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Literarisches
den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35.
in See lag vor mir. z
Langsam setzte sich der Coloß in Bewegung, das Sxe- wasser stob weißgischtend um die Schaufelräder. Köstlicher Seewind wehrte der Gluth des Tagesgestirns, das heiß vom Himmel herniederstrahlte und glanzhell aus den smaragdgrün schimmernden Wogen lag.
Ich stand fast während der ganzen Tauer der Ueber-
in das aufgewühlte Kielwasser, das der Dampfer als breite Schaumbahn hinter sich zurückließ.
Es lag unter mir wie ein leicht überfrorener Gebirgssee, auf dessen glattem Spiegel der eisige Hauch des Windes feines, stäubendes Schneegeriesel vor sich hin treibt.
Gegen das Ende der Fahrt entlud sich über uns ein schweres Gewitter. Wolkenbruchartig strömender Regen, unaufhörlich von dem düster dräuenden Himmel herniede^ zuckende Blitze ttieben die Mitpassagiere nach und nach
diese immer schwärzer werdende Rauchsäule. Dann traten allmählich die Schornsteine in den Gesichtskreis des Beobachtenden. Dann die Umrisse des stolzen, weißgestrichenen Schiffes. - , s
Majestätisch, sich hochbordig aus dem Meer hebend, rauschte es heran. Der Anker rasselte in die Tiefe.
Schon stießen die Fahrzeuge der Helgoländer von der Brücke ab, um die von Hamburg und Cuxhaven Kommenden auszubooten. Das dauerte eine ganze Weile, da von den meisten der in die Nordseebäder Eilenden erklärlicherweise das prächtigste Schiff der Ballin-Linie zu der Seefahrt erwählt zu werden Pflegt.
Endlich begann das Einbooten der Norderney-Fahrer. Die „Cobra" heizte aufs neue zu einem Fluge über die Nordsee. Eine drei Stunden währende genußreiche Fahrt
unter Deck. ,r,,
Ich dagegen flüchtete unter das regengeperschte Sonnensegel, das unter dem gewaltthätigen Zerren des Gewitter- sturmes ächzte, 'Pannte obendrein mein Wetterdach auf und badete das Gesicht in der erfrischend über- das Deck streichenden, köstlichen Luft, bis das Unwetter über uns hmweg- gebranst war. o r,, ,
Als wir in Norderney anlangten, war das schiefergraue Gewölk im Abziehen begriffen, die wieder durchbrechende Sonne färbte seine scharf gegen den blauen Himmel abstechenden Ränder goldgelb.
Die nur 7 Kilometer von der Küste entfernte Insel, welche zur Zeit tiefster Ebbe Berbindung mit dem Festlande hat, bietet einen prachtvollen, weithin sich dehnenden Strand. Wellenbrecher und Brücken führen weit ins Meer hinein. Der neuerbaute Seesteg mit zu längerem Verweilen einladenden bequemen Bänken ist großartig angelegt.
(Fortsetzung folgt.)
Die gegen die See drohenden Geschütze sind gegen die Einflüsse der Witterung mit Mänteln und Mützen aus schwarz- gestrichenem Oeltuch versehen. . . - Möge nie der Tag erscheinen, an welchem ihre Feuerschlünde in die Reihen eines feindlichen Geschwaders Tod und Verderben tragen werden!
Hernach stieß ich drunten im Unterland bei dem Gast- wirthe F. Dischinger aus Bayern, der den durstigen Kehlen sür den artigen Preis von 40 Pfennig doch immerhin einen halben Liter Münchener Bier bietet, auf fidele Blaujacken und junge Offiziere (Unter-Lieutenants zur See) der Besatzung Helgolands Ein ungezwungener, munterer Ton herrschte an ihrem Tische, humorvolle Bemerkungen flogen hinüber und herüber. Ich gewann die lebensfrohen, flotten Kerle bald lieb und verweilte, wo immer ich mit ihnen zusammentraf, gern in ihrer Nähe. * *
Am nächsten Vormittage saß ich in behaglicher Betrachtung vor dem Conversationshause, als der A> srufer mit der Schelle vorüber eilte.
Ein alter, wunderlich ausschauender Mann!
Wenn er vor seinem Rundgang durch die Gassen einen Hut erwischen kann, stülpt er ihn auf, andernfalls eilt er barhaupt einher, so daß ihm die grauen Haarsträhne um den Nacken fliegen.
Das Radeln der Frauen vom ärztlichen Standpunkt hat selten eine so knappe, scharfe und erschöpfende Beurtheelung erfahren, wie in dem „Aerztlichen Nathgeber", einer höchst bemerkenswerthen, von einem Arzte redigirten Beilage von „Mode
John Henry Schwerin, Berlin. Von der ungefeueren VielseU gkeit dieses Universalblattes sür die Familie zeugt auch die vierseitige Mustk- beilage (mit nm Originalconipositionen) der eben zur Ausgabe gelangten 3 Juli-Nummer. Den Moden ist darin in Wort und Büd wieder der weiteste'Raum gegönnt, und künstlerisch ousgesührte Illustrationen bringen die dargestellten Kleider- und Huimoden zu bester Geltung. Der jeder Nummer beilieginde Schnitlbogen ist anerkannt mustergültigI Wer gern einen guten W'tz belacht, der nehme nur einmal die Mustrwte Humorbeilage zur Hand! Die reichhaltige, illustrirte Belletristik knetet eme Fülle anregender, spannender Unttrhaltungslectüre. „Mode und Hau^ kostet nur i Mk- vierteljährlich, mit achtseitiger Romanbeilage und Colonl ist das Blatt für nur 1 Mark 25 Pfennig von allen Buchhandlungen
• ----- - ' ' ' . Eratis-Probenummern durch erstere unv
deutschen Küste.
Im Nordhafen lagen sechs Torpedoboote und der Aviso Blitz" vor Anker. Einige schwere Panzer waren wohl schon hierher unterwegs. Es war bekannt geworden, daß sich von Helgoland aus in den nächsten Tagen der deutsche Kaiser zunächst zur Segelregatta nach Cowes, sodann zur ^agd nach Schottland begeben wollte. Aus diesem Umstande erklärte sich die Anwesenheit so zahlreicher deutscher Kriegsfahrzeuge in den Gewässern vor Helgoland. .
Ich besichtigte später die starken Befestigungen drews rouyicllu „„ - ------
nordischen Gibraltar, soweit sie den Augen der Fremden sich Hinterdeck und blickte über die Reeling hinweg
zeigen. Ueberall warnten Plakate vor den Folgen eines un- I ! 9 • . .. <r>—nt— »r« twoit»
befugten Eindringens in militärische Geheimnisse und stellten eine drakonische Bestrafung der Spionirenden in Aussicht.
Es überrieselte mich vom Kopfe bis zu den Füßen, als ich sie las.
Nachdenklich gestimmt schlug ich den Weg zu der um diese Zeit schon einsam liegenden Ostküste ein.
Ich hielt mein Marineglas vor die Augen. Mein weit- ausschweifender Blick fiel auf eine in weiter Entfernung manöverirende, wie eine Zeile von Fabrikschornsteinen anzusehende, englische Fiicherflotte. ,
Diese dreisten Eng'änder halten sich jetzt endlich, feitdem die deutsche Kriegsmarine ihnen scharf auf die Finger sieht, in respeetvoller Entfernung von den reichen Fischgründen der
Er klingelte. , ,
Dann begann er mit eingerosteter, zitternd schwingender Stimme: „Dampfer „Cobra" wird heute ..... 2 Uhr 45 ... . von hier nach Norderney gehen. |
Riess und torkelte weiter.
Augenblicklich war ich zum Mitsahren entschlossen. Es war ein Freitag. Von Norderney wollte ich am nächsten Tage einen Abstecher nach Bremen über Bremerhaven machen und am Sonntage so zeitig nach Helgoland zurückkehren, daß ich, wenn auch nicht Zeuge der Landung des Kaisers, so doch seiner Einschiffung nach England sein wurde.
Gedacht, gethan. Ich blieb am Strande sitzen, füllte mein Notizbuch mit den bisher gemachten Beobachtungen und wartete aeduldig auf das Eintreffen der „Cobra".
Dann und wann blickte ich von meiner Beschäftigung | QUf. Ein grauer Punkt am Horizont, den ich mit dem Fern- । qlafe heranholte, wurde allmählich größer, bis er die Fotm ; einer Rauchsäule annahm. Eine Zeit lang deutete Nichts - und Pofianfialten zu beziehen- weiter auf das Näherkvmmen des stattlichen Dampfers,als 1 - - ■ - ■ -
--Druck und Verlags»rühl'fchen Universitäts-Buch- und St-iudruckerei (Pietsch Erbeu) in Gießen.


