Ausgabe 
8.5.1898
 
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Borstrickschen Hauses, Olaf, der unter der Lochte» Gustav Adolfs eine glanzvolle Rolle gespielt. Diesen Mann mit den kurzgeschorenen Haaren und dem spitzen Knebelbart hatte Ebba auch in ihrer Kinderstube gehabt, und die Fischern hatte sie, wenn sie gar nicht zu gewinnen war, mit dem Worte bedroht:Olaf kommt gleich von der Wand." Sowie ihre Alteste geboren war, hatte ihre Mutter das Bild über deren Wiege aufhängen lassen, damit sie unter den Blicken der Vorfahren aufwachse. So oft ein neues Fräulein in das Lundsche Haus kam, stieg Frau Karin Meyerling zu den Mansarden hinauf und weihte es ein in die Geschichte Olafs. Das Gegenstück zu dem Ritter mit der goldenen Kette bildete seine ehr- und tugendsame Hausfrau, ein wie unter Thränen dreinschauendes, blondes, bleichsüchtiges Wesen der volle Gegensatz zu dem selbstbewußten Herrn.Die gute Tante," wurde sie von Frau Fischern genannt. O, die unbewußte Kinderzeit, alsOlaf" noch drohend durch ihr Leben ging! Dann kam die Ehe. Als sie sich mit Conrad Lund verlobte, hatte ihr Vater sie in sein Zimmer geführt.

(Fortsetzung folgt.)

Livingstones letzte Reise.

Ein Gedenkvlatt zn des Forschers 25 jährigem Todestag (L Mai 1898).

Von Alexander Bauer.

- (Nachdruck verboten.)

Die Geschichte großer Forscher hatte einst einen armen Knaben, der in seinem Innern eine glühende Sehnsucht nach fernen Ländern trug, derart begeistert, daß es sein sehnlichster Wunsch war, es ihnen nachzuthun. Aber wie sollte er je dazu gelangen? Er war ja arm und unwissend. Schon mit zehn Jahren mußte er sich in einer Fabrik sein Brod ver­dienen, und der Beruf, den seine Verhältnisse ihn zu ergreifen nöthigten, war der eines Baumwollenspinners. Doch ein energischer Wille vermag viel, und Gelegenheit zum Lernen giebt es überall. So setzte der Knabe alles daran, um Latein zu lernen, worauf er, älter geworden, in Glasgow 'in den Wintermonaten Medizin und Theologie studirte. Der ein­fachste Weg, zu seinem Ziele zu gelangen, war der, Missionar zu werden. Inzwischen war der Knabe zum Manne heran­gereist, er hatte sich zum Arzte emporgeschwungen und war bereits über 27 Jahr alt geworden. Die Londoner Missions­gesellschaft acceptirte sein Anerbieten und rüstete ihn 1840 für eine Reise nach Südafrika aus.

Dieser Knabe war David Livingstone (geboren 19. März 1813 zu Blantyre bei Glasgow). Mit kurzen Unterbrechungen verbrachte er von nun an sein Leben im dunklen Erdtheil. Er hatte es der Erforschung desselben gewidmet, groß waren seine Erfolge, und sein Ruhm stellt noch heute den Emin Paschas und Stanleys in Schatten. Seine geschickte Art, mit den afrikanischen Eingeborenen umzugehen, sicherte ihm deren Freundschaft und Hochachtung. Kaltblütig, vorsichtig und von großer Herzensgüte, hatte er sich vor allem drei Hauptaufgaben gestellt, gegen welche er die der äußerlichen Christenbekehrung zurücktreten ließ: die Erforschung des schwarzen Erdtheils, die Bekämpfung des Sclavenhandels und die Verbreitung der Civilisation unter den Negern. Alle Gefahren und Strapazen achtete er gering, wenn es die Er­reichung dieser Zwecke galt. Im Dienste seiner großen Sache hat er thatsächltch sein Blut tropfenweise verbraucht. Die Geschichte seiner Reisen füllt Bände- sie ist niedergelegt in seinen Werken. Vor allem danken wir ihm die Entdeckung der Victoriafälle des Sambesi (1855), des Schirwasees (1859), des Njassasees (>859), des Bangweolosees (1868) und des Bualaba, was er außerdem zur geographischen und ethno­graphischen Aufschließung Afrikas, sowie zur Verbreitung der Eultur unter den dortigen Einwohnern beigetragen, verdient die höchste Anerkennung aller Gebildeten.

Im Jahre 1865 (nach seiner Ernennung zum britischen Consul sür das Innere Afrikas) trat er seine letzte große Reise an, welche ihn acht Jahre lang in Anspruch nehmen und von der er nicht mehr nach Europa zurückkehren sollte. Im Januar 1866 brach er von Sansibar auf, von in der englischen Mission erzogenen Eingeborenen und indischen Sepohs, sowie einem Trupp Lastthieren, Eseln und Kameelen begleitet. Sein erstes Ziel war der Nyassasee. Leider bewährten sich aber die Sepoys und ein Theil seiner übrigen Mannschaften so wenig, daß er die unbrauchbaren Elemente zurückschicken mußte. Die Zurückgesandten verbreiteten, um ihre Schmach nicht eingestehen zu müssen, in Sansibar die Nachricht von seiner Ermordung, ein Gerücht, dessen Unrichtigkeit sich jedoch bald herausstellte. Dagegen blieben vom Jahre 1869 ab wirklich alle Nachrichten von dem berühmten Reisenden aus, er schien verschollen, bis der von I. G. Bennett, dem Eigenthümer desNewhork Herald", zu seiner Auffindung ausgesandte Reporter Stanley ihn im November 1871 in Ujtji krank und von allem Nothwendigen entblößt auffand.

Nie ist wohl das Project einer Afrikaexpedition rascher gefaßt und ausgeführt worden als dasjenige der Forschungs­reise Bennets und Stanleys. Henry M Stanley, der als Correspondent des Newyorker Weltblattes bei dem Carlisten­aufstand in Spanien weilte, erhielt am 16. October 1869 Morgens um 10 Uhr in Valencia ein Telegramm James Gordon Bennetts mit folgenden Wortlaut:Kommen Sie sofort wichtiger Geschäfte wegen nach Paris." Stanley fuhr um 3 Uhr Nachmittags von Valencia ab und kam, da er in Bayonne einige Stunden Aufenthalt hatte, erst in der nächsten Nacht in Paris an.Ich eilte", erzählt er in seinem von der Expedition handelnden Werke,sofort ins Grand Hotel und pochte an Herrn Bennetts Thür." Herein! rief eine Stimme.

Ich trat ein und fand Herrn Bennett im Bette." Wer sind Sie?" fragte er.

Ich heiße Stanley, war meine Antwort."

Richtig! Nehmen Sie Platz. Ich habe einen wichtigen Auftrag für Sie. Nachdem er in den Schlafrock geschlüpft war, fragte er mich: Wo dürfte sich jetzt Ihrer Meinung nach Livingstone befinden?"

Das weiß ich wahrhaftig nicht."

Glauben Sie, daß er noch am Leben sei?" Vielleicht, vielleicht auch nicht."

Ich glaube, daß er noch lebt und aufzufinden sei." Und ich möchte Sie dazu ausschicken.

Was?" rief ich aus. Sie glauben wirklich, daß ich Doctor Livingstone auffinden könnte?Sieglauben wirklich, daß ich nach Central-Afrika gehen sollte?"

Jawohl! Ich meinte, daß Sie ihn aufsuchen, wo immer auch Sie ihr. vermuthen, und daß Sie alle Nachrichten, die Sie von der Sache einholen können, sammeln. Vielleicht fügte er nachdenklich hinzu ist der alte Mann in Nöthen. Nehmen Sie genug mit, um ihm beizustehen, falls er es braucht. Sie können ganz nach Gutdünken thun und handeln, aber finden Sie Livingstone auf!"

Stanley, ganz erstaunt über diesen kaltblütigen Auftrag, erinnerte an die großen Kosten, welche die kleine Reise verur­sachen würde.Was mag sie kosten?" fragte Bennett kurz. Der Reporter nannte als Geringstes 2500 Pfund. Da er­widerte der Zeitungsbesitzer:Gut, da will ich Ihnen etwas sagen. Beheben Sie vorerst 1000 Pfund, und wenn diese verausgabt sind, ziehen Sie auf uns weitere 1000; sind diese verbraucht, wieder 1000, noch einmal 1000, und so weiter, aber finden Sie Livingstone auf."

Der kühne Missionar war, als er 1866 seine Reise antrat, bis zum Südende des Nhassa vorgedrungen, hatte dann den Tanganikasee besucht, den Luapula und den Moerosee erreicht und suchte von Kasembes Stadt nach Ujiji vorzu­dringen. Die Regenzeit nöthigte ihn indessen zur Umkehr, worauf er auf einem anderen Wege unter großen Mühselig­keiten und Gefahren am 13. März 1869 in Ujiji eintraf. Von hier aus drang er weit in das Innere ein, indem er