gegeben hatte, die volle Wahrheit zu sagen. So mußte es wenigstens theilweise geschehen.

Ob ich bleiben darf, ist die Frage, Herr Erder. Fräulein Ines und ich schlossen heute einen Bund herz­lichster Freundschaft ich will es nicht verbergen. Ihre Meinung darüber"

Ich sah das kommen, lieber Wulffen. Meine Meinung? Ines als Künstlerin und die Kunst wird ihr kein Feind abstreiten darf nicht wie ein Pensionsmädchen gehalten werden. Darüber, wie über Ihre Ehrenhaftigkeit keine Vor­schriften. Doch ebensowenig darf man sie ihrer Kunst ent- retsen Blödsinn, was rede ich da! Sie selbst sind hoch begabt, wagen Sie den Sprung in unsere Höhe, mit den paar Vorurtheilen bricht sichs schneller, als mit der ganzen Wesensrichtung."

Er balancirte den Bleistift zwischen den weißen, wohl­gepflegten Fingern- die andere Hand im eleganten Haar vergraben, sprach er schnell und leicht, für den Entschluß des Anderen gleichsam vorbildlich.

Heinrich sann, biß auf die Schnurrbartendchen und sagte endlich:Lassen Sie mir Zeit, ich muß selbst erst wissen, wie ich meine Mutter auf die Aenderung vorbereite."

Erder lächelte unter schonendem Vorbeisehen, ließ die Liebenden eine selige Stunde lang allein und arrangirte einen der tollen kleinen Abende, in denen, die Kunst als geniales Nebenbei, die materiellen Genüsse in ausgesuchtem Geschmack die überschäumende Stimmung freien Künstlerthums erzeugten. Ines' Augen schimmerten Heinrich allein er fühlte sich auf dem Höhepunkte seines Lebens. Glanz, Schönheit, Liebe, Reichthum, Kunst und Glück wars nicht zu viel, zu paradiesisch?

Beim Fortgehen züngelte bereits die Schlange an ihn heran.

Ein Krösus, dieser Erder," lachte einer der Künstler. Unsereins kraucht nun wieder in seine Dachspelunke."

Nun, nun," gab spöttisch der Andere hinzu,er ver­sieht es wohl nur besser, heranzuschaffen, zudem heißt es da wie überall: Wie gewonnen, so zerronnen. Fürstliche An­gewohnheiten fürstliche Mittel."

Man sah auf Wulffen, sprach noch einiges Alberne und verabschiedete sich dann.

^Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges.

Die eben beendete Spargelernte ist, wie derPractische Rathgeber im Obst- und Gartenbau" meldet, in diesem Jahre in Braunschweig nicht gut ausgefallen. Infolge des kalten Wetters, besonders im Mai, war die Ernte so gering, daß die großen Conservenfabriken ihren Bedarf bei Weitem nicht haben decken können und ist zu erwarten, daß die Preise für conservirten Spargel im Winter steigen werden.

* * *

Schlingrosen, die im Frühjahr gepflanzt wurden, machen erst nach dem Flor einen stärkeren Trieb. Um diesen zu unterstützen und damit den Zweck der raschen Bekleidung einer Wand zu erzielen, sind öftere Dunggüsse zu verab­reichen. Die abgeblühten Ro en entfernt man rechtzeitig und schneidet die überflüssigen kleinen Triebe zum größten Theil aus, damit der Saft mehr in die jungen, kräftigen Triebe tritt.

Vermischtes.

Das Buch im Sprichwort. Ein gutes Buch lobt sich selbst. Wer ein gutes Buch verliert, verliert einen Schatz. Wer ohne Buch will Doctor sein, gehört in die Narrenschul' hinein. Bücher sind stumme Lehrer. Bücher

und Harnisch soll man oft gebrauchen. Kein Buch so schlecht, es steckt was gutes drin. Man kann aus jedem Buche etwas lernen. Dicke Bücher und reiche Freunde trösten oft am meisten. Wer die Bücher läßt unversehrt, ist gewiß nicht allzu gelehrt. Neue Bücher, neue Lehrer. Ohn' Bücher studiren, heißt Wasser im Sieb führen. Ohn' Bücher ist böse studiren. Viel Bücher, wenig Lehrer. Wer Bücher machen will und bauen an die Gassen, der muß die Leute reden lassen. In schönen Büchern blättert man gern. Buch macht nicht klug. Bücher machen keine Weisen. Bücher geben keine Handgriffe. Bücher fressen und nicht kauen, ist un­gesund. An ein schlechtes Buch macht man keine silbernen Clausuren. Schlechte Bücher lesen und Vogelstellen verdirbt manchen Ge ellen. Wenn in einem Buche ein Fehler ist, so ist er in allen Exemplaren des Buches. Viel Bücher, viel Jrrthum. Große Bücher, große Narren. Je dicker das Buch, je dünner der Geist. Wer alle Bücher ausführt, der wird gar leicht verführt. Bücher machen Narren und Weise, sagte Töffel, und las die Bibel rückwärts. Bücher geben wohl Na enstüber, aber sie thun nicht weh. Aus einem leeren Buche kann man keine Weisheit lesen. Ein böses Buch hat bisweilen einen guten Titel und eine redliche Stirn ein schelmisches Gehirn. Wei emmol im schwarten Bauke is, de kümmt sau lichte nit wieder ruter. Wer Bücher kauft und nicht liest, bei Tische sitzt und nicht ißt, auf die Jagd geht und nicht schießt, ist ein Narr, daß ihrs wißt. Es hat kein Buch so große Blätter, als das Buch: 's kann sein. Es wird kein Buch gemacht, der Neidhart muß es durch­fahren. Das große Buch bringt den Pfarrer um (Groß Amt große Sorge). Das ist ein schönes Buch, sagte der Bauer, und er las Faust's Höllenzwang. Vergoldete Bücher machen aus faulen Studenten keine Doctoren. Sieben alte Bücher Hecken leicht ein neues aus. Man muß das Buch nach seinem Titel nehmen. Man muß das Buch nicht nach dem Titel richten. Man liest eher ein gekauftes. Jahre lehren mehr als Bücher.

Summarisch. Dame (zur neuen Köchin):Ich muß Ihnen gleich zu Anfang bemerken, daß ich drei nicht Sachen vertrage: Rauchfleisch, panirte Schnitzel und Widerspruch!" * * *

Gegenleistung. Bettler (zur Hausfrau, die ihm ein reichliches Mittagsmahl gegeben):. . . . So, gfreut hat Sie's, daß mir 's Essen so gut geschmeckt hat?! . . . Jetzt mach'» S' aber auch mir a' Freud' und schenk'» S' mir 'was auf an' Schnaps!"

Literarisches.

§ Mit Nr. 40 vonDies Blatt gehört der Hausfrau!" (Druck und Verlag Friedrich Schirmer, Berlin SW., Neuenburgerstraße 14a) liegt uns die erste Juli-Nummer dieser weitverbreiteten, vielgelesenen Hausfrauenzeitung vor. Die Zeitschrift bietet für den geringen Preis von vierteljährlich 1 Mark 40 Pfennig (zu beziehen durch alle Postanstalten und Buchhandlungen^ neben wirklich guter Unterhaltungslectüre aus der Feder bester Autoren, gegenwärtig ein Roman von Viktor Blüthgen werthvolle, die verschiedensten Fraueninteressen streifende Leitartikel, welche aber durchweg einen gemäßigten Standpunkt vertreten. In einer Fülle von größeren Artikeln über Gesundheitspflege, Rechts­beistand, Pädagogik rc. sowie kleineren Notizen in allen Zweigen der Hauswirthschaft, in Küche, Keller, Hof und Garten rc, wird das Blatt den vielseitigsten Interessen gerecht. Eine unerschöpfliche Fundgrube für fleißige Frauenhände bietet den Damen der Mode- und Handarbeits- theil, wobei jeder neuen Mode Rechnung getragen wird, ohne doch einem excentrischen Geschmack zu huldigen. Außerdem erleichtern monatliche Schnittbogen, sowie die auf Wunsch nur für Papier- und Portokosten von 35 Pfennig gelieferten Schnitte nach Maß wesentlich die Anfertigung der Garderobe; besondere Berücksichtigung findet die Kindergarderobe. Eine interessante illustrirte BeilageAus aller Welt für alle Welt" richtet die Blicke der Hausfrau über die Grenze des Hauses auf die Weltereignisse, während eine besondere Romanbeilage dem erhöhten Lese- bedürfniß entgegenkommt. In den beiden allmonatlichen Gratisbeilagen Das Blatt der jungen Mädchen" undDas Blatt der Kinder" findet auch die Jugend ihre Rechnung. So bietet das Blatt jeglichem Familien - mitgliede das, was er braucht: geistige Anregung und materiellen Nutzen durch practische Rathschläge.