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große Summen Geldes verschlungen, theure Menschenleben gekostet und oft die kühnsten Erwartungen und Hoffnungen begraben haben, der einzige richtige Weg eingeschlagen werden, den mechanischen Flug auf Grund des natürlichen Fluges anzustreben und dem letzteren ein gründliches, Wissenschaft liches Studium zuzuwenden. Und zu diesem Studium hat bereits ein schon viel gelesenes Buch, „Das Flugprincip" betitelt, von Carl Buttenstedt, einen Hauptbeitrag geleistet.
In diesem Buche ist vor Allem der Vogelflug nach drei Arten unterschieden/ nämlich:
1. im Schweben oder Segeln — ein Flug ohne Flügelschlag/
2. in dem Flügelschlagflug — den man bei den Vögeln, welche in der Regel meist die äußeren Flügeltheile schlagend mit nach rückwärts gehender Bewegung — auch Ruverfing nennen könnte/
3. in dem (nicht unterscheidbaren, zu raschen) Schwirrflug und dem (noch merkbaren) Flatterflug der kleineren Vögel, der bei vielen Vögeln in einen Well en flug übergeht.
Wesentlicher aber zu dem Studium des mechanischen Flugs sind die wichtigsten Elemente des Vogelfluges, unter welche vor Allem als Hauptkräfte zu zählen sind:
1. Die unbewußte (passive) Muskelkraft, sowie
2. Der Flügelschlag oder die bewußte (active) Muskelthätigkeit, und
3. Die Schwerkraft des Vogelleibes.
Die erstere unbewußte oder passive Kraft ist von der Natur bestimmt, den Vogel auf seinen Schwingen zu tragen, das heißt, sein Körpergewicht zwischen seinen Flügeln hängend zu erhalten. Und diese unbewußte Kraft ist thätig, wenn wir einen Bogel in der Luft sehen, der seine Flügel regungslos ausbreitet. Man dürfte sagen, so wie mit den Füßen auf dem Boden, so steht der Vogel mit seinen ausgebreiteten Schwingen in der Luft, und wenn er mit regungslosen, aus- gebreiteten Flügeln sich aus der Luft auf den Boden herabläßt, dann dienen dieselben ihm gleichsam als Fallschirm und verhindern sein plötzliches Herabfallen. Erst wenn er seine Flügel zur Fortbewegung, wie der Mensch seine Beine zum Gehen, braucht, geht Oie unbewußte Muskelkraft zum Bewußtsein über, und ist erst der Flügelschlag eine bewußte Muskelthätigkeit.
Was dann die zweite Hauptkraft des Vogelfluges, die Schwere betrifft, so hat die Natur den sämmtlichen Flug- gcschöpfen eine größere Schwere verliehen, als die Luft hat, und zwar hat sie dieses gerade zur Erleichterung des Fluges so eingerichtet. Merkwürdig ist in dieser Beziehung, daß gerade die größten und schwersten Vögel am schnellsten fliegen können. Die Schwere des Körpers, welche dem Land- und Wasserthiere ein Hemmniß ist, bedeutet gerade beim Vogel den Impuls der Bewegung/ weßhalb sich auch annehmen läßt, daß Schwere Flugkraft bedeutet.
Was nun das mechanische Princip des Fluges 6e= trifft, so geht aus den angestellten Beobachtungen u. s. w. hervor: 1. daß der Vogel auch ohne Flugarbeit eine Flugbewegung hat, und 2. daß Flügelschläge nicht nolhwendig sind, um ein Sinken zu verhindern. Denn es scheint, wenn auch keine Flügelarbeit oorkommt, daß doch in dem Körper eine gewisse Arbeit vorgeht, die den Schraubbewegungen des Schwanzes zugeschrieben werden muß. Ferner ruht die vorkommende, mechanische Flugbewegung des Vogels ohne sein Zuthun nicht im Flugkörper, sondern in der Flug fläche seiner Flügel, denn dem Vogel steht auch eine von dem Gebrauche seiner äußeren Flugwerkzeuge unabhängige Schwebefähigkeit zu Gebote.
Besonders aber die elastische Spannkraft der Flügelfläche gehört zu den wichtigsten Elementen des Vogelfluges. Dieselbe entsteht, wenn ein Vogel sich mit der ganzen Schwere in seine ausgebreiteten Flügel hängt, und j ohne diese Kraft wird aus dem Fluge nicht das, was er ist, dämlich eine annähernd horizontale, mechanische Bewegung
für den Vogel. Diese Spannkraft wird nur durch die Schwerkraft hervorgerufen und ruht in der Spannung des regungslosen Fluges eine arbeitende Kraft, die Buttenstedt die stete Entspannungs-Bewegung nennt. Und hierbei tst das hervorzuheben, daß diese Arbeit reiner Naturkräfte die Grundsäule, der Hauptträger der Flugarbeit, also der eigentliche Flugmotor ist.
Weitere Untersuchung über die elastische Spannkraft der Flug fläch en, und die Folge jener zwar mit schrägen Flächen ausgerüsteten Spannkraft ergaben, daß die Vögel befähigt sind, über dieselben sowohl in senkrechten Steigungen ihres Fluges, als im horizontalen Fluge frei verfügen zu können, was Buttenstedt das mechanische Prineip des Fluges nennt.
Der Wechsel der Luftsäule unter der Flugfläche ist ein wichtiges Element des Vogelfluges, ist vor Allem'-das noch- wendigste Fallhemmniß. Die Natur läßt in ihrer Weisheit diesen Wechsel der Luftsäulen selbstthätig durch die Zug- Wirkung der Flügelspitzen des Vogels selber vornehmen, indem diese den Vogel ohne sein besonderes Zuthun von einer Luftsäule auf die andere ziehen und zwingt den Vogel durch Schnelligkeit die Lufttheile unter seinen Flügeln ihn tragen zu müssen, während auch jede Luftsäule bestrebt ist, die Vogelflügel mit ihren Spitzen auf die vor ihr lagernden Luftsäule zu schieben.
Zu den Hülsskräften des Vogels behufs der Unterhaltung des Fluges zählt man auch die bewußte (active) Muskelthätigkeit/ zu welcher der Flügelschlag, die Bibrationsbewegungen der Schwungfedern, die Schraubenbewegungen des Schwanzes und sie gleichzeitige größere Ausbreitung der Flügel gehören.
Auch die steigende Gleitkraft auf schräger Fläche und der in der Flugrichtung strömende Wind sind zu den Hülfs- kräften des Vogelfluges zu zählen/ letzterer jedoch nur insofern als er den Vogel schneller an das Ziel trägt, als wenn er entgegengesetzt wehen würde.
Nach der Ausstellung dieser Grundbedingungen des Vogelfluges müssen sich nun auch die mechanischen Hülfsmittel richten, mittelst deren sich der Mensch gleich den Vögeln frei in den Lüften bewegen kann.
Gelehrte wie Techniker sind bereits an eifriger Arbeit, um diese mechanischen Hülfsmittel ausfindig zu machen. Der internationale Verein zur rationellen Verwerthung von Erfinder-Patenten in Berlin hat sich gleichfalls dieser Sache bemächtigt, so daß die Lösung des Fluggeheimnisses nur noch eine Frage der Zeit sein wird. Die jetzigen Luftschiffe find ohne Ausnahme der Macht des Windes preisgegeben. Buttenstedts Theorie weist uns dagegen auf einen Weg, auf dem die Einflüsse des Windes und der Schwere — entgegen den bisherigen Theorien — dem Fluge dienstbar gemacht werden.
HrrinspZstisches.
Sitzen geblieben. Reisender (dem der Zug vor der Nase tavongefahren): „Schnell, Herr Stationschef, schnell einen Spiegel!" — „Ja, wozu denn?" — „Das dumme G'sicht muß i sehn, das ich mach'!"
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Schwerwiegend. Anna: „Nun weiß ich nicht, soll ich den Mathematiklehrer oder den Geographielehrernehmen?" — Ella: „Nimm den Geographielehrer, der weiß doch wenigstens bei der Hochzeitsrede Bescheid."
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Galgenhumor. „Können wir Ihnen vor Ihrer Hinrichtung noch einen Wunsch erfüllen?" — Delinquent: „Ick möchte fern erst Gewißheit haben, oh Andree über'n Nordpol jeflogen ts!"


