Ausgabe 
10.4.1898
 
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Sonntag den 10. April.

Sum Osterfeste!

Von Curt Rohden.

--- (Nachdruck verboten.)

Nun künden die Glockentöne

Das Auferstehungsfest!

Das Fest, das wieder das Schöne

Und Heit're erwachen läßt!

Schon läuten die weißen Narzissen

Den ersten Frühling ein, Der Rasen, ein seidenes Kissen, Glänzt goldgrün im Sonnenschein!

Nun schwellen die Ströme und Seeen.

Geküßt von der Sonne Strahl

Schmilzt rings auf den Bergen und Höhen Der Schnee hinunter in's Thal.

Nun liegt der Winter erschlagen Todtzuckend auf grünendem Feld! Und lachend auf goldenem Wagen Fährt Hoffnung und Lenz durch die Welt!

Nun keimt in tausend Herzen

Ein.goldener Frühlingstraum! Nun schimmern, wie leuchtende Kerzen Die Knospen an Strauch und an Baum!

Es brausen, wie Orgelklängez Der Frühlingsstürme Wehn! Laut jubeln der Lerchen Gesänge Das Lied vom Aufcrstehn!

Der Amtmann von Rapshagen.

Criminal-Roman von F. Arneseld.

(Fortsetzung.)

Sie wollten ihnen die Versicherung als Hochzeits­geschenk geben, schade nur, daß es nicht dahin gekommen ist" sagte mit eisigem Ton der Amtsrichter, den das Verhalten des Amtmannes im hohen Grade aufbrachte. Er richtete öannt so wenig aus wie mit Vorstellungen, mit Strenge und mit freundlichen Zureden. Göbener war zu keiner Antwort zu bringen, durch welche die Untersuchung nur um emen Schritt gefördert worden wäre, auf Fragen, die ihm

besonders verfänglich erscheinen mochten, antwortete er gar nicht, und wo er es that, da bewies er eine Schlagfertigkeit geeignet, den Untersuchenden selbst in die Enge zu treibend Das wird eine verzweifelte Geschichte," sagte der

Amtsrichter, als das zweite Verhör ebenso ergebnißlos ver- laufen war wie das erste, zu seinem Protocollführer. ausdehnen^" ° kann die Untersuchung sich endlos

Der alte Fuchs ist mit allen Hunden gehetzt, wer den fangen will, muß früh aufstehen," erwiderte dieser, ein nicht mehr iirnger Mann, der vermöge seiner Erfahrungen sich erlauben durfte, ein Wort mitzusprechen,und dabei hat man die volle Ueberzeugung von seiner Schuld." 9

I rief

! x . irf), unt bert Geschworenen säße, spräche ich das Schuldig über ihn aus, wenn selbst nicht die Beweist die gegen ihn vorliegen, vorhanden wären!" rief der ?pa°t0fCORä?rerr"? fdn Vorgesetzter mußte über den Zorn tad)eJ°nt ° mtIben unb gelassenen Mannes unwillkürlich

Hätten wir ihn erst vor dem Schwurgericht!" stustte er dann.Ich habe es seinem Schwiegersohn, der Heute Morgen bei nur war, auch angemerkt, daß er dem Alten die That zutraut, so sehr er sich auch zusammcnnahm."

Was hilft das?" brummte Ehrenberg.Wenn ich mir em scheit erlauben darf, so wird nicht viel zu machen sein, wenn der Alte nicht eingesteht." 6

Aber, wie ihn dahin bringen? Die Frau soll im Sterben liegen Glauben Sie, daß ihr Tod einen großen Eindruck auf ihn machen wird?" 8 B

Ehrenberg zog die Achseln so hoch, daß sein Kopf bei­nahe darunter verschwand. p

Verspreche mir keine große Wirkung davon," sagte er trocken. ' 1 ö

Aber was fangen wir an?"

Der Protocollführer zog seine Tabaksdose hervor, nahm eine Prise und antwortete, nachdem er sie langsam und bedächtig eingeschnupft: 8

hnvf.//8affen b'n Paar Tage gar nicht zum Verhör vorfuhren, vielleicht machen Einsamkeit und Langeweile ihn doch etwas mürbe. Daß das Mittel helfen wird, kann ich fretlrch nicht versichern." ' ia)

Da wir vorläufig kein besseres kennen, mag es in Anwendung gebracht werden, die Folter ist doch nun einmal