Ausgabe 
10.3.1898
 
Einzelbild herunterladen

\5

Kg

fflpr

frSvigmjlii

WVIWW^^M iMMR

^SEM on jedem Gelds, das Du ausgegeben, ®ere(t)lte Dir im stillen Weiterwandern: Wieviel hat es genützet meinem Leben?

Und wieviel Freude schuf ich damit Andern?

Anna Nitschke.

Auf manche Seelenwunde

Legt Sorge den Verband, Ein Arzt mit barschem Munde, Doch feiner Handl Frieda Schanz.

Der Amtmann von Rapshagen.

Criminal-Roman von F. Arnefeld.

(Fortsetzung.)

Hast Du gefürchtet, ich könnte Dich zu einer Heirath mit Adolf Göbener zwingen?" fragte der Amtsrath halb im Scherze und war verwundert, als die Tochter sich auf­richtete und sehr ernst sagte:

Nein, nein Vater, denn zu einer Heirath wider Willen würde ich mich nie zwingen lassen, hier ist meines Erachtens die Grenze für den kindlichen Gehorsam. Ich ehre, ich liebe Dich, ich werde nichts thun, wozu Du mir nicht Deine Zustimmung giebst und sollte ich darüber zu Grunde gehen, aber einen Mann heirathen, den ich nicht liebe, das kannst Du mir nicht befehlen."

Sie war aufgesprungen und stand jetzt schlank und hochaufgerichtet vor dem Amtsrath, der sie staunend be­trachtete. War denn das noch seine fügsame, anschmiegende Tochter, die er immer noch wie ein Kind betrachtet hatte?

Er gewahrte erst jetzt, daß sie während der Krankheit gewachsen sein mußte,- das runde Gesicht war länger ge­worden, die Züge hatten ein festeres Gepräge bekommen, die grünblauen Augen glichen jetzt einem tiefen, uneraründ- lichen Bergsee.

Der Amlsrath konnte sich nicht verhehlen, daß eine große Wandlung unter seinen Augen und von ihm unbemerkt mit dem jungen Mädchen vorgegangen war und nun erschien ihm auch ihre Liebe zu Stephan Holten Plötzlich in einem anderen Licht. Das war doch wohl keine solche Backfisch­schwärmerei, die dem ersten neuen Eindruck weicht, sondern

i ene ^efere Reigung. Ließ sich dagegen durch eine Trennung l von etlichen Monaten etwas ausrichten?

Er hatte jedoch die Reise einmal beschlossen, der Brief an die Cousinen war unterwegs, Göbener, der gern Neuig­keiten erzählte, wenn er nicht fürchtete, Nachtheil dadurch zu haben, trug die Nachricht gewiß schon in der Nachbarschaft umher- es mußte dabei bleiben. Er wollte sich, so lange er noch irgend einen Ausweg sah, gegen Holten als Schwieger­sohn wehren.

Ein paar Minuten herrschte Schweigen zwischen Vater und Tochter, dann sagte der Amtsrath:

Ich werde Dir nie einen Gatten aufdrinqen, Meta, 1 ich will Dein Glück"

Und das liegt in Stephan Hottens Händen," fiel sie schnell ein.Vater, sei gütig, sei barmherzig!"

Still, Kind," sagte er, mit der Hand winkend und zog sie wieder neben sich auf das Svpha.Du bist noch sehr jung, bist soeben erst von schwerer Krankheit genesen, rch würde jetzt meine Einwilligung zu einer Verlobung nicht geben, hätte ich gegen den Bewerber auch keinerlei Bedenken. Ich verlange vor allen Dingen, daß Du Dich meinen An­ordnungen fügst, mit Elisabeth Wenzel nach Cannes reisest und dort Deiner Gesundheit lebst."

Und wenn ich zurückkomme!"--rief sie, freudig

aufblickend.

Ich gebe Dir kein Versprechen, mache Dir keine Aus­sicht, daß ich je einwilligen werde," versetzte der Amtsrath sehr ernst,sondern bitte D:ch, betrachte die Angelegenheit als erledigt."

Das kann ich nicht!"

Laß Zeit vergehen, Meta, ich glaube, das wird für Dich, wie für mich zuächst das Beste sein."

Sie unterdrückte die ausquellend-n Thränen.

Sei es so, wie Du es bestimmst, mein lieber Vater," sagte sie, seine Hand küssend.Ich unterwerfe mich der Prüfungszeit, sie wird unsere Liebe nur stärken."

Der Amtsrath küßte sie auf die Stirn uud verließ das Zimmer. Es war ihm, als ob er an seiner Tochter soeben eine neue Bekanntschaft gemacht habe.

Während dessen fuhr der Amtmann Göbener die Chaussee entlang, seine beiden Gäule nur zuweilen durch einen Zuruf zu einer etwas schnelleren Gangart antreibend, es ihnen aber im Ganzen überlassend, in welchem Tempo sie den Wagen fortbewegen wollten. Er hatte es sich nicht allein an des Amtsraths Tisch wohl sein lassen, sondern ! auch den Pferden ein reichliches Mahl aus den Krippen in