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Es ist Sonntag. Zunächst wird das Vieh gefüttert, dann stellt man das Mittagsbrot auf den Herd und legt ein mäßiges Feuer darunter. Während es nun sich selbst qar kocht, eilt Alles in die kleine Halligkirche. Diese hat keinen Thurm, und sie ist nur wenig größer und höher als eines der Hallighäuser. Eine Glocke ruft die Kirchenbesucher zusammen. Im besten Sonntagsstaat eilt Alles herbei. Bei der kleinen Kirche liegt der ebenfalls nur kleine Friedhof. Treten wir in eine solche Kirche hinein. Statt eines Kron- leuchters hängt das Modell eines vollständig aufgetakelten Schiffes darin. Der Halligprediger, der zugleich auch Küster und Lehrer ist, leitet den Kirchengesang. Es soll auch vor- kommen, daß seine Frau ihm dieses Amt abnimmt. Auf. merksamere Zuhörer als der Halligprediger hat wohl selten ein anderer Geistlicher. Auffallend ist auch das eingehende Verständniß, das die schlichten Halligbewohner für geistliche Sachen besitzen. Die Witwen erheben während des ganzen Gottesdienstes ihr verschleiertes Haupt nicht von der Lehne die sich vor ihrem Kirchensitz befindet. Ist der Gottesdienst beendet, dann legt man den Kirchenstaat ab und zieht sich die «onntagskleidung an. Darauf holt man seine Erbauungs­bücher herbei, um in diesen zu lesen.

Befindet sich eine Leiche auf der Hallig, so herrscht Landestrauer. Es werden dann nicht weniger als acht Choräle ganz oder theilweise gesungen. Alle Bewohner erscheinen in Trauerkleidern. Man flaggt Halbstock. Dasselbe thun auch die Schiffe, die bei der Hallig liegen. Bei dem Tode eines wohlhabenden Gemeindemitgliedes schenkt man der Kirche gern eine für den Altar bestimmte Wachskerze im Werthe von 18 bis 20 Mark. An diesem ist eine umflorte Tafel, die uns den Namen und Todestag des Verstorbenen nennt.

Auch bei den Verlobungen und Hochzeiten herrschen besondere Gebräuche. Es pflegt dieselben Gerichte zu geben wie bei Tauf- und Begräbnißfeierlichkeiten, Rosinenpudding,

Anschaffung der nothwendigen Bedürfnisartikel angelegt. Vor Eintritt des Winters muß man sich auf den Halligen genügend verproviantirt haben,- denn im Winter kann man meistens nicht von der, Hallig fortkommen.

Kommt der Winter, so stellen auch bald Eis und Schnee sich ein. Das Eis umsäumt die Hallig. Es wird höher n? A r"? bort A es Risse. Hier sammeln stch die Wasservogel in großer Zahl, denen die Fische zur Nahrung dienen. Aus diesen Rissen steigt oftmals Nebel hervor, in welchem Alles ganz anders erscheint als es ist Daher stammt denn die Redensart: Er macht sich groß wie eine Krähe im Nebel. Oftmals sehen die auf dem Eise herumspazierenden Seevögel wie Menschen aus. Dieses giebt mehrfach zu Verwechslungen und Jrrthümern Anlaß.

Viel Eis sieht der Halligbewohner nicht gern, desto °ber große Schneemassen. Der Schnee ist ihm un­entbehrlich. Wenn er aufthaut, so füllt er die Wasserwerke auf den Halligen mit Trinkwasser, befeuchtet das Land er­frischt das mit Seewaffer getränkte Land u. s. w. So können wir es denn verstehen, wenn der Halligmann sagt: ,,Em großer Schneeberg bringt große Heudiemen." Wenn die Hallig mit Schnee bedeckt ist, dann lagert auch auf dem Else rings umher der Schnee, so daß man nicht mehr sehen kann, wo die Grenzen der Halligen sind. DieButen­arbeiten sind beschafft, nur im Hause hat man zu thun. Dort leben jetzt auch die Haussiere mit den Menschen zusammen unter einem Dache. Sie bedürfen und empfangen ganz besondere Pflege. In den übrigen Stunden ruhen aber die Hande der fleißigen Bewohner nicht. Sie spinnen, tricken, weben, mit einem Worte: verarbeiten die Wolle ihrer Schafe. Die Männer verfertigen Fischernetze und andere Sachen. Am Abend macht man sich gegenseitig Be- fiche- Man nennt solchedas Aufsitzen". Fleißig regen ich bei diesen die Hände. Dabei lauscht das Ohr auf Er- zahlungen, Märchen und Sagen, die zugleich mit größter Bereitwilligkeit vorgetragen werden.

Flucht man Jw Sommer eine Hallig, so bekommt man JA gliche Personen und Knaben zu sehen- denn die Manner sind fast alle biS auf wenige alte und kränkliche ftPt8QULb^a?T , ®<S?d6e Zement, das sie zum Kampfe K ? S°rbert/ ba§ m wenigen Minuten ihre ganze Habe ver chlmgen kann, muß ihnen zum Acker werden, den

Ei r,8 durchpflügt. Das Brot, das ihnen

die kleine he.mathliche Scholle nicht liefert: auf dem Wasser muffen es die Männer verdienen. So bleibt es denn den ^auen ub-rlassen, außer der gewöhnlichen Hausarbeit auch dse Feldarbeit zu beschicken. Die Feldarbeit besteht haupt- sachlich m der Heuernte, der Bereitung des Feuerungs­materials und der Schafschur.

Die Heuernte muß so schnell als möglich beschafft werden, Af'TS' ^bar (die See) das abgemähte ®rMaS "" sich ins Weite führt. Ist das Gras abgemäht, bann ist es von der Sonne auch gar bald getrocknet. Jetzt A en das Einernten. Pferde sind ja nicht auf der V l0.' <. ®te ..Irauen, Mädchen, ältere Männer und selbst die Kinder müssen Pferdedienste verrichten. Munter kommen sie von der Werfte herunter. Alle tragen ein schneeweißes Bettuch unter dem Arm. Dort soll ein Graben überschritten werden, über den ein mit der Kante nach oben gerichteter Balken gelegt ist. Behende schreiten Alle darüber hin, das junge Volk sogar hüpfend. Auf dem Platze angekommen, wird das Laken ausgebreitet. Im Nu ist es mit Heu vollgepackt und treuzweise an den vier Zipfeln zusammengebunden. Jetzt schwingt jebe Person ihre Last auf den Kopf, stemmt die Arme in dre Serie, und behende, wie man herbei kam, eilt man dem Hause zu. Vor der Hausthür, wo sich in dem S??x 6 m befindet, wird die Last abgeladen, und

alsbald eilt Alles wieder hin, neue Bürde herbeizuholen. Am Spätnachmittage und Abend wird dann der Heuberq, der sich hier ansammelte, nach und nach in das Haus qe- raSi'x uttbrätoar durch die Luke hindurch. Ist alles Heu glücklich geborgen, dann ist die Ernte beschafft, und der Halligbewohner ist glücklich. Oftmals schwemmt die Fluth aber einen Theil des Heues fort, und dann sieht es für die Bewohner traurig genug aus. Schließlich'bemerke ich hierzu noch, daß die Heuernte für die genügsamen Bewohner unserer Eilande eine rechte Festzeit ist.

Die Gewinnung des Brennmaterials ist auch keine so einfache Sache- denn Holz und.Torf giebt es auf der Hallig nicht. Woher denn die Feuerung? Die Schafe, die den Halligbewohnern Milch, Butter und Käse, alles nothwendige Zugaben zu dem Thee, geben, müssen auch die Feuerung liefern, an der man das Theewaffer kocht. Zu dem Ende «nberr Dünger gesammelt, in große Gruben geworfen, mit Wasser zu einem Brei gerührt, mit Heu und Stroh durchsetzt, in kleine, dem Torf ähnliche Fladen geformt, dann an Mauern, Wälle (um den kleinen Garten) oder an den Abhang der Werfte geworfen und von der Sonne getrocknet. Sie geben dann eine leichte, wenig Wärme bringende Feue­rung, mit welcher der Halligmann seine Speise bereiten lassen, seinen Ofen im Winter heizen lassen muß.

Das Schaf ist überhaupt auf den Halligen ein ganz und gar unentbehrliches Thier. Es giebt den Bewohnern seine Milch, aus welcher ganz besonders gute Butter und ein weit und breit geschätzter Käse bereitet wird. Durch sein Fleisch ernährt es seinen Herrn. Selbst der Dünger ist, wie wir eben gesehen haben, dem Halligbewohner un­entbehrlich. Die Wolle verkauft man auf dem Festlande u:? aus dem Reste werden mit großem Geschicke viele Wollsachen angefertigt. Der Erlös wird dann für die

Die schleswigschen Halligen und das Leben ans denselben.

Von P. Afidresen in Rabenholz, Schleswig.

(Schluß.)