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immer neue bedeutungsvolle Entdeckungen hinzufügte. Noch gedachte er nicht Halt zu machen, aber seine durch einen sechzehnjährigen Aufenthalt in Afrika geschwächte Gesundheit begann ihm jetzt ernstliche Hindernisse in den Weg zu legen. Fieber und Dyflenterie quälten ihn abwechselnd, und vor Allem gegen letzteres Nebel erwiesen sich alle Mittel machtlos. Dazu kam der allmählich immer fühlbarer ^werdende Mangel an den nöthigen Bedarfsartikeln. Nicht einmal Schreibutensilien besaß er mehr und mußte seine Notizen mit einem von ihm selbst zubereiteten gelben Baumsafte auf altes Zeitungspapier schreiben. Alle diese Umstände zwangen ihn zur Rückkehr nach Ujiji, wo er am 23. October 1871 völlig erschöpft eintraf. Hier erreichte ihn wenige Tage später zu seinem Glücke Stanley. Auf die Kunde von der Annäherung eines Weißen verließ Livingstone das von ihm bewohnte Haus, um in einem Kreise von Neugierigen die Ankunft des Fremden zu erwarten. „Als ich", erzählt Stanley „langsam auf ihn zutrat, bemerkte ich, daß er bleich war und abgespannt aussah. Er hatte einen grauen Schnurr- und Backenbart, trug eine bläuliche Mütze mit verblichenem Goldband auf rothem Grunde, eine Weste mit rothen Aermeln und graue Zwilchhosen. Gern wäre ich auf ihn losgestürzt, doch ich war in Gegenwart des Haufens zu feige dazu- ich wollte ihn umarmen, nur wußte ich nicht, wie er es auf nehmen würde. So that ich denn, was moralische Feigheit und falscher Stolz als das Beste zu thun mir riethen — ich schritt auf ihn zu und fragte, den Hut abnehmend: Doctor Livingstone, wie ich vermuthe? — Jawohl, antwortete er mit freundlichem Lächeln, die Mütze leicht lüftend. Ich setzte meinen Hut wieder auf, er seine Mütze, und wir drückten unS die Hände. Dann sprach ich laut: „Ich danke Gott, Doctor, daß es mir vergönnt ist, Sie zu sehen."
Durch Stanley wurde Livingstone mit Allem versorgt, was ihm abging, auch nahm derselbe seine Papiere nach England mit. Er selbst aber wollte, so sehr ihm auch der Amerikaner zusetzte, von einer Rückkehr in die Heimath nichts wissen. Und warum nicht? Weil er sein großes Forschungswerk erst zu Ende führen wollte. „Meine innere Stimme", schreibt er in seinen Tagebüchern, „sagt mir: Alle Freunde werden wünschen, daß ich eine wirklich genaue Feststellung der Nilquellen beschaffe, ehe ich heimkehre. Meine Tochter Agnes schreibt: So sehr ich wünschen würde, Dich heimkehren zu sehen, so würde ich doch lieber sehen, daß Du zu eigener Befriedigung Dein Werk vollenden und mich dann mit gänzlicher Heimkehr erfreuen möchtest! Recht und edel gesagt, mein Liebling Nannte! Meinen Segen für sie und alle Uebrigen!" So begleitete er Stanley, nachdem Beide gemeinschaftlich eine Entdeckungsreise nach dem Nordende des TanganikaseeS unternommen hatten, nur an die Küste bis Unjanjembe, wo man im Februar 1872 anlangte. Hier erwartete Livingstone die Borräthe und Mannschaften, welche ihm der Amerikaner von Sansibar aus zu senden versprochen hatte, und machte sich, als er im August in ihren Besitz gelangt war, sofort wieder auf den Marsch nach dem Bangweolosee, dessen Erforschung zu vollenden.
Bald jedoch zeigte es sich, wie unrecht er gehabt, Stanleys Rath, in der Heimath erst seine angegriffene Gesundheit wiederherzustellen, zu vernachlässigen. Die Anfälle seines Uebels traten immer häufiger und heftiger auf, und die Nothwendigkeit, wochenlang durch eine mit Wasser bedeckte Gegend zu reisen, förderte die Krankheit noch mehr. Theilweise mußte man auf riesigen Ametsenhügeln rasten, den einzigen trockenen Stellen in der allgemeinen Fluth. Der Reisende bediente sich eines Esels zum Reiten, häufig fühlte er sich dazu zu schwach und mußte getragen werden. Trotzdem drängte er unaufhaltsam vorwärts. Er war so schwach, daß er keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen konnte, und Milch war nicht aufzutreiben, da die Mazitu die ganze Gegend ausgeraubt und alle Ziegen entführt hatten,
trotzderr? fiel es ihm nicht ein, umzukehren. Die letzten Tage wagte man kaum ihn noch zu transportiren, da er auszulöschen drohte. Er vermochte nicht einmal bis zur Tragbahre zu gehen, man brachte diese daher in die Hütte bis an das Lager. Endlich erreichte man Tschitaniba, wo man ihn in einer Hütte auf ein Lager von Gras bettete. Hier starb er in der Frühe des ersten Mai, wo ihn am Morgen seine treuen Diener Susi und Majwara, vor seinem Lager knieend, tobt und kalt auffanden. Einige Tage vorher, am 27. April 1873, hatte er mit zitternder Hand die letzten Worte in sein Tagebuch geschrieben: „Knocked up quite, and remain—recover—sent to buy milch goats. We are on the banks of Molilamo.“ (Gänzlich aufgerieben, und bleiben — mich wieder erholen — fortgeschickt, um Milchziegen zu kaufen. Wir sind an den Ufern des Molilamo.) Der unermüdliche Forscher dachte also durchaus nicht an die Möglichkeit seines Endes, er wollte sich nur erholen und dann seine Reise fortfetzen. Er starb, wie man wohl sagen darf, auf dem Schlachtfelde der Wissenschaft und als Märtyrer der Wissenschaft und Cultur. —
Man hört so oft von der Untreue und dem Leichtsinn der arabischen und afrikanischen Träger und Reisebegleiter, daß man den Dienern Livingstones für ihr Verhalten nach seinem Tode die höchste Achtung nicht versagen kann. Nachdem sie an Ort und Stelle zu seinem Gedanken ein Kreuz errichtet und seinen Namen und Todestag in einen Baum eingeschnitten hatten, conservirten sie die Leiche, so gut die vorhandenen Mittel es erlaubten, und begaben sich mit derselben, statt sie an Ort und Stelle zu beerdigen, an die Ostküste nach Sansibar, wo sie nach zehnmonatlichem Marsche im Februar 1874 eintrafen. Von dort wurde die Leiche des großen Verschiedenen nach England überführt, wo sie am 18. April desselben Jahrcs in der Westminsterabtei, der Ruhestätte der großen Engländer, ihren Platz fand.
Huhn mit Estragon. In das sorgfältig gereinigte Huhn bringt man etwas gehackten Estragon, Pfeffer, Salz und ein Stückchen Butter und näht es zu, worauf man es mit Citronenschale einreibt, mit Speckstreifen umwickelt und es alsdann in eine Casserole legt, in der sich fetter und magerer Schinken, in Scheiben geschnittene Zwiebel und Möhren, sowie ein Löffel Estragon befinden. Dann schüttet man in die Casserole eine Taffe aufgelösten Liebigs Fleisch- Extract und ebensoviel Weißwein, läßt das Huhn über stillem Feuer gar werden und richtet es mit folgender Sauce an: Man macht eine braune Buttersauce, fügt zu derselben das Jus von dem Huhn und läßt diese Sauce zehn Minuten kochen, worauf man dieselbe mit zwei Eigelb bindet und etwas fein gehackten Estragon darunter mischt.
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Mit dem Beginn der besseren Jahreszeit eilen schon in der Morgenfrühe Radler und Radlerinnen schaarenweise wieder hinaus ins Freie. Eine höchst willkommene Stärkung ist dann unterwegs zum Frühstück eine Taffe Bouillon, wie sie sich aus Likhigs Fleisch-Extrakt binnen kürzester Zeit leicht und vorzüglich bereiten läßt. Aber nicht nur von Radlern, sondern von allen Freunden des kräftigenden Sports: Ruderern, Seglern, Touristen Turnern und Anderen wird diese Labung geschätzt.
Humoristisches.
Im Eifer. Junge Frau (zu ihrer Freundin): „Und was für theuere Hüte ich habe! Ich sage Dir, mein Mann wird von jedem Menschen bemitleidet!"
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