Ausgabe 
10.3.1898
 
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ibi -

Wollte man bei jedem Geschäft so bedenklich sein, es käme gar keins zu Stande."

Sie haben ja Recht," nickte Brenner,-lassen Sie die Formulare ausfüllen- der Amtmann und das Fräulein werden wohl bald hier sein."

Doctor Köppen empfahl sich- Brenner kehrte an sein Pult zurück- Ringleb ging in das Nebenzimmer, um einem der Schreiber die erforderliche Anweisung zu geben, und kurze Zeit herrschte tiefe Stille in dem Bureau. Man ver­nahm nichts als das Kritzeln der Feder, die Brenner sehr schnell über die Seiten des Folianten gleiten ließ, und das Summen einer großen Fliege, welche sich vor der heute recht kühlen Luft in den erwärmten Raum geflüchtet hatte.

Es währte indeß nicht lange, so öffnete sich die vom Hausflur aus in das im Erdgeschoß befindliche Bureau führende Thüre und die Erwarteten traten ein.

Amtmann Göbener war, wie bei dem Besuche beim Amtsrath Wenzel, in seinen langen blauen Tuchrock gekleidet, hatte aber heute einen, allerdings etwas altmodischen, aber glatt gebürsteten schwarzen Cylinderhut auf dem Kopfe - eine schwere goldene Kette schaukelte sich auf der geblümten, schwarzgrundigen, seidenen Weste, Kragen und Manschetten seines Hemdes waren stark gesteift und blendend weiß. Er hatte eine wundervolle, wohlwollende Miene aufgesteckt und war nicht ohne Erfolg bemüht, einen guten Eindruck zu machen.

Besser gelang dies allerdings noch seiner Begleiterin, obwohl es ihr gar nicht darum zu thun und sie in der denkbar einfachsten Weise angezogen war. Ein glattes dunkelbraunes Kleid, ohne jeden Aufputz, ward von' einer schwarzen Ripsjacke, die vornherunter fest zugeknüpft war, bis über die Hüften bedeckt, die Hände steckten in grauen, nicht allzu gut sitzenden Glacehandschuhen, denen man es ansah, daß sie schon länger dienten, ebenso wie der Schirm, den sie in der Hand hielt. Auf dem Kopfe hatte sie einen kleinen schwarzen Filzhut mit blauen Bandschleifen, unter welchem die schweren braunen Flechten hervorsahen.

Die Reise nach Stettin, zu welcher sie Göbener in seiner kurzen, bestimmten Weise aufgesordert hatte, etwa acht Tage später, nachdem er in ebenso überraschender Art seine Einwilligung zu ihrer künftigen Verheirathung mit seinem Sohn gegeben, war ein großes Ereigniß im Leben des jungen Mädchens und weniger auf Rapshagen. Machte Göbener selbst auch zuweilen Reisen nach Stettin, Berlin und Hamburg, sowie häufig Ausfahrten in die Umgegend, um seine Geschäfte zu besorgen, so war es doch niemals vorgekommen, daß er auf jene Frau und Töchter mitge­nommen hatte, und auch hinsichtlich der nachbarlichen Aus­flüge hatte er sie immer sehr beschränkt. Im weiteren Sinne huldigte er noch dem alten Sprichworts:Die Frau und der Ofen gehören in's Ort."

Umsomehr fühlte sich Frau Göbener erregt, daß ihr Liebling nun von ihrem Gatten einer solchen Auszeichnung gewürdigt ward uud mußte sich wohl oder übel mit seiner Erklärung zufrieden geben, daß er seine bestimmten Gründe für diese Anordnung habe. Anna selbst fragte gar nicht nach den Ursachen. Seit Göbener seine Einwilligung zu ihrer Verbindung mit dem Geliebten gegeben hatte, erschien er ihr wie eine Art Vorsehung, deren Beschlüssen sie sich blindlings zu unterwerfen habe, von der ihr nur Gutes und Heilsames kommen könne, selbst wenn sie das nicht einzusehen vermochte.

Sie hatte übrigens keine Veranlassung, sich allzu sehr in der Selbstverleugnung und Ergebung zu üben, denn Göbener war während der Reise von einer Liebenswürdig­keit, wie sie sie noch nie an ihm wahrgenommen hatte und befand sich sogar in der Gebelaune.

Selbstverständlich fuhren sie in der dritten Klaffe der Eisenbahn und nahmen in einem Gasthof zweiten oder dritten Ranges Quartier, Göbener aber ließ gute und reichliche Mahlzeiten auftragen, ging mit ihr spazieren,

zeigte ihr den Hafen und hatte seinen Spaß an ihrem Staunen über die vielen Schiff-, welche dort lagen, ließ sich sogar mit ihr in einem Boote von ein paar wettergebräunten Schiffern ein Stück hinausrudern.

Denke, mein Töchterchen, daß Alles zu Deinem und Adolfs Besten geschieht," hatte er ihr, die Wange streichelnd, gesagt, als er sie zu Doctor Köppen geführt, der im Bureau derVorsicht" als Vertrauensarzt bezeichnet war, als er sich dort eingestellt, um die schriftlich angeknüpftcn Verhand­lungen zum Abschluß zu bringen. Die Ausnahme, welche er daselbst gefunden, hatte ihm nicht sehr gefallen wollen und er bereute beinahe, nicht nach Berlin gefahren zu sein, wo die Angelegenheit sich wohl ohne,. alle Umstände abge­wickelt haben würde.

(Fortsetzung folgt.)

Die Kunst, schön zu bleiben.

------- (Nachdruck verboten.)

Alle Diejenigen, so schreibt dasNeue Wiener Journal", welche Gelegenheit hatten, Adelina Patti in letzter Zeit zu sehen, waren überrascht von der Jugendlichkeit und Frische der Diva. Die Sängerin, die heute beinahe fünfundfünfzig Jahre zählt, macht den Eindruck einer Frau von kaum dreißig Jahren, und alle Welt fragt erstaunt: Wie war es möglich, daß eine Frau, wie Adelina Patti, die Jahrzehnte hindurch den Körper und Geist aufreibenden Beruf einer reisenden Gesangsvirtuosin ausgeübt, sich so jugendlich erhalten hat? Ein englischer Interviewer hat das interessante Geheimniß gelüftet und erzählt Folgendes:

Um schön zu bleiben, muß man das günstige Temperament der Patti mitbringen, das sich nichts nahe­gehen läßt, jede Aufregung fernhält und das ganze Dasein auf eine gleichmäßige, stille Fröhlichkeit gestimmt hat. Ferner muß man diesem Zwecke entsprechend seine ganze Lebensweise einrichten, deren peinliche Regelmäßigkeit eine unerläßliche Voraussetzung und weit werthvoller als alle kosmetischen Hilfsmittel ist Darum hat Adelina auch immer nach der Uhr gelebt und selbst das Geringfügigste der ewigen Frage untergeordnet, wie es ihrer Schönheit bekommen könnte. Sie erhebt sich des Morgens um neun Uhr, taucht unver­züglich in ihr Bad und nimmt dann das erste Frühstück, das aus klarer Hühnersuppe und etwas Gemüse besteht. Manch­mal wird ein Ei oder Frucht: Aepfel, Trauben oder Pflaumen anderes Obst ist als schönheitsgefährlich ver­pönt hinzugefügt. Nach dem Frühstück überläßt sie sich den Händen ihrer Newyorker Masseuse, die ihr nach einer besonderen Methode Gesicht und Hals knetet. Die Gesichts­pflege ist natürlich der wichtigste Theil der Toilette, und die Patti wendet auf sie dieselben reiflich erprobten Grundsätze an wie die Prinzessin von Wales, mit der sie in fort­währendem Gedankenaustausch über diesen Gegenstand steht, und die sich bekanntlich ebenso jung zu erhalten wußte. Diese Grundsätze lassen außer der Massage nur noch Ein­reibungen mit gewissen Oelen zu, deren Recept die Diva nur sehr wenigen Auserwählten mittheilt. Die Einreibung nimmt sie selber vor. Ueberhaupt darf, die amerikanische Masseuse ausgenommen, Niemand sie berühren, so zahlreich ihre weibliche Dienerschaft auch ist. Nicht einmal frisiren läßt sie sich, und während ihrer Bühnenlaufbahn zog sich so mancher Zwischenact zum Verdruffe des Publikums un­gebührlich in die Länge, weil sie selbst im Theater nicht von der Regel abwich, sich das Haar selber zurechtzumachen.

Doch sehen wir, wie die Patti den Tag weiter ver­bringt und für ihre Schönheit sorgt, was für sie ein- und dasselbe ist. Sieluncht" um halb Eins: Bouillon, Austern oder einen Fisch, Salat, ein bischen grünes Gemüse und Milch. Nach der Mahlzeit eine Tasse Coca oder ein Glas Sect. Nie kommt ein gewürztes Gericht oder eine Sauce auf den Tisch, auch um sieben Uhr Abends zur Hauptmahl-