Ausgabe 
9.7.1898
 
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Er brach ab.

Sie sind mit Leib und Seele Landwtrth?"

, Henrich füllte eine kurze Pause damit, zur Seite zu bucken- Dann entgegnete er!Das bin ich. Studienhalber hab ich mich zuletzt in Berlin aufgehalten, doch bin ich mit der Theorie fertig und ich könnte nun Wohl ruhig auf der Scholle sitzen bleiben. Aber eine Vorliebe für die Musik die bald Schwäche zu nennen wäre, raubt mir mehr Zeit, als ich eigentlich übrig haben sollte. Zwar danke ich es ihr auch mit Ihrem Schaffen bekannt geworden zu sei«, Herr Erder." 0 ' '

e Das kam so ehrlich wie bescheiden zu Tage. Dem Künstler drüben behagte es merklich, er nahm mit einem Male viel mehr Platz ein, indem er rechts und links die Arme streckte, die Finger in das Polster grub und wobei er versetzte:Nichts Lieberes giebt es, als einen Gleich­gesinnten zu treffen, und jedenfalls auch wiederzusehen, denn ich habe mich für Berlin zu vier Concerten verpflichtet."

Heinrichs Augen und Mienen leuchteten.

Gerade um diese nicht zu versäumen, bin ich eher von Hause abgereist!"

Sein jugendliches Feuer entflammte die leicht erregbare Natur des Anderen sichtlich. Sie vertieften sich in ihre Meinungen über Erders Compositionen, über seine Auffassung ^er Meister und lebender Künstler, daß die junge Dame schließlich ihr Buch sinken ließ, um zuzuhören.

Wulffen wies darauf hin, daß die moderne Musik wie die moderne Kunst überhaupt zu intim sei, daß ihr der große, fortreißende Zug, daß ihr das Kraftvolle, Ueber- waltigende fehle.

^Fortsetzung folgt.)

Die Perle der Nordsee.

Schilderung einer Sommerfahrt von Otto Bruhnsen.

(Schluß.)

Allmählich verlor das Unwetter an Ungestüm, nach und nach hellte sich der düster blickende Himmel ringsum auf.

Der alte Mann mit der Schelle spukte wieder im Ober­lande. Heiser klang, was er auszurufen hatte:

Seine Majestät, ..... der deutsche Kaiser Konrng von Preußen .... wird sich um 3 Uhr von der Commandanten-Wohnung.....nach der Mathies-

Terrasse begeben......um sich an Bord derHohen-

zollern" einzwchiffen Die bei seiner Ankunft . . . . an der Spalierbildung betheiligt Gewesenen .... werden ersucht,.....sich gegen/23 Uhr . . . auf der

Landungsbrücke aufzustellen."

Ich stieg eilends in die Kaiserstraße hinunter, wo ich vor dem 1894/95 erbauten, eine Zierde der Straße bildenden Postgebäude Aufstellung nahm.

Der Regen hatte nachgelassen, was jetzt noch umher­sprühte, war nicht mehr unbeguem. Ungestüm wühlte der Wind in dem ringsumher wehenden und knatternden Flaggentuch.

Ein Trupp von zwölf Turnern mit der Fahne zog nach der Landungsbrücke. Vor dem Conversationshause standen die Ehren-Jungfrauen, unbeholfene Haubenträgerinnen in der bunten Frauen-Gewandung ihrer Insel. Sie trugen gelb­grüne Röcke mit breitem, rothem Saum, weiße Schürzen, lange weiße GlacÄederne und hochmoderne Lackschuhe.

Ein schier endloses Warten folgte.

Endlich nahte der Kaiser.

Zwei Marinesoldaten mit geschultertem Gewehr, welche bisher am Fuße der rothen Treppe auf Posten gestanden hatten, bogen in die Kaiserstraße ein.

Die Hälse der Wartenden reckten sich.

Ein schwaches Hurrah wurde vernehmbar.

Da schritt auch schon der Kaiser mit kleinem Gefolge heran, neben sich den Commandanten von Helgoland, Capitän

, zur See Stubenrauch, eine stattliche, echt seemännische - Erscheinung.

; Einen ungemein'gewinnenden Eindruck machte der jugend- ; siche Monarch, als er elastischen Schrittes, in ungezwungener Haltung die Reihen der Harrenden passirte und für ihr sich i 'tnmer mehr verstärkendesHurrah" nach allen Seiten ! freundlich dankte.

I Er trug eine einfache Marine-Uniform, und sah in der i blauen Joppe mit breiten Goldaufschlägen und der weißen ? Mütze ganz vortrefflich aus.

Vor dem schmücken Postgebäude, in geringer Entfernung von dem rasch sich nähernden Monarchen kam ein alter Mann zu Fall, kugelte sich in der Regenrinne und wurde von über­eifrigen Angehörigen und Zunächststehenden ganz ungehörig unsanft emporgerissen und wieder auf den alten Fleck gestellt, auf dem er völlig verdutzt, von dem vorüberschreitenden glänzenden Zuge gewiß wenig oder garnichts gewahr werdend, stehen blieb. '

Ein betäubendes Hurrahrufen auf der reich beflaggten, in ihrer ganzen Länge von Zuschauern dicht besetzten Landungs­brücke begleitete die Einschiffung des Kaisers. Eine Pinaffe trug lhn und sein Gefolge unter dem Donner der Geschütze Pfeilgeschwind durch die hochgehende See an Bord der Hohenzollern". Lang schleppte die Flagge am Hintertheil des Fahrzeugs in der Brandung nach.

*

*

Ach, wie gar bald war sie vorüber gerauscht, die so froh verlebte Zeit auf dem sonnigen Eiland! Fch mußte ernstlich an die Heimkehr denken.

So seien denn die letzten Tage dir geweiht, du meer­umtoste Düne!

Morgen für Morgen habe ich mich im schwanken Boot hmubertragen lassen an dein Gestade des Friedens, und tiefer Frieden, und eine köstliche Ruhe hat mich allemal überkommen, sobald ich traumverloren dein kleines Reich umschritten. . .

Auf dem festen weißen Sande des allmählich nach der See abfallenden Strandes gehts sich so vergnüglich wie auf emem kurzgeschorenen Teppich, kaum erkennbar sind die Fuß­stapfen, welche der einsam sich ergehende Naturfreund auf dem von den Wogen peinlich sauber gehaltenen Boden des Weststrandes zurückläßt.

Manchmal wird der still Betrachtende sich bücken, um hier ein herzförmig geschliffenes Steinchen oder ein künstlich durchlöchertes Stück der dem Strande vorgelagerten Kreide­klippen, dort einen breiten Riemen scharfduftenden, oliven­grünen Bändertanges aufzuheben und seinen Taschen als wohlfeil erstandene Andenken sie kosten nur ein wenig Bücken einzuverleiben.

Bei gar zu sorglosem Dahinschreiten wird es ihm viel­leicht passiren, daß er über das die Düne der Breite nach durchziehende Telegraphenkabel stolpert. Schwimmbojen in der See bezeichnen die Stelle, wo es auf dem Meeresgründe ruht......

Ein Schwälbchen streicht wippenden Fluges über die weißen Sandflächen des Dünenrückens.

Genügsamer Sandhafer, der den bei starkem Winde es manchmal gar eilig habenden Triebsand zum Verweilen ein­ladet, ist überall angepflunzt. Auf einer Tafel liest man die Bitte der Badeverwaltung, dies nützliche Gewächs nicht zu beschädigen.

Manchmal vermeint der Umherstreifende sich auf die Grasflächen der gegenüber liegenden Ostküste Helgolands versetzt, unwillkürlich späht er nach weidenden Schafen aus, denn das eigenartige Geräusch, welches entsteht, wenn ge­fräßige Thiermäuler Grasbündel scharf über dem Boden ab­rupfen, dringt auch hier an sein Ohr. Hier indessen läßt's der Wind entstehen, wenn er über die steifnackigen Halme des Sandhafers dahinfährt, daß sie sich widerwillig beugen und mit rauher Zärtlichkeit aneinander schmiegen ,

Ein gesellig zu ammenhaltender Mövenzug umkreist die