Sonntag den 6. Februar
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ei eine Pflicht auch noch so klein, Sie schließt nicht Mühe nur, Sie schließt auch Freuden ein.
Wie sich fügt
Ein stattliches Haus?
Er baut auf
Und sie baut aus. Anna Nitschke.
Muttersohn.
Roman von Arthur Zapp.
(Fortsetzung.)
Die Antworten des alten Mannes lauteten kurz und bündig und bestimmt. Der Vorsitzende constatirte nach seinen Aussagen zuerst noch einmal, daß der verschwundene Betrag Eigenthum der Firma Jacobs & Co. gewesen. Das Geld sei inzwischen, da es durch se ne Schuld in Verlust gerathen, von ihm — dem Zeugen — voll ersetzt worden. Alles das war dem Gerichtshof schon aus früheren Vernehmungen des Zeugen bekannt. Zum Schluß seiner Aussage erklärte Köster mit aller Entschiedenheit, daß sein Sohn nie und nimmer der Dieb sein könnte.
In ganz ähnlicher Weise sagte Frau Köster, die nun hereingerufen wurde, aus. Sie bezichtigte sich als den schuldigen Theil- denn wenn sie sich auch nicht mehr fest darauf besinnen könne, so müsse sie doch annehmen, daß sie die Thür zu ihrer Wohnung aufgelassen habe und daß) während sie beim Kaufmann gewesen sei, um für ihren Mann eine Flasche Bier zu holen, ein Bettler die Gelegenheit zum Diebstahl wahrgenommen habe.
Damit waren die Zeugenaussagen erschöpft. Der Chef des Bankhauses Jacobs & Co. und ein paar andere Zeugen waren schon vorher vernommen worden.
Eben wollte der Vorsitzende dem Staatsanwalt zu seinem Plaidoyer das Wort ertheilen, als die Thür mit heftigem Ruck aufgerissen wurde. Otto war es, der, einem ihn in allen Fibern beherrschenden Impulse folgend, von dem Zuschauerraum auf den Flur und von da durch die Nachbarthür in den Verhandlungsraum geeilt war.
Mit schnellen Schritten, während sich Aller Augen auf
ihn richteten und Frau Köster einen lauten Schrei ausstieß, trat er vor den Richtertisch.
„Sie entschuldigen, Herr Direcor," stieß er fliegenden Athems hervor, unfähig, seine Aufregung zu verbergen, „ich melde mich als Zeuge . . . Assessor Otto Köster."
Der Vorsitzende blickte zuerst erstaunt auf den vor ihm stehenden jungen Mann, beugte sich dann zu den vor ihm auf dem Tisch liegenden Papieren nieder, blätterte eine kurze Weile darin und erklärte dann unter der gespannten Aufmerksamkeit aller Anwesenden: „Sie sind als Zeuge vorgeladen. Ihr Vater hat sie unter Beifügung eines ärztlichen Zeugnisses als krank entschuldigt. Ihr Pflichteifer treibt Sie dennoch hierher. Ich danke Ihnen. Theilen Sie mir nun ?also mit, was Sie in Bezug auf die in Rede stehende Angelegenheit zu sagen wissen."
Otto drückte unwillkürlich seine geballte Rechte gegen die linke Brustseite, als wollte er die Empfindungen, welche sein Herz stürmisch gehen machten, zurückdrängen. Dann athmete er tief und begann nun zu sprechen, anfangs stockend, stammelnd, in sichtlicher Befangenheit, zuletzt immer mehr sich erhitzend, die Sätze in schneller Folge erregt hervorstoßend, sich überhastend. Was er sagte, bezog sich nicht direet auf den Gegenstand der gerichtlichen Verhandlung, es war lediglich eine Characterschilderung seines Bruders. Er erzählte von der Herzensgüte seines Bruders, von seinem rechtschaffenen, redlichen Sinn, von seiner Sparsamkeit und feiner Bescheidenheit, von seiner Opferwilligkeit und seiner Selbstlosigkeit. Er berichtete, wie viel er dem Bruder verdanke, der immer hilfbereit für ihn eingetreten sei. Er sprach mit dem Feuer der Ueberzeugung, mit dem Eifer der Verzweiflung. Was seinen Worten die hinreißende Kraft verlieh, deren Wirkung in den Mienen der aufmerksam Zuhörenden sich mehr oder weniger sichtbar wiederspiegelte, war nicht nur die Liebe zum Bruder, die in diesen Minuten sein ganzes Herz erfüllte, sondern auch die Angst um sein eigenes Schicksal, das Bewußsein, daß er um sein Leben ringe.
Bei seinen Schlußworten machte der Sprechende eine unwillkürliche Wendung nach der Anklagebank hin und zum ersten Male trafen seine und Carls Blicke zusammen. Von seinen Gefühlen überwältigt, näherte sich Otto mit schnellen Schritten der Anklagebank und, sich weit hinüberbeugend, reichte er dem Bruder die Hand. Carl wußte nicht wie ihm geschah. Unter den bitteren, quälenden Empfindungen, die ihn während der letzten Wochen in der Einsamkeit seiner Zelle bestürmt, hatte der Gedanke an Otto nicht an


