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zeit nicht, die aus einer legirten Suppe, kaum gebratenem j Rindfleisch und wiederum frischen Gemüsen besteht. Den Beschluß macht gezuckerter Reis oder ein süßer Käse oder Cr^me. Eis nimmt sie nie, der Stimme wegen- Rothwein nie, des Teints wegen. Ebensowenig kommen Brod und Wasser über ihre Lippen. Hingegen trinkt sie an den Tagen, wo sie singt, einige Schluck Kaffee hinter den Coulrssen. Täglich und in größeren Mengen genoß sie den Kaffee nur, wenn sie sich durch eine neue Rolle oder ein etwas forcirtes Gast'piel erschöpft suhlte. Dann nahm sie wie Voltaire, Balzac nnd Napoleon zu diesem Neroenwecker Zuflucht, um gegen den unzeitigen Schlaf anzukämpfen. Das ist auch eines ihrer Talenten Sie schläft nach Bedarf und Laune, wie, wo und wie lange sie will, zu Hause, unterwegs, rm Waggon, im Freien, in ihrer Theatergarderobe, am ltebsten naiürlich in ihrem Schlafzimmer, dessen Fenster den Tag über sperrangelweit offen und des Nachts hermetisch geschlossen sein muffen. Beim Schlafengehen und beim Auf- ft et) en benetzt sie sich Hals und Nacken mit Alkohol. Ste behauptet, daß sie es dieser Hebung verdanke, nie von einem Schnupfen heimgesucht worden zu sein.
Fügen mir hinzu, daß sie weder reitet, noch rudert, noch radelt, noch sonst einen Sport treibt. Ein einstündiger Spaziergang oder eine halbe Stunde Billard genügen ihr als tägliche Bewegung vollauf. Und damit sind auch alle kosmetischen Geheimnisse Adelina Pattis enthüllt. Sie bestehen, wie man sieht, mehr in unverrückbaren Lebensgewohn- heiien als in irgendwelchen Zaubereien.
Doll man znm Esten trinken? Zu dieser Frage äußert sich Geheimer Rath Professor Dr. Ewald in der Zeitschrift für Krankenpflege folgendermaßen: So lange beim Trinken gewisse durch Erfahrung gegebene und individuell etwas verschiedene Grenzen innegehalten werden, schadet das Trinken nicht nur nichts, sondern es erleichtet, wenn es deffen bedürfen sollte, diesen so wichtigen Act, der sich bei Manchem zum Höhepunkt des Daseins gestaltet. Manche Leute vertilgen jahraus jahrein ihr Maß Bier oder ihre Flasche Wein zu Tisch, ohne den mindesten Schaden für ihre Verdauung zu verspüren. Wo dagegen die Function des Magens, sei es in chemischer, sei es in motorischer Hinsicht geschwächt oder gar aufgehoben ist, muß das Trinken ad libitum aufhören. Wenn es sich übrigens nicht um eine Magenerweiterung oder um eine „Trockenkur" handelt, kann man dem Kranken immerhin kleine Mengen Flüssigkeit gestatten- denn durch Zufuhr des gewöhnten Getränkes wird der Magenthätigkeit eine recht große Anregung gegeben. Die zuweilen geschmähte Sitte, die Mahlzeit mit der Suppe zu beginnen, ist durchaus berechtigt. Die Temperatur des Getränkes soll aber nicht zu kalt sein. Im Allgemeinen ist der Schoppen - nicht der verwerfliche Frühschoppen — am Anfang, während oder nach dem Effen nicht schädlich.
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Die Kettenhnnde. Die alte berechtigte Klage über die meist schwer vernachlässigte Pflege der Kettenhunde ans dem Lande wird bei den Thierschutz-Vereinen in neuester Zeit dringend erneuert. Der Kettenhund, der, wie jedes andere Thier, den Hang zur Freiheit in sich trägt, muß wie ein gefesselter Verbrecher Jahr aus Jahr ein am Hosthor liegen. Die Hütte, welche ihrem Zwecke nach den Hund gegen die Unbilden der Witterung schützen soll, ist nicht selten in dem übelsten Zustande, meist aber unreinlich, daß der Aufenthalt darin dem Hunde furchtbare Qualen verursacht. Dazu kommt, daß der Hund, weil angekettet, sich seiner natürlichen Bedürfnisse nur in der Nähe der Hütte entledigen kann —
eine höchst widerliche Sache für ein von der Natur mit solchem Reinlichkeitssinn ausgestattetes Thier, wie der Hund. Bei einer Umschau ist leicht festzustellen, daß die Kettenhunde meist voll Ungeziefer sind, bei Hitze selten frisches Wasser haben, daß der Saufnapf und die Freßschüssel häufig sehr unreinlich gehalten werden, ferner daß in Bezug auf Fütterung und Tränkung viele Vernachlässigungen vorkommen. — Daß die Kettenhunde oft äußerst bissig sind, ist wahrlich kein Wunder- auch das nicht, daß die Tollwuth schon häufig bei Kettenhunden ausgebrochen ist- die meisten tollen Hunde kommen bekanntlich vom Lande nach der Stadt. Wie oft hört man beim Aufenthalte auf dem Lande die meist vom Rheumatismus geplagten Kettenhunde heulen. Die Landleute sind es nicht anders gewöhnt, aber der fühlende Fremde fragt mit Entrüstung, ob diese alte vom Vater auf den Sohn immer wieder verebte Rücksichtslosigkeit so fort gehen soll? Hier muß endlich Wandel geschaffen werden. Das Loos der Zughunde ist gewiß nicht beneidenswcrth, aber die Kettenhunde sind noch viel schlimmer daran. Die Plage der Zughunde sieht man auf den Straßen, aber die Leiden des Kettenhundes bemerkt selten Jemand und deshalb kümmert sich Niemand darum. Wir bitten insbesondere die Einsichtigen auf dem Lande, dahin zu wirken, daß in der Behandlung dieser armen Thiere mehr Men chlichkeit und mehr Einsicht Platz greife.
Humoristisches.
Berliner Lehrjungen-Humor. Erster Lehrling: „Du Fritze, gestern ist mein Meester mit fünf Flaschen Bier die Treppe runter gefallen und hat keene davon zerbrochen." Zweiter Lehrling: „Wie ist denn das möglich?" — Erster Lehrling: „Ja weeßte, er trug sie inwendig."
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Unbegreiflich. Sonntagsjäger: „Je mehr ich auf die Jagd gehe, desto unbegreiflicher wird es mir —" — Treiber: „Daß Sie nichts treffen, nicht wahr?" — Sonntagsjäger: „Nein, sondern daß es Völker gegeben haben soll, die von der Jagd lebten."
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Angenehme Aussicht. Hausknecht (der zusieht, wie ein Fremder, den er auf sein Zimmer geführt hat, zuerst unter das Bett leuchtet): „Drunten sind keine, Herr, aber d'rin!"
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Vom Kasernenhof. Unteroffizier: „Lehmann, machen Sie doch wenigstens einen Versuch, daß Ihre Visage einem Gesicht ähnlich sieht!"
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Unteroffizier: „So ein Fanlpelz wie dieser Lehmann ist mir noch nie vorgekommen! Kerl, ich glaube, Ihnen ist's schon zu viel, daß Sie sich mit dem Erdball mitbewegen müssen!"
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Unteroffizier (zum Rekruten mit krummen Beinen, als dieser schlecht marschirt): „Lümmel, infamer, die krummen Beene hast de, damit Du se kerzenjrade machst, verstanden?" * *
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Competent: Hauptmann: „Compagnie — stillgestanden! — Wer von Euch mir eine gute Köchin empfehlen kann, der trete vor!"
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Die Juristin. Rechtsanwalts Gattin (im Ehezwist): „Versuche nur nicht erst, Alphons, Dich zu vertheidigen! Dich bringst Du bei mir doch nicht durch!"
Pitbadtan Ä. Echeyds. — Druck und Verlag d«r Brühl'schtn UuiversitStS-Buch« und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ®ie|tn.


