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^etchthum, Macht und'Ehr' allein Werden oft zum Glück nichts nützen, Es ist klar: Zum Glücklichsein Muh man auch Talent besitzen.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
Er stand auf. Die Wendung, welche das Gespräch genommen hatte, war ihm nicht angenehm und er suchte es auf diese Weise abzuschneiden. Göbener schien jedoch nicht Lust zu haben, seinen Platz schon jetzt wieder zu räumen,- sich behaglich in seinen Stuhl zurücklehnend, antwortete er:
„Sie haben Recht, Herr Amtsrath, wenn ich Ihnen nicht g tr zu ungelegen komme, möchte ich mich bei Ihnen W einem Löffel Suppe zu Gaste bitten. Bin eigentlich gekommen, um einmal zuzusehen, wie es dem lieben Kinde, wollte sagen, Fräulein Meta ginge."
„Ganz leidlich, so gut, wie es nach einer so schweren Krankheit nur gehen kann, sie wird allerdings während der kälteren Jahreszeit ein südliches Klima aufsuchen müssen," sagte der Amtsrath, dem es ganz gelegen kam, auf diese Weise die Kunde von der bevorstehenden Abreise in die bekannten Kreise gelangen zu lassen.
Amtmann Göbener zog die Augenbrauen in die Höhe und horchte hoch auf. Die Mittheilung kam ihm überraschend.
„Freut mich, freut mich," sagte er, die Hände reibend, „fürchtete schon, es möchte nicht wieder gut stehen, da mir der Doctor Stephan Holten nicht weit von hier begegnet ist. Er kam doch wohl von Waldhos?"
„Allerdings," erwiderte der Amtsrath und konnte eine leichte Verlegenheit nicht verbergen. „Er macht noch ab und zu einen Besuch, obwohl meine Tochter völlia herae- stellt ist." y °
//Ja, ja, das können die Herren Aerzte nicht lassen, tch mußte nach der Krankheit meiner Frau es dem unserigen auch recht deutlich machen, daß wir ihn nun nicht mehr brauchten! Und nun gar die jungen, unbeschäftigten!" seufzte Göbener und wiegte bedächtig den dicken Kopf.
„Wie sind Sie nur dazu gekommen, den Stephan Holten zu nehmen? Habe mich immer darüber gewundert."
' //®6 war ein Zufall, und wir können demselben dankbar
i fein; er hat sich als sehr guter, sorgsamer Arzt bewährt," I entgegnete der AmtSrath ohne Zögern, obwohl es ihm nicht ■ 8Qn8 leicht ward, sich so anerkennend über Holten anszu- s sprechen.
| //Ein Glück, ein Glück!" murmelte Göbener. „Aber i nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Amtsrath, gewagt ; dleibt s doch, es hätte leicht auch anders kommen können."
„Wie so? Wie meinen Sie das?- Doctor Holten ist doch Ihr Verwandter!" fragte der Amtsrath.
„Sehr weitläufig, von Seiten meiner Frau," erwiderte Göbener mit einer Handbewegung, die gleichzeitig ablehnend und wegwerfend war. „Aber eben deshalb, weil w:r seine Herkunft kennen, hatten wir Bedenken. Meine Frau wollte sogar herüberkommen und Ihnen zureden, noch einen anderen Arzt zu nehmen, ich wollte es aber nicht zugeben, man durfte Sie, wie die Dinge nun einmal lagen, nicht aufregen «nd stutzig machen."
Göbener behielt, während er diese Antwort gab, den Amtsrath recht scharf im Auge und bemerkte mit Genug- thuung, daß sie einen lebhaften Eindruck auf ihn machte.
„Was wissen Sie denn von dem Doctor Holten?" fragte er.
„Na, er ist der Sohn seines Vaters," antwortete Göbener, „und der hat im Leben nicht viel Seide gesponnen. Ist mit einem ansehnlichen eigenen Vermögen und einer schönen Mitgift seiner Frau bis auf den letzten Pfennig fertig geworden und hat seine Kinder in Hunger und Kummer zurückgelassen."
Er entwarf nun ein sehr wenig schmeichelhaftes Bild des verstorbenen Holten und ließ nicht undeutlich merke«, daß selbst dessen Ehrenhaftigkeit in der Gegend, wo er zuletzt gelebt, stark angezweifelt worden war. Dann fügte er hinzu:
„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. So jung der Stephan noch ist, hat er schon allerlei Stretche und Sutten hinter sich. Er hat, wo er hin kommt, Liebschaften läßt sogar seine Patientinnen nicht in Ruhe —"
//Wissen Sie das gewiß?" unterbrach ihn der AmtSrath, der seine Erregung nur noch mühsam zu verberge« vermochte.
„Leider, leider!" sagte Göbener mit einer Miene, als lasse er sich nur sehr schwer zur Bestätigung seiner abfällige» Auskunft herbei. „Er läuft jeder Schürze nach, ich habe mich deshalb genöthigt gesehen, mir seine ferneren Besuche


