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Beim Anblick "des Amtmannes malte sich eine unangenehme Ueberraschung auf dem lieblichen Gesichte des junge* Mädchens, das feine Rosa ihre Wangen verwandelte sich i* ein dunkleres Roth, das schnell wieder einer tiefen Blafft Platz machte, die schimmernden Augen schienen tote durch einen plötzlich aufsteigenden Nebel verhüllt.
Meta hatte sich seit Stunden in einer großen Aufregung befunden. Sie hatte gehofft, Stephan Holten nach ferner Unterredung mit dem Vater noch zu sprechen und es erschien ihr gar kein gutes Zeichen, daß er fortgefahren war, ohne sie ausgesucht zu haben, und der Amtsrath wieder tn sein Zimmer gegangen war, wo sie ihn nicht stören burftt. Sie hatte sich im Garten an den Blumen zu schaffen gemacht und spähende, sehnsüchtige Blicke zu seinen Fenstern emporgerichtet. Als auch das nichts geholfen, hatte sie sich ei* Herz gefaßt und war zu ihm gegangen, denn es schten ihr ganz unmöglich, bis zum Mittagessen zu warten.
Ein ganz leises Lächeln, das ein klein wenig schadenfroh war, glitt über des Amtsraths Züge, als er seine Tochter so betreten in der Thür stehen und auf den unerwartete« Gast schauen sah; Göbener eilte ihr entgegen, ergriff mit seinen plumpen Fäusten ihre schmalen, zarten Kinderhände und schüttelte sie so derb, daß die Rosen zu Bode« fielen. Er hob sie schnell auf und sagte, sich mit dem Rucke* der Hand über die Augen fahrend, als müsse er eine Thrane
nichts kommen." , „ , . ,,
Es will ja auch Niemand etwas auf sie bringen, lachte"der Amtsrath. Das war nun wieder der alte Göbener, wie er leibte und lebte. Es war nicht unbekannt in der Umgegend, welche Stütze die kränkelnde Frau Göbener an dem jungen Mädchen hatte, und nun stellte er die Sache so hin, als würden ihr Wohlthaten durch hn erwiesen.
Meine Frau wollte Anna schon herüber schicken, damit sie Fräulein Meta einmal be uchte, aber das Mädchen ist so schüchtern. Na, sie ist freilich kein Verkehr für Ihre Tochter, sehr einfach und wenig gebildet."
„Sie hat Meta sehr gefallen, sie begann der Amtsrath, brach aber plötzlich ab und setzte den Satz tote I unschwer zu erkennen, anders fort, als es zuerst feine Ab- | ficht gewesen war: „Sie wird freilich vor der Abreise | wenig Besuche mehr empfangen können."
„Auch Adolf nicht?" fragte Göbener," der arme Junge | würde es schwer überwinden, wenn er nicht Abschied von i ihr nehmen dürfte. Er hat sich während der Krankheit I sehr um sie geängstigt und ist, obwohl er Stephan Holten sonst gar nicht leiden mag, fast täglich zu ihm gelaufen, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen/
Da sparte er freilich den Weg zu uns, sagte der Awtsrath und konnte es nicht verhindern, daß sein Ton eine leichte Gereiztheit verrieth, um dies zu verwischen, fügte er freundlicher, als dies eigentlich sem Wille war, hinzu: „Wenn seine Zeit es erlaubt, so bitte ich ihn, zu kommen, Meta wird ihn gewiß gern sehen."
„Er kommt, er kommt, verlassen Sie sich darauf, Herr Amtsrath," versicherte Göbener, „der arme Junge hat wirklich schwer zu arbeiten. Hat's freilich nicht anders haben wollen. Wäre er Landwirth geworden, konnte ich jetzt das Gut abgeben."
„Es bringt ja nichts mehr ein," neckte der Amtsrath.
„Na, wenn Sie und ich nachgeholfen hätten," begann Göbener mit einem listigen Seitenblick, der Amtsrath fiel
ihm jedoch in die Rede:
„Lassen wir das, geschehene Dinge find nicht zu andern.
Adolf wird auch so seinen Weg machen."
„Das wird er, das wird er," stimmte Göbener zu. „Es kann gar nicht mehr lange währen, daß er eine feste Anstellung erhält, dann kann er daran denken, sich den eigenen Herd zu bauen."
Der Amtsrath ward der Antwort auf diese für seinen Geschmack doch allzu handgreifliche Anspielung überhoben, denn die Thür öffnete sich und Meta steckte den Kopf mit den goldenen Löckchen zur Thür herein. Sie sah ungemein lieblich aus in dem Kleide von feinem hellgrünem Wollstoff, das sich eng an ihre zarten Formen schmiegte und am Halse durch einen schmalen, weißen Kragen, den eme kleine mit Türkisen und Perlen besetzte Broche zusammenhielt, abgeschlossen war. In der Hand hielt sie zwei dunkelrothe Rosen.
zu verbitten und glaubte, Ihnen diese Mittheilung doch '$Ut „Ich danke Ihnen," sagte der Amtsrath finster vor sich niederblickend. „Doctor Holten wird übrigens schwerlich Veranlassung haben, sobald wieder nach Waldhof zu kommen, ka ich die Abreise meiner Tochter möglichst beschleunigen
„Desto besser," grinste der Amtmann und Wenzel fUt,T Aie haben aber doch die Schwester des Doctors in Ihrem Hause. gute§/ fleißiges, bescheidenes Geschöpf, ganz die Mutter, sagt meine Frau, die diese in der Jugend gekannt hat, nicht die Spur von Vater und Bruder, erwiderte Göbener und schien ganz warm zu werden. „Sie »iebt sich wirklich Mühe, die Wohlthaten, die wir ihr erweisen, zu verdienen. Nein, nein, auf Anna lasten wir
wegwlschen^^^ @ie, liebeg Fräulein Meta, mein Ungeschick. Ach, "ich bin ja glücklich, Sie wiederzusehen und so frisch und munter. Wie wird sich meine Alte freuen, wenn ich ihr das erzähle, sie wäre gern selbst gekommen, aber sie ist gar nicht recht auf dem Posten. Adolf schicke ich m den nächsten Tagen- der Herr Amtsrath hat's erlaubt und ich denke doch, Sie sehen ihn auch gern."
Er zwinkerte bei diesen Worten mit den Augen und ließ ein leises Lachen hören. Meta ward blutroth, der Amtsrath zog die Stirn in Falten und sagte kurz :
„Gewiß, es hat ja für ihn nie einer besonderen Er- laubniß bedurft, nach Waldhof zu kommen. Aber Sie werden hungrig fein. Meta, der Herr Amtmann speist heute mit uns- willst Du zusehen, ob bald angerichtet werden kann?
Meta entfernte sich schneller, als es der Auftrag des i Vaters vielleicht nöthig erscheinen ließ, froh auf diese Weise, I wenn auch nur auf kurze Zeit, von den zudringlichen Freundschaftsbeweisen des Amtmanns befreit zu sem. | Letzterer wandte sich nun damit an den Amtsrath und war noch im vollsten Zuge, als der Diener erschien und die Herren ersuchte, in das Speisezimmer zu kommen.
| Göbener ergriff eilfertig Hut und Handschuhe und verließ mit dem Amtsrath, der ihm höflich den Vortritt ließ, | das Zimmer.
IX.
Fm Speisezimmer war der Tisch einfach, aber sauber und geschmackvoll für drei Personen gedeckt. Eine Schale | mit herrlichen Trauben, Pfirsichen, Birnen und Pflaumen, welche sämmtlich im Obstgarten und an den Spalieren m | Waldhof gezogen waren, bildete das Mittelstuck, duftende | Herbstblumen mit leuchtenden Farben standen rechts und links daneben. Fast gleichzeitig mit ^n beiden Herren trat Meta ein und in dem nächsten Augenblicke brachte auch der Diener schon die kräftig duftende Suppe.
„O, o," sagte Göbener, die Safet, mit den Blicken überfliegend, „wie schön das hier ist, eigentlich gejore ich hier gar nicht her, habe kem hochzeitliches Kleid an. Welch^prachtvolles Obst. Ja, solche Herrlichkeit haben wir in Rapshagen nicht." „
„Das kommt ja nur auf Sie an, Herr Amtmann, i mies Wenzel, die Schmeichelei, durch welche nur schlecht . Seh” ter'M ««., $u,M. „ItorW. N>« ®'= ' I «ul R-PShagm »was, MS uns l-id-i I-hll, tue


