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arten, bereiten.
B-rlag der Brühi'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
Redaction: E. Burkhardt. — Druck und
Kühe und Schafe hat man auf der Hallig; aber Pferde hält man nicht, da man für solche ja doch keinen Gebrauch hat.
Dem Fremden erscheinen die Halligen so freudenleer, daß er es nicht begreift, wie die Menschen auf denselben leben können, und doch liebt der Halligbewohner sem Eiland über alles. Wenn er vielleicht auch als Seefahrer viele fremde Länder gesehen hat, io hält es ihn doch nicht draußen, und sicher ist rS, sobald er sich zur Ruhe setzt, kehrt er nach seiner Hallig zurück. (Schluß folgt.)
VernMehtes.
Die Häuser auf den Werften sind meistens rings an s den Rand derselben gebaut. Auf vielen Wersten findet man i inmitten dieses Häuserkranzes eine Vertiefung, die zum Sammeln und Aufbcwahren des Regen und Schneewassers dient. Denn frisches Wasser birgt die Hallig sonst nicht. Mittelst gemauerter, unterirdischer Röhren leitet man das Wasser aus diesem Behälter in die Nähe des Hauses, woselbst eine Cisterne gemauert ist. Jener Behälter liegt aber trefer als ; diese kleinen. Wenn das Wasser knapper toirb, dann kann er die Cisternen nicht mehr speisen. Alsdann wird mit Hebeln das Wasser unmittelbar aus ihm geschöpft. Außerhalb des Häuserkranzes liegt dann noch ein künstlich angelegter kleiner See, der mit jenem größeren Behälter unterirdisch verbunden, zum Schutz gegen das Meerwasser aber mit Deichen umgeben ist. Die unterirdische Verbindung kann abaekperrt werden. Aus dem See entnommene Wassermengen kann man durch Preßlöcher in jenen Behälter hineinpressen. Sorgsam geht der. Halligbewohner mit dem Süßwasser um. Wenn er befürchtet, daß die salzige See in seine Wasseranstalt hineinfließen kann, dann schöpft er zuerst so bsel Trinkwasser heraus, als er nur fassen kann. Ist nun wirklich Salzwafier in die Wasseranstalt hineingekommen, dann mutz der Halligbewohner dieselbe teer laufen lassen. Zu dem Ende ist unter der Werft ein Abzugssieb.
Wie wir bereits bemerkten, findet Ackerbau auf den Halligen nicht statt. Das kann ja schon aus dem Grunde nicht geschehen, weil die Hallig mehrfach von der See überspült wird. Man kann die ganze Hallig ansehen als eine einzige grüne Wiese, rings umsäumt von dem Meere zur Fluthzeit, von den grauen Watten zur Ebbezelt. Mehrfach schlängeln sich durch diese Wiese kleine Bächlein dahin. Dieselben enthalten Salzwasser- denn sie sind eben die Fortsetzungen der Wattenströme. Fluth und Ebbe halten somit auch in die Halligbäche ihren Eingang. Dort sehen wir von Menschenhand gegrabene Gräben. Es sind die Grenzen und zugleich auch die Einfriedigungen der einzelnen Besitzungen. Die ganze Hallig ist bestanden mit kurzem Gras. Dieses gewährt den Rindern und Schafen kräftige und gern genommene Nahrung. Auch wird es zu Heu verarbeitet. Dies hat dieselben guten Eigenschaften, die das Gras hat, und da es zugleich von der Natur bereits gesalzen wird, so kann es auch lange aufbewahrt werden.
Zwei besonders merkwürdige Pflanzen hat, die Flora der Inselwelt aufzuweisen. Draußen vor der Hallig, wo andere Pflanzen nicht vorwärts kommen können, wächst der Queller (Salicornia herbacea), eine ebenso merkwürdige als wichtige Pflanze. Sie hat steife, dicke Blätter, die wie Zweige um den Mittelzweig herumstehen. Sie ist deshalb recht widerstandsfähig. Wenn die Fluth ihren Höhepunkt erreicht hat, und der Wasserstand für einen Augenblick zur Ruhe gekommen ist, dann sinken die festen Bestandtheile, die das Wasser mit« brachte, langsam herunter. Da fängt der Queller solche auch von dem zurückfluthenden Wasser in seinen Winkeln auf, wirkt mithin wie ein Sieb. Von jeder Fluth erhalt er etwas, und so erhöht sich allmählich die Stelle um dt- Pflanze. Diese ist also ein Pionier der Landgewinnung. Sobald das Watt nur so hoch ist, daß es nicht mehr regelmäßig überschwemmt wird, dann stellt der Queller sich ein. Dte andere Pflanze nennt der Halligbewohner Süden Plantago maritima). Sie wächst auch an der Küste des Festlandes. Ihre pfriemenförmigen Blätter pflückt man- denn sie lassen sich zu einem sehr schmackhaften Gericht, ähnlich wie die verschiedenen Kohl-
des Bene oder Benne (früherer Besitzer) rc. H'^ neben möchten wir noch bemerken, daß ein Dichter Frieslands singt: „Kindlein in des Meeres Wiege, Eilande an der Wellen Brust, Wo Menschen schiffen kalt vorüber. Und wo der Engel wohnt mit Lust.
Der Triumph per Ansichtskarte. In Wien fand unlängst eine Ausstellung von Ansichts-Postkarten statt. Dieselbe zählte nicht weniger als sechstausend Ansichtskarten. Der eigentlichen Eröffnung ging eine Begrüßungsansprache des Präsidenten des „Verbandes der österreichischen Papier- und Schreibwaaren-Jntereffenten", welcher die Ausstellung veranstaltet hat, Herrn Karl Schottola, und ein Vortrag des Vieedireetors der Hof- und Staatsdruckerei Herrn Regierungsrathes Georg Fritz, voran. In der ersten Hälfte seiner Ausführungen erklärte Regierungsrath Fritz laut „N. W. Tgbl.", daß die Ansichtskarte seit Langem auf- qehört hat, eine Spielerei zu sein, sie habe vielmehr die Bedeutung eines ernsten Culturobjekts erlangt, eines ernsten Bildungsmittels sür das Volk. Am 1. Juni 1878 toar he Postkarte bereits in allen Culturstaaten eingeführt, ^m Jahre 1886 wurden !•/* Millionen Karten verwendet. Zehn Jahre später, 1896, verbrauchte Cisleithanieu allein HO Millionen und Deutschland 4l0 Millionen. Nun, und aus der Postkarte ist dann die Ansichtskarte entstanden. Der Gedanke der Postkarte mit Abbildung ist im Jahre 1887, also vor elf Jahren, fast gleichzeitig in Oesterreich und Deutschland aufgetaucht. Ursprünglich waren es Geschäftsleute, die ihre Postkarten mit dem Bild ihrer Verkaufshauser u s. w. ausstatteten. Die ersten Ansichtskarten erschienen in Lichtdruck, jetzt giebt es Wohl kein einziges der etwa 30 verschiedenen Verfahren der Vervielfältigung, welches nicht zur Anwendung gelangte. Ja mehr, die Ansichtskarte ist einer der hervorragendsten modernen Industriezweige geworden, an welchem Hunderttausende Maler, Papiererzeuger, Techniker u. s. f. geschäftlich betheiligt sind. Ja, es winkt ihr eine noch gedeihlichere Zukunft, sofern nur die an der Erzeugung der Ansichtskarte beteiligten Kreise die Karten von Banalitäten fernehalten, sie künstlerisch und technisch gleich gediegen Herstellen und sich immer und immer wieder vor Augen halten, daß die Ansichtskarte vor Allem ein Culturmittel sein soll. An der Ausstellung ist Deutschland mit 60 v. H. beteiligt, zunächst kommen die österreichischen Erzeuger. Auch die Schweiz hat ausgestellt. Was wir in der Ausstellung Alles zu sehen bekamen, das ist unendlich schwer zu sagen. Vielleicht kommen wir der Wahrheit am nächsten, wenn wir behaupten, daß die 6000 Karten so ziemlich die ganze Welt im Bilde zur Anschauung bringen. Emen breiten Raum nehmen Hunderte von Kartenalbums ein, die heute einen großen Absatzartikel bilden.
Hunrsvistisches.
Kindermund. Die kleine Ella (Clavier spielend): „Ach, Mama, hilf mir doch, ich kann mich hier nicht zurechtfinden." - Mutter: „Ja, liebes Kind, ich kann nicht Clavier spielen, ich habe es nicht gelernt." — Die kleine Ella: „Ach, hattest Du nette Eltern!"
Modistin (zur alten Kokette): „Diese Feder kleidet : Sie wundervoll! Sie sehen um zehn Jahre jünger aus. — Kokette: „Oh, dann nehmen Sie nur gleich zwei davon.
(„Jugend.")


