Ausgabe 
6.3.1898
 
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sorgende Hausfrau - wir milff en hier mit der Wirtschafterin fürlieb nehmen."

Wer weiß, wie lange noch!" entgegnete Göbener und bemühte sich, seinem Gesicht einen besorgten Ausdruck zu geben, löffelte dabei aber eifrig die Geflügelsuppe aus und liebäugelte mit dem goldhell funkelnden Rheinwein, mit welchem der Amtsrath sein Glas soeben gefüllt hatte. Meine Frau hat sich von ihrer schweren Krankheit nie ganz wieder erholen können und ich fürchte"

Ei, fürchten Sie nichts, sondern hoffen Sie," unter­brach ihn der Amtsrath, der nichts von Krnnkeit und Todesbefürchtungen hören mochte,trinken wir auf ihre Gesundheit und langes Leben."

Er hielt dem Amtmann sein Glas hin; dieser that ihm Bescheid, fügte aber sogleich hinzu:

Auf Fräulein Metas Gesundheit und Wiederherstellung, sowie auf eine glückliche Reise!"

Das junge Mädchen stieß mit ihm an, schaute jedoch gleichzeitig recht betroffen auf den Vater, der unruhig auf seinem Stuhl hin- und herrückte, und sagte:Sie wünschen mir glückliche Reise, Herr Amtmann? Ich habe ja gar nicht die Absicht, Waldhof zu verlassen."

Göbener schlug sich auf den Mund und sagte anscheinend sehr betreten:

Ach, habe ich da vorzeitig etwas ausgeschwatzt?"

Nicht eigentlich," erklärte der Amtsrath etwas hastig, es ist schon länger die Rede davon, daß Meta während des Winters nach dem Süden soll, sie sträubt sich nur da­gegen, will mich nicht allein lassen. Heute ist aber endgiltig darüber bestimmt worden."

Ah, kann mir schon denken- der Arzt war hier, bin ihm ja unterwegs begegnet, der schickt das Fräulein fort. Machen die Herren Aerzte gern so, wenn sie mit ihren Patienten nichts mehr anzusangen wissen oder wenn sie nicht eingestehen wollen, daß sie genesen sind," bemerkte der Amtmann lauernd und nahm gleichzeitig eine recht ansehn­liche Portion von dem blaugesottenen Karpfen, welchen der Diener ihm anbot.

Sie irren, Herr Amtmann!" rief Meta eifrig und bedeutete durch eine Handbewegung den Diener, daß sie von dieser Schüssel nicht essen wolle.Doctor Holten schickt mich nicht fort."

Doch, Meta," versetzte der Amtsrath nachdrücklich, ich habe mich vorher mit ihm darüber verständigt- Du wirst abreisen, sobald Elisabeth Wenzel, an die ich bereits geschrieben habe, im Stande ist, Dich zu begleiten. Ihre Schwester, Frau Münter, habe ich ersucht, während Deiner Abwesenheit in Waldhof zu wohnen und mir Gesellschaft zu leisten, Du brauchst also nicht zu fürchten, daß ich einsam bin."

(Fortsetzung folgt.)

Hhgieine im Winter.*)

Es ist leichter Krankheiten zu verhüten, Als Krankheiten zu heilen.

------- (Nachdruck verboten.)

Wer sich seine Gesundheit erhalten will, muß wissen, wie er die Einflüsse fern hält, welche geeignet sind, dieselbe zu zerstören, denn Krankheiten entstehen nur durch auf den Körper einwirkende, schädliche Ursachen, die nach Grad und Character sehr verschieden sein können und zugleich dadurch, daß der Körper für dieselben empfänglich ist. In keiner Zeit ist aber der Mensch zu Krankheiten mehr disponirt als im Winter, weil die Temperaturgegensätze, der Wechsel von der Wärme in die Kälte und umgekehrt, zu schroff und un­

*) DerPractische Wegweiser", Würzburg, dem wir diesen Artikel entnehmen, sendet auf Verlangen Probe-Nummern kostenlos an Jedermann.

vermittelt ist. Deshalb sind besonders Nasencotarrhe und Brustkrankheiten an der Tagesordnung, und die Redensart vonErkältung" als einzige Ursache ist überall die gleiche, obwohl sie nicht immer zutrifft. In der Vermittlung und dem Ausgleiche der Temperaturgegensätze liegt der richtige Weg zur Vorbeuge gegen die verschiedenen Winterkrankheiten. Gegen die Kälte schützen wir uns durch wärmere Kleidung und durch Bewegung im Freien. Sobald wir aber das ge­heizte Zimmer betreten und längere Zeit darin verweilen, wird die warme Kleidung zum Verhängniß, wenn sie nicht abgelegt wird, denn die Körperwärme steigert sich und der darauffolgende Gang ins Freie bringt die Erkältung mit sich. Vielfach schuld daran ist aber die oft sehr hohe und trockene Zimmerwärme. Die Redensart:Lieber erstickt, als er­froren", scheint bei Vielen sich bewahrheiten zu sollen. Aengstlich wird jede Ritze am Fenster verkittet und der Ofen glüht Tag und Nacht, so daß 2025 °R gerade keine Seltenheit sind. Von welcher Beschaffenheit die Luft in einem solchen Raume ist, kann man sich denken, wenn man überlegt, daß der Mensch stündlich ungefähr 200 Liter Kohlensäure ausathmet und circa 215 Liter Sauerstoff consumirt.

Oft aber verbrauchen mehrere Personen den Sauerstoff­gehalt des Lauftraumes in einem Zimmer, mit dem ein Er­wachsener kaum genügend für einige Stunden ausreichen kann. Es muß also die ausaeathmete Kohlensäure wieder­holt die Lunge passtren und da nicht sämmtliche Luft aus der Lunge ausgeschieden wird, sondern immer eine gewiffe Menge rückständig bleibt (Residualluft), so wird diese allmälig sehr schlecht und wirkt nachtheilig auf die Lunge, das Blut und den ganzen Körper. Der beste Beweis ist die Stuben­farbe, das gelbliche, bleiche Gesicht der Stubenhocker.

Wie zutreffend dies ist, beweist folgender Fall, den Prof. Dr. Jäger als Director des Thiergartens in Wien erlebte: Im ersten Winter wurde das große Haus für die südländischen Vögel durch Fenstereinsatz von der äußeren Luft abgeschlossen und geheizt. Der Erfolg war, daß fast die Hälfte seiner Insassen crepirte und der Befund der Leichenöffnung war in den meisten Fällen Schimmelbildung auf der Oberfläche der Lunge und in den, den Vögeln eigen* thümlichen, mit der Lunge in Verbindung stehenden Luft­kammern des Körpers. Nun: jede Hausfrau weiß von den Speisen, daß Schimmelbildung auf diesen außerordentlich begünstigt wird, wenn man sie in abgeschlossene Räume, in Kisten, Kästen und Schubladen einsperrt, während sie viel leichter und länger schimmelfrei bleiben, wenn man sie der freien Lust aussetzt Diesen Vergleich machte Prof. Jäger damals sofort, und im darauffolgenden Winter blieb an dem Vogel­haus die Verglasung weg, so daß ganz wie bei den Freiliegeluft­kurhallen in den Heilstätten für Lungenkranke die vordere Wand der Käfigräume gegen die freie Luft offen war. Statt zu heizen, wurde reichlicher gefüttert und der Erfolg war, daß die Sterblichkeit in dem Vogelhaus eine kaum nennens- werthe war.

Die Menschen gleichen den Brodlaiben- wenn man sie in die Schublade steckt, so verschimmeln sie, und die Tuber- culose ist nur eine besondere Form dieser Verschimmelung, gesund bleiben sie nur in freier Luft.

Wir können daraus ersehen, daß frische Luft viel noth- wendiger zur Erhaltung der Gesundheit ist, als Wärme, und es ist deshalb eine unerläßliche Nothwendigkeit, unsere Wohnung täglich zu lüften. Je öfter wir dies thun, desto besser wird es sein. Einige Minuten genügen, um einem mittelgroßen Zimmer genug frische Luft zuzuführen, und reine Luft erwärmt sich auch viel schneller als die ver­brauchte. Je mehr wir Heizen und je mehr sich Menschen im Zimmer aufhalten, desto öfter muß die Luft erneuert werden. Zweckentsprechender ist freilich eine ständige Venti­lation, welche die permanente Lufterneuerung gestattet.

Dadurch würde gleichfals hohe Zimmerwärme vermieden, die im Allgemeinen 15° + R nicht übersteigen soll. Neben