße stehen Häuser in den verschiedensten Stilarten, Magazine, Privatwohnungen in Stein und Holz aufgeführt, oder zum Theil mit flachen Dächern durch Säulen gestützt. In einem arabischen Hause wohnt in der Nähe, durch eine bescheidene Pension seitens der deutschen Regierung unterstützt (mit 500 Rupien pro Monat), umgeben von einer Art Hofhaltung, der Sultan-Prätendent Said Ali, der Sohn desjenigen, den die Sansibariten den großen Sultan Bargasch nannten, dessen Palais vor etwa zwei Jahren von den Engländern bombardirt wurde.

Hier und da an der Promenade liegen kleine Blumen­beete, und in einem steht eine Statue des Kaisers Wilhelm I., in einem anderen ein Kiosk für die Militärmusik, die aus schwarzen Musikanten mit einem sehr reichhaltigen Repertoir sich zusamensetzt. In einem anderen Kiosk, der Schaurihütte, wird den Eingeborenen Recht gesprochen.

Dann giebt noch das große Post- und Büreau- gebäude. Es folgt das Casino, ein großer Bau mit einer mächtigen Säulenreihe, welche die Veranda bildet, und einen Theaterraum, Eßräume für die Civil- und Militärbeamten und Offiziere, Cafv, Billardzimmer u. s. w. in sich schließt. Alles sehr complett und als Messe vorzüglich.

In der Hauptstadt der deutschen ostafrikanischen Be­sitzungen fällt einem besonders die Vollkommenheit in Allem auf, da ist kaum eine Lücke, sondern alles nach der Devise: Alles oder gar nichts!" Die Behörden sind stolz auf ihr Werk, und mit Recht, denn es bedurfte eines Willens, einer bedeutenden Beharrlichkeit und eines Organisationstalentes ohne Gleichen, um in einer so kurzen Zeit ein solches Ergebniß 'zu erzielen. (Aus:Deutsche Colonialzeitung".)

Die Bueeomaneie. So nannte man in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts einen jetzt fast ganz in Ver­gessenheit gerathenen Zweig der Physiognomik, die Kunst, aus der Form des Mundes auf den Character und die geistigen Fähigkeiten einer Person zu schließen. Der Erfinder oder Entdecker der Buccomancie war Wilhelm Rogers, ein damals in Paris lebender, sehr beliebter Zahnarzt. Seine Beobachtungen hat er in einer Schrift zusammengefaßt, die bei der Akademie der Wissenschaften zu Paris hinterlegt ist. Diese Ausführungen, die übrigens deutlich verrathen, daß Rogers auf seine Theorie recht eingebildet war und sich mit Lavater, Gall und anderen berühmten Physiognomen ver­gleichen zu können glaubte, sind theilweise recht interessant. Ueber die Form des Mundes sagt Rogers unter Anderem Folgendes: Ein runder Mund, von Grübchen begrenzt, zeigt Gutherzigkeit an; ein scharf geschnittener, eckiger Mund ist ein Zeichen von Klugheit und Verschlossenheit. Je kleiner der Mund, desto größer ist die Furchtsamkeit des betreffenden Individuums; ist er etwas zugespitzt, so bezeichnet er Schlau­heit und List, ist er dagegen ganz platt, so kann man mit

Sicherheit auf großes Phlegma schließen. Ein großer, breiter und plumper Mund verkündet Aufgeblasenheit Und Heftigkeit. Der Form der Lippen hat Rogers ganz besondere Auf­merksamkeit zugewandt. Große, Wohl geformte Lippen, sagt er, sind gutmüthigen und offenherzigen Menschen eigen; dicke, fleischige Lippen lassen auf Sinnlichkeit und Faulheit schließen. Der Geizhals hat dünne, schmale Lippen. Eine Unterlippe, die in der Mitte etwas gefurcht ist, bezeichnet ein frohes Gemüth und Neigung zu gutmüthigem Spott. Wenn die Lippen fest geschlossen find und eine gerade Linie bilden, besitzt die betreffende Person Kaltblütigkeit, Fleiß, Sorgfalt und Ordnungsliebe; sind sie dagegen nach beiden Seiten zu etwas gesenkt, so ist sie eitel und hochmüthig. Ein sanft geschloffener Mund verkündet Ueberlegung und Gerechtigkeit, offenstehender Dummheit. Von Lippen, welche die zwei­malige Länge des Auges besitzen, behauptet Rogers, daß sie einem Idioten angehören. Für ein anderes ebenso sicheres Zeichen von Dummheit sieht er übrigens auch die von der Nase nach der Oberlippe sich hinziehende Furche an, falls diese vollständig regelmäßig verläuft. Da Rogers Zahnarzt war, hat er natürlich auch die Zähne nicht vergessen. Weiße, saubere und regelmäßig gewachsene Zähne, die beim Sprechen sichtbar werden, ohne ganz aufgedeckt zu sein, sind ein Zeichen von Liebenswürdigkeit und Güte. Sieht man beim Oeffnen des Mundes ganz und vielleicht noch das obere Zahnfleisch, so darf man viel Phlegma vermuthen. Kleine Zähne be­kunden Kraft, Muth und Geistesgegenwart, große dagegen verrathen Furchtsamkeit. Auch viel Ueberflüssiges enthalten die Ausführungen des gelehrten Zahnarztes. So beschäftigt er sich auch mit der Gestalt der Wangen und versichert, daß volle, runde Backen ein lebhaftes, fröhliches Temperament, magere dagegen Melancholie andeuten. Wenn Rogers damit auch, freilich nur sehr bedingt, Recht haben mag, so erzählt er doch ganz unnöthiger Weise, daß Kummer die Wangen mager und runzlich macht. Von diesem Ueberflüssigen ab­gesehen, verdienen seine Ausführungen immerhin einige Beachtung, und Rogers war seiner Zeit wegen seiner Theorie der Buccomancie sehr angesehen.

Modernes Nebel. A. (zu seinem Freund):Bei meiner letzten Velozipedfahrt stieg ich vor einer Apotheke ab, um mir ein Mittel gegen Kopfschmerzen geben zu lassen. Kaum kam ich wieder auf der Straße, so war es weg!" B.:Was, das Kopfweh?" A.:Nein, das Rad!"

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Enttäuschung. Fritzchen (zu der alten häßlichen Tante):Du, ich kenne Jemand, der viel darum gäbe, Dich einmal sehen zu können." Tante (eifrig):Wer ist das?" Fritzchen:Ein Blinder."

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Aus einer Vertheidigungsrede.Und zum Schluffe, meine Herren Geschworenen, beherzigen Sie den Spruch:Was Du nicht willst, daß man Dir ihn', das füg auch keinem Ander'« zu."Oder wollen Sie vielleicht jahrelang im Kerker sitzen?"

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Einjähriger Schulze, wie unterscheidet man die Pferde nach der Farbe der Haare?"In Braune, Füchse, Rappen und Schecken."Eine Sorte fehlt noch, die mit dem hellen Haar."Blondinen."

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Zu beschäftigt.Wie herrlich dle Blüthen aus dem Garten herüberduften: . - Nicht wahr, Karl?" Störe mich nicht, mein Kind ich habe jetzt keine Zeit I zum Riechen!"

Redaction: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.