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bart, und so etwas „wie Wort - Lage" kamen unter . diesem hervor. i
„Oh — so — hm! nicht aufdringlich sein in discreten Sachen," lächelte der Hausherr. ,
„Mein Wort, Herr Consul, es giebt ja mchtS, was das Tageslicht, die volle ehrliche Beleuchtung zu scheuen hätte, in dem — dem Zufall der Bekanntschaft mit Fräulein von Arabin, die — übrigens Jahre zurückliegt -"
„Basta! Sie ereifern sich ja förmlich, was chre ganze Sache nicht werth ist," fiel Lund ein, seine großen Zähne zeigend. „Hübsches Gesicht, schöne Figur, Rasse, das ist nicht zu leugnen!" Joachim bereute fast sein Versprechen.
„Aus alter Familie," sagte er.
„Sehen Sie, die Geschichte kennen Sie auch?" lachte !
der Andere. ,, ... _
„Sie ist Wahrheit — dafür bürge rch Ihnen!" Der Lieutenant richtete sich höher, vertheidigungsbereit.
„Wenn schon —!" Der Consul zuckte die Achseln. „So'n Bischen Romantik kann ja auch im Leben von solch'nem Fräulein sein. Warum nicht!"
Ebba trat mit dem Doctor ein.
„Mein Mann — Herr Doctor Hallsberg." Der Riese verbeugte sich vor dem Anderen.
„Sie wollen meine Frau för Wohlihätigkeit interesstren? Sehr recht, das ist ja ganz fashionable — habe absolut nichts dagegen!" versicherte der Consul gnädig oder gleichgültig, das hatte so ziemlich denselben Anschein bei ihm. „War die Sache von neulich gut verlaufen? ich glaube, ich habe Ursache, Ihnen ganz besonders dankbar zu sein."
„Alles, was mit den Borstricks zusammenhängt, ist menschenfreundlich gesinnt," sagte Frau Meyerling, „es ist eine Familieneigenschaft."
Herr Johann Conrad schüttelte dem Doctor bte Hand: Na, wie steht es um die liebe Menschheit? Gott sei Dank, jetzt ein gesegneter Krankheitszustand!" das war sein stehender Witz bei jeder Begegnung mit einem Mann der Medicin.
„Nun, zufrieden mit der Praxis?" fragte der Chef des Hauses Meyerling & Co. „Oder kann sie sich immer noch ein wenig ausdehnen? Sehr viele Arzte in unserem lieben Berlin, sehr viel."
Auch darüber war Frau Ebba ortentirt, daß Bruno Hallsberg es noch weit habe bis zu einem gesuchten und berühmten Arzt. Sie schob den Arm in den des Vaters, zog ihn bei Seite und zischelte: „Du, Papa, das mußt Du in die Hand nehmen, das Empfehlen! Du kannst darin so unendlich viel thun — Du mußt, Papachen, das ist noch ein ganz besonderer Geburtstagswunsch." Die Kinderhände legten sich bittend gegeneinander.
„Ist er denn geschickt? Hat man ihn Dir empfohlen."
„Aber natürlich — Alles, was Du willst."
„Na — dann — warte mal! Ja, mein Personal und Alles, was damit zusammenhängt — bte erwarten boch immer bte Parole von uns."
Sie streichelte liebkosenb seinen Arm — so, auch bas nahm sie für bett Gewaltsmenschen, wie er sich selber genannt, in bte Hanb. Sie that nichts halb."
Als ber Arzt sich von bem kleinen Kreise verabschiebet hatte, trat Joachim von Monken zur Hausfrau heran.
„Schöne Cousine, es ist noch viel zu früh für biesen Sport — Wohlthätigkeit! Man benkt an bas veraltete Charpiezupfen! Wahrhaftig, Ihre schönen Augen unb Hänbe haben ganz anbete Aufgaben. — Wunben schlagen unb wieber linb heilen. Schweifen Sie boch nicht in bte Ferne — ich bin ein tobtwunber Mann!"
Er war hübsch mit seinen sprechenben Augen, ber eleganten Gestalt, bett krausen, blonben Haaren — und Wiesenau war es auch unb Viele Andere dazu, die ihr den Hof zu machen suchten. Vielleicht früher, aus Langeweile, hätte sie Joachim Monken so etwas wie einen Ritterdienst gestattet — aber nun nicht — sie mußte an den Doctor, an seine ernste, knappe Art denken — nein, der gefiel ihr
besser. Und sie glaubte, sie sei auf dem Wege, es statt mit der Liebe, mit der Freundschaft zu versuchen.
„Wenn mir eins zu Hilfe käme, daß ich Chance hätte!" flüsterte Joachim.
„Was denn?"
„Daß Sie sich so recht unglücklich fühlten — einen besseren Bundesgenossen giebt es nicht bei einer schönen Frau, deren Herz man belagert. Aber, wie sollte das" mit einem Blick durch das reichdecorirte Zimmer und einem Seufzer zur Decke hinan — denn hier wohl möglich sein. Schöne Cousine - somit ist Joachim Monken der Unglücklichste der Sterblichen."
Sie ließ ihn schwatzen, zerstreut lächelnd- in dtesem Augenblick hatte er für sie keine andere Bedeutung, als die eines Clowns. Und er dachte daran, daß er Jacqueline von Arabin vor Jahren auch „schöne Cousine" genannt hatte — und nun saß sie oben in irgend einem niedrigen Zimmer mit ausrangirten, unmodern gewordenen Möbeln und abgetretenen Teppichen und las den Kindern Geschichten vor oder spielte mit ihnen. Sie — und die Stellung eines „Berliner Fräulein", die nicht das bessere Ansehen einer Lehrerin genoß und nicht von den Hausmädchen als über ihnen stehend betrachtet wurde. Er kannte diese Wesen, die Morgens und Mittags vor den Pensionaten erscheinen, die kleinen und großen Schülerinnen zu bringen und zu holen, die in den Corridoren der eleganten Wohnungen schattenhaft auftauchen unb verschwinben. Die meisten blaß unb traurig unter ben sehr selten angenehmen Verhältnissen sich ber aus besseren Tagen baheim erinnernb. War mal eine hübsche unter ihnen, so ging bie nicht allzu lange bie Schulwege — bafür sorgten bte Gelegenheiten ber Großstabt, mit „Vorurtheilen zu brechen, um es besser zu haben."
Unb Jacqueline? — wenn bte stolze, kleine, skeptische Hausfrau wüßte, baß er auch zu jener unb zwar noch mit ganz anberer Betonung „schöne Cousine" gesagt — nein, sie hatte Recht — für ihn mußte sie auch sein, was sie für bie Anberen war — bas Fräulein! Ein Collectivbegriff!
* * *
Seit Line Arabin bas Mansardenzimmer bewohnte, hatte Frau Ebba Lund dasselbe heute zum ersten Male betreten. Ein Staunen, bann ein Jubeln hatte bas bei ben Kinbern hervorgerufen - sie saß jetzt in einem Schaukelstuhl. Lonny war sofort nach einem Fußpolster gelaufen, auf bem noch ein halbes, perlengesticktes Wappen sichtbar war, unb Henny hatte ein Kissen für ben Rücken herbeigeschleppt, damit bie gute, schöne Mama es bequem habe.
Lächelnd ließ die blonde Frau die kindliche Fürsorge über sich ergehen, sie dehnte die geschmeidigen Glieder ein wenig, sandte bte Blicke bnrch ben Raum unb sagte bann: Sie gewöhnen bie Kinber an Aufmerksamkeiten, Fräulein — das ist recht, bas habe ich gern — unb bas spricht von eigener, guter Erziehung."
Vorhin, auf bem letzten Absatz ber Treppe war thr bte Fischern entgegengetreten.
„Na, Frau Ebbachen," unter vier Augen erlaubte sie sich bas Kosewort aus vergangener Zeit noch, „bas ist gut, baß Sie mal raufkommen unb selber nachsehen. Gott, bte armen Kinber, unb bie hochmüthige Person! Immer Bücher unb lehrreiche Geschichten unb ganz wohlerzogen ans den Stühlen sitzen unb sich gar nicht balgen unb rumwälzen sollen. Kinber müssen unartig sein, bas gehört mit dazu. Wenn ich baran denke, wie mein Ebbachen gleich schrie, wenn es nicht seinen Willen bekam."
Unb wie sie jetzt ba saß, bte kleinen Fuße auf bem Borstrickschen Wappen, bas Hennys emsige Fingerchen, Perle um Perle herausholenb, früher unter ber Alles bulbenben Obhut bir Fischern zerstört hatten — lächelte sie gutrnüthig. Sie war zufrieben, sie hatte etwas, bas ihre Gedanken beschäftigte. ,
Drüben von ber Wand bückte etn Ahnherr des


