Ausgabe 
9.6.1898
 
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Das Fräulein.

Roman von E. Vely.

(Schluß.)

Ebbas Arme hingen schlaff am Körper herunter.

Du weißt es ja, warum ich hierher gekommen bin," sagte sie, als habe das kurze Zwiegespräch der Anderen nicht stattgefunden,aber ich kann es ebenso gut noch einmal aussprechen: Ich kam, weil ich dem Doctor sagen wollte: ich habe Dich lieb, ich will Alles Deinethalben verlassen. Er aber sieh, er hat eine Andere lieb. Und so ist es eben ein Mißverständniß gewesen."

Der schöne Mund zog sich zusammen, dann schloß er sich fest.

Aber Ebba," sagte der Consul, so ruhig wie zuvor, wozu all diese Erörterungen? Ich verlange sie gar nicht von Dir wir können über die ganze Sache hinweggehen" zur Tagesordnung"; diese herkömmliche Redensart wollte ihm wirklich dazwischengleiten.Ich werde Dir niemals Vorwürfe machen."

Vorwürfe?" sie schien zu wachsen.

Du könntest das ja nicht durch Dich bin ich so geworden durch Dich!"

So hatte er sie doch noch nicht gesehen; für ihn lag ein Charme in dem sonderbaren Benehmen.

Das ist nun mal der Gang der Dinge in der Ehe. Man muß Nachsicht üben, auch einmal mit den Launen und plötzlichen Capriccn einer Frau"

Donnerstag den 9. Juni.

1898.

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ls ich ini Thau die Rose brach, i Schien auch ihr Duft dahin;

Nun quillt er wieder allgemach

Und träumend athiw ich ihn.

Und immer trunk'ner strömt vermehrt

Ihr herrlicher Geruch, Als weile, ihr zurückgekehrt, Die Seele zu Besuch.

Was wohlig nur der Sinn empfand,

Dringt als ein Hauch zur Brust, Wie uns eilt Glück erst, da es schwand, Vollkommen wird bewußt. Martin Greif.

Sie verschränkte die Arme über der Brust, als decke sie eine Leere in derselben zu.

Ich wollte besser werden, gut das ist mißlungen."

Mein armes, armes Kind!" rief Frau Anna schmerz­erfüllt.

Sie sind sehr gütig, gnädige Frau," sagte der Consul, aber ein Roman, der nicht über die Capitelüberfchrifr hinausgeht, der hat noch keine Gefahr für den Leser. Wenn ich auch gestehen muß, daß die plötzliche romantische Anwandlung meiner kleinen Frau mich was ich nicht gedacht hätte eifersüchtig gemacht hat. Bonne cliance, Ebba! Vielleicht gelange ich noch zur Liebe!

Nein!" sagte sie kurz.

Er bot ihr, mit stummer Verbeugung gegen die Matrone, den Arm; sie legte ihre Hand hinein und schritt mit ihm hinaus. Da war noch das Gesicht der Kubaitz, die kleine, knixende Gestalt, und hinter der anderen Thür rief Bruno Line Arabin ins Leben zurück, in eines voller Liebe und Wärme, eines, wie sie es nie gekannt.

Da stand Walther, so unterwürsig wie immer am Wagenschlag das waren die gewohnten Kissen, auf denen man besser saß, wie in einer Droschke.

Der Consul gab den Befehl, erst noch einen Umweg durch den Thiergarten zu machen.

Warum? Ah, die gute Luft, die kühlte ab, möglicher Weise war es ihm doch warm geworden bei seiner äußerlichen Kühle.

Ja, nun rollte der Wagen dahin. Ja, das Leben! ein langes, langes Leben! Wie bequem der Wagen war sie hatte in eine Droschke steigen wollen, die so langsam dahin trottete.

Mit diesem Manne mußte sie nun weiter dieReise fort­setzen sie konnte auch lang werden.

Daß er nicht sprach, empfand sie wie eine Wohlthat.

Lichter, Häuser, Bäume da oben über den Damm rollte ein Eisenbahnzug; ob die Leute wohl noch Erwartung kannten, die er dahin führte? In ihrem Leben war keine mehr wohl einzelne Stationen, die ein bischen von einander abwichen, aber stets das Weitergleiten von einem Tage zum anderen.

Es kam vor, daß sich Menschen vor solch einen rollenden Zug warfen, dann stand die Lebensmaschine Plötzlich still.

Sonderbar, daß Line Arabin das auch gewollt hatte; es müßte übrigens ein häßlicher Tod sein das Krachen, Quetschen; Umherspritzen des rothen, lebenswarmen Blutes. Bah ihr Blut war kalt sie hieß die kühle Frau Ebba.