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Und noch öfter — und darum habe ich Sie Wiedersehen wollen."
Er stand auf. „Ihr Wunsch ist erfüllt, gnädigste Frau! Der Bär hat sich ziemlich ungelenk in nächster Nähe beim Tanz erwiesen — der Gewaltsmensch wird nun geh'n können, um hinterher aus Ihrem Gedächtniß getilgt zu werden."
„Nein, bitte, noch nicht."
Er nahm gehorsam seinen Sitz wieder ein. (Fortsetzung folgt.)
Eine Walrotzjagd Nansens?)
Aus dem Supplemeut zu Nansen: „In Nacht und Eis", geb. 10 Mk. (Mit Genehmigung der Verlagshandlung von F. A. Brockhaus in Leipzig.)
Es war Ende August 1895, der Winter stand vor der Thür, und noch immer waren wir über dieses Land so klug wie zuvor.
Wir mußten uns zur Ueberwinterung vorbereiten, es blieb uns nichts anderes übrig. Wohl hatten wir eine schwache Hoffnung gehabt, weiter nach Süden vorzudringen, bevor wir uns zum Ueberwintern genöthigt sähen- falls wir auf Franz-Joseph-Land waren, mußten wir dort im Süden die Stelle finden, wo Leigh Smith überwintert hatte. Wir sprachen darüber, und verlockend schwebte uns die Stelle tior; aber das Fahrwasser war durch Eis gesperrt, und die Vernunft sagte uns, daß die Zeit, die uns noch vor dem Winter blieb, nur gerade ausreichte, eine Hütte zu bauen und uns Lebensmittel und Brennmaterial zu verschaffen.
So schickten wir uns darein und begannen, uns so gut wir konnten einzurichten. Unter diesen Umständen schien es uns auch, als wäre es das Beste, nach all den Anstrengungen des Vordringens im Treibeise in einer ordentlichen' Hütte ausruhen zu können.
Man wird vielleicht glauben, daß wir an diese Ueber- winternng nur voll Verzweiflung und voll düsterer Gedanken gingen. Dem war jedoch nicht so, selbst wenn die Arbeit an der Hütte manchmal ruhte und wir den Blick sehnsüchtig über das Eis nach dem Meere im Süden schickten, nach unserer Heimath, die wir dieses Jahr nicht mehr erreichen sollten. Hoffnung hatten wir stets, um so mehr, da wir sahen, wie gut es sich anließ, nur von Bärenfleisch zu leben. Aber wir lernten, daß Geduld dazu gehörte. Die ganze Reise war von Anfang bis zu Ende eine Schule dieser Tugend.
Wie vorher erwähnt, hatten wir im Laufe einer Nacht eine Steinhütte erbaut. Diese nannten wir die „Höhle", und ein elendes Loch war es auch- sie war so niedrig, daß ich darin nur eben sitzen konnte, Nansen aber liegen mußte. Das Zelt und die Segel bildeten das Dach- später bekamen wir dazu Bärenfelle, aber da hatten wir auf dem Dache auch beständig Besuch von Möven, die hackten und schrien und uns fürchterlich ärgerten. In dieser Höhle wohnten wir einen Monat, solange wir an der eigentlichen Winterhütte bauten und des Wintervorraths wegen ans die Jagd gingen.
Am 28. August beschlossen wir, Walrosse zu schießen. Aus dem Eise tocy; jetzt jedoch keins zu sehen, .wir mußten
*) In diesem Bande, der eine sehr erwünschte Ergänzung von Nansens Werk bildet, berichten zwei Begleiter Nansens mit ebensoviel Freimuth als Geschick über ihre interessanten Erlebnisse auf der denkwürdigen Polarexpedition Nansens. Nordahl, der Eleetriker an Bord, behandelt in seiner Erzählung. „Wir Framleute" die ganze Fahrt des Schiffes durch das unbekannte Polareis. Lieutenant Johansen giebt in seinem Berichte „Nansen und ich auf 86» 14"' eine ebenso spannende wie anschauliche Darstellung der Erlebnisse auf der kühnen Schlittenreise, die er mit Nansen allein unternahm und auf welcher die beiden dem Tode mehr als einmal ins Auge schauten. Jeder Leser von Nansens eigenem Bericht wird dem dritten Band mit derselben Spannung wie das Hauptwerk zu Ende lesen. Die Ausstattung mit Abbildungen und Chromotafeln ist ebenso reich als die des Hauptwerkes, von welchem kürzlich eine neue revidirte Ausgabe erschienen ist.
also auf das Wasser hinaus. Bevor wir dahin kamen, erblickten wir zwei Bären, eine Bärin, mit einem Jungen, die am Rande des Eises entlang auf das Land zugingen. Wir nahmen die Flinten und gingen ihnen entgegen, doch als sie ans Ufer kamen, folgten sie diesem den Fjord einwärts nnd den Abhang hinauf. Wir liefen ihnen im Dauerlaufe nach und versteckten uns hinter einem Eisrücken. Die Entfernung war ziemlich groß, aber ich hatte doch das Glück, die Bärin so in die Seite zu treffen, daß die Kugel durch den Brustkorb ging und an der andern Seite wieder herauskam. Sie brüllte wie gewöhnlich, biß nach der Wunde, taumelte ein paar Schritte weiter und stürzte dann hin.
Das Junge konnte nicht begreifen, was der Mutter einfiel, daß sie sich hier hinlegte. Als es uns erblickte, eilte es den Abhang hinauf, kehrte aber gleich wieder zurück und legte den Kopf auf den Hals der Mutter, wobei es uns herausfordernd ansah. Nansen gab ihm eine Schrotladung in den Kopf, worauf es auf der Mutter zusammenbrach. Wir häuteten beide ab, ließen sie dort oben und breiteten der Möven wegen die Felle über das Fleisch.
Nun zogen wir mit verbundenen Kajaks aus, um ein Walroß zu erbeuten, deren draußen im offenen Wasser genug vorhanden waren. Bald hatten wir eins in Schußweite, und Nansen sandte ihm eine Kugel zu. Es überschlug sich und tauchte unter die Kajaks, während das Wasser wirbelte und wir ans Leibeskräften ruderten, damit die langen Zähne uns nicht das Segeltuch aufschlitzten. Eine Weile danach sahen wir es, anscheinend ganz gesund, wieder. Wir gaben ihm nun jeder zwei bis drei Schüsse in den Kopf- es wandte uns beständig das Maul zu, sodaß wir ihm keinen ordentlichen Schuß von der Seite beibringen konnten, doch verlor es viel Blut. Dabei ging Nansen, als er das Gewehr hin- legen und nach den Radern greifen wollte, unversehens ein Schuß los, die Kugel durchbohrte das Deck und das Vorder- theil, glücklicherweise über der Wasserlinie.
Das Walroß tauchte und kam wieder und bekam noch mehrere Schüsse- es athmete immer schwerer, seine Augen wurden matter, und das Wasser färbte sich roth. Eine letzte tödtliche Kugel blies ihm das Lebenslicht aus, dann aber sank es, ehe Nansen Zeit hatte, ihm die Harpune in den Leib zu stoßen. Wir ärgerten uns sehr darüber, daß wir ganz unnütz soviel Munition verschwendet hatten, und ruderten verdrießlich ans Land.
Etwas später erschienen im Fjord eine kleine Strecke von uns zwei Walrosse auf der Eiskante. Wir ließen sie sich eine Weile amüsiren, während wir das Fleisch der beiden geschossenen Bären holten- dann gingen wir vorsichtig wie Indianer- einer in den Spuren des andern, auf sie los. Wir hatten weit über das ebene Eis zu gehen- die Walrosse wandten sich bisweilen um, wir standen dann so lange unbeweglich still und kamen unbemerkt ganz dicht an sie heran. Nansen schoß zuerst fcuf das ihm zunächstliegende, welches von diesem einen Schüsse auf der Stelle getödtet wurde. Das andere fuhr aus seinem Schlafe empor, erhielt aber in demselben Augenblick meine Kugel in den weitvorgestreckten Kopf und Nansens nächsten'Schuß ebenfalls. Es war ein Koloß von einem Walrosse - das Blut strömte ihm ans Nase nnd Maul und spritzte weit umher, als das Thier die großen Zähne in das Eis bohrte und wieder ins Wasser zurück wollte. Die dritte Kugel traf endlich an der rechten Stelle, und die unförmliche Fleischmasse blieb regungslos liegen.
Nun waren wir obenauf- mit vier Patronen hatten wir zwei Stück bekommen, aber die schwerste Arbeit, das Abziehen, stand uns noch bevor. Wir holten unsere Schlitten, um sie darauf zu transportiren: Nansen meinte, wir sollten die Kajaks auch mitnehmen, und zum Glück thaten wir es.
Bevor wir mit dem Abziehen anfingen, begann ein ziemlich starker Südost zu wehen. Der Wind nahm schnell an Heftigkeit zu, sodaß wir fürchteten, das Eis, auf dem wir standen, könnte loSgerissen und wir mit unserer Beute


