Ausgabe 
6.2.1898
 
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Srschöpfchen- ba« immer vergnügt scheint, lustig kräht und lacht, wenn man mit ihm spielt, sehr arg ist und ruhig schläft, wenn andere Leute schlafen wollen. Diese reizenden, rücksichtsvollen kleinen Wesen, die leider nicht häufig anzu­treffen sind, entwickeln sich zu echten, warmempstndenden Künstlernaturen. Haben sie viel Geld, dann werden sie nicht Verschwender, aber Philantropen,- auf jeden Fall wachsen sie zu jenen seltenen Menschen heran, dir stets glücklich sind und stets beglücken.

GsMsinnützigeK.

(Bitten eigenartigen Eisapparat, ebenso einfach wie zweckmäßig, hat, wie derPractische Wegweiser", Würzburg, schreibt, die Verwaltung des Wiener allgemeinen Krankenhauses in den letzten Tagen in einem Hofe der Anstalt aufstellen lassen, der vortrefflich functionirt und dessen einfache Construction es verdient, weiteren Kreisen bekannt zu werden. Der Apparat besteht aus einem roh gezimmerten, an allen vier Seiten offenen Holzgerüst von etwa 5 Meter Höhe, in zwei Etagen eingetheilt. Die Balkenlagen werden durch neben einander gelegte Baum­stämme gebildet. Ueber die obere Balkenlage ragen eine Anzahl von Brausen empor, aus denen feine Wasserstrahlen nach allen Richtungen in die Höhe gehen, um regenartig auf die Baumstämme niederzufallen. Das Wasser rieselt durch und wird bei Frostwetter in zahlreiche Eiszapfen verwandelt, die dann abgebrochen und je nach Bedarf verbraucht oder eingekeüert werden. Der Apparat hat den Vorzug, daß er keinerlei Aufsicht und Bedienung bedarf und ohne Kosten ein absulut reines Eis liefert, welches zu allen Zwecken gleich vorzüglich geeignet ist. W.

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Eine Petrolenm»Glühlichtlampe ist, wie der Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, das Neueste auf dem Gebiete der Beleuchtungs-Technik. Nachdem die Auerlicht-Gesellschaft unlängst mit der Construction eines verbesserten Spiritusglühlicht-Brenners vorgegangen, ist nun­mehr die englische Gasglühlicht-Actiengesellschaft mit der Erzeugung eines Petroleum-Glühlichtbrenners gefolgt. Der eigenartig construirte Brenner kann auf jede Lampe auf­geschraubt werden und erzeugt ein Licht von 45 Kerzen Leuchtkraft, wobei das Licht etwas milder als Auersches Gasglühlicht erscheint. Der Oelverbrauch beträgt ein Drittel des bisherigen Quantums bei gleicher Lichtstärke. Falls der Glühkörper unbrauchbar wird und nicht sofort durch einen neuen ersetzt werden kann, ermöglicht die Anbringung eines besonderen Brenner-Aufsatzes sofort die Umwandlung der Glühlichtlampe in eine solche alter Art. Man steht, den Versuchen der Vertheuerung des Petroleums folgt die technische Verbesserung behufs rationellerer Ausnutzung auf dem Fuße W.

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Einen hübschen Zimmerschmuck erzielt man, wenn man jetzt, beim Beschneiden der Obstbäume, das Blüthenholz sammelt, welches vielfach mit weggeschnitten werden muß. Die Zweige werden in schöner Form geschnitten,' dann stellt man dieselben in Vasen oder sonstige Gefäße, mit erwärmtem Wasser gefüllt, dem man etwas gewöhnliches Kochsalz zusetzt, im warmen Zimmer dem Fenster möglich nahe. Das Wasser muß, wie derPractische Wegweiser", Würzburg, schreibt, nach drei bis vier Tagen erneuert werden und ist ein öfteres Besprengen mittelst Thauspender tagsüber sehr zu empfehlen. Vorwiegend sind es Aepfel und Kirschen, welche schon nach einigen Wochen ihre herrlichen Blüthen erschließen.

Die ApEose verlangt zwar eine sehr geschützte uns warme Lage im HauSgarten, ist aber als Hochstamm, in Buschform und als Freispalier weit fruchtbarer wie als Wandspalier. An der Wand sollte man der Aprikose die Ostseite geben, welche für sie noch am Besten Paßt, nie die Südseite, weil diese zu warm für sie ist. Von allen unfern Obstbäumen kommt der Aprikosenstamm zuerst in Trieb und blüht auch zuerst. Ein Aprikosenspalier an der Südwand blüht aber wiederum zahlreich zehn Tage früher als ein freistehender Baum und schon zu einer Zeit, wo es namentlich in der Nacht oft noch recht kalt ist. Da nun die Aprikosen- blüthe gegen Frost sehr empfindlich ist, so setzen die später blühenden, freistehenden Bäume in den meisten Jahren viel reichlicher an als Spalieraprikosen. Da ferner die Früchte, bis sie etwa die Größe einer Haselnuß erreicht haben, gegen eine intensive Wärme ebenfalls empfindlich sind, so fällt am Spalier auch noch manche Frucht den heißen Sonnenstrahlen zum Opfer. Früchte am Spalier sind in der Regel größer und auch meist früher reif, besitzen aber bei Weitem nicht die Saftfüüe, das Aroma und den köstlichen Wohlgeschmack der Früchte von freistehenden Bäumen.

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Um Reseda-Parfüm zn gewinnen tränkt man kleine Päuschchen mit Oel, durchschichtet dieselben in einer Flasche mit Resadablüthen und setzt sie eine Zeit lang der Sonne aus. Preßt man darauf das Oel aus, so ist dieses erfüllt von herrlichem Resedaduft.

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Mittel gegen Frostbeulen. Man kaufe beim Dro- guisten für 5 Pfennig pulverisirtes Tanin, löse dieses in 50 Gramm Wasser auf und stelle es nun in einem verdeckten Schüsselchen hin. Nach jedesmaligem Händewasten spüle man hierin recht oft am Tage nach- die Haut wird davurch abgehärtet. Zum Abtrocknen benutze man aber ja ein altes Handtuch, da das Tanin Flecken macht, die nicht wieder ausgehen.

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Ochsenhirn ä la lyonnaise. Man entfernt von dem Ochsenhirn die dünne Haut und die Adern und läßt eS zwei Stunden in lauwarmem Wasser. Dann dünstet man das in längliche Stücke zertheilte Hirn mit Lorbeerblättern, Zwiebel­scheiben und Carotten eine halbe Stunde zwischen Speck­scheiben, nachdem man in die Casserole noch Petersilie, ein Glas Weißwein und ebensoviel Auflösung von Liebigs Fleisch- Extract gethan hat. Nunmehr läßt man das Hirn abtropfen, gießt Butter, in der man klein gehackte Zwiebeln braun ge­röstet hat, darüber, garnirt es mit der Petersilie und servirt.

Litepavisches

Einen sehr interessanten 'Artikel über die internationale Rhein- correction in Vorarlberg, durch gut gewühlte Abbildungen verdeutlicht, enthält das 13. Heft der FamilienzeitschriftJllustrirte Welt" (Stuttgart, Deutschs Verlags-Anstalts. Die Thätigkeit der Luftschiffer- abtheilung des deutschen Kriegsheers führt uns ein Bild vor:Ausstieg des Drachenballons auf dem Tempelhofer Felde". Aus dem reich- illustrirten AufsatzEin zoologischer Garten auf Rädern" werden die meisten Leser zum erstenmal ersehen, wie die Menagerien auf Reisen gehen. DieJllustrirte Welt" (jedes Heft kostet nur 80 Pfennig) sei allen unfern verehrlichen Lesern hiermit erneut angelegentlich empfohlen.

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Von der in Stuttgart im Verlage von Carl Grüninger er­scheinendenMusikalischen Jugendpost" liegt uns das VI. Quartal vor; dasselbe enthält wieder eine Reihe dem jugendlichen Fassungsver­mögen angepaßter belehrender und unterhaltender Artikel, Erzählungen, Humoresken und Märchen, sowie Gedichte mit hübschen Illustrationen, kurzweilige Anecdotea, Räthsel rc. Ferner 24 Seiten Musikbeilagen, bestehend aus melodiösen Clavierstückchen, Liedern mit Clavierbegleitung und Duos für Clavier und Violine.

Redaetüm; L. Echeyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu UuiversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Echeyda) in Gießen.