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u sagtest einst — ich hör' es immer wieder — pM? Daß Du die Dichtung liebest und die Lieder! W« Dann mußt Du auch die Veilchen lieben, Denn steh': sie sind ja auch Gedichte, Die Gott in's Grün hineingeschrieben
Mit seines Himmels blauem Lichte. H. x>. Gilm.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
«Fortsetzung.)
XXII.
In seiner im ersten Stock eines gut gebauten Hauses in der Weißgerberstraße in Greifswald belegenen Wohnung saß Adolf vor dem Reißbrett und zeichnete emsig.
Zum ersten Male seit dem Tode der armen Anna hatte er es über sich vermocht, sich einer Zeit und Aufmerksamkeit erfordernden Arbeit zuzuwenden und ein paar Stunden dabei auszuharren. Es war doch, als spüre er die heilende und befreiende Wirkung einer Thätigkeit, indeß schon bemächtigte sich seiner wieder die Unrast.
Wieder stöhnte er tief auf und fuhr sich mit der Hand über die feuchte Stirn. Nun warf er den Stift auf den Zeichentisch, sprang auf und öffnete das Fenster. Mit langen Aihemzügen zog er die hereinströmende, vom Duste der unweit des Hauses blühenden Akazien durchwürzte frische Lust ein, ohne sich dessen doch recht bewußt zu werden.
„Ich werde zusehen müssen, sobald wie möglich, von Greifswald fortzukommen," überlegte er, mit dem Rücken gegen das Fensterkreuz gelehnt stehend und das Zimmer überschauend. „Ich wollte so gerne arbeiten und habe ja auch ein paar Stunden dabei ausgehalten, nun ist's aber vorbei. Ich kann nicht mehr!" —
Die Hände ineinander verschränkt, fuhr er fort:
„Und doch liegt in der Arbeit, in der unausgesetzten, rastlosen Arbeit für mich die einzige Hoffnung. Nicht daß ich jemals wieder ein froher oder nur ein leidlich normaler Mensch werde, sondern daß ich das Leben überhaupt ertrage. Geht es nur noch kurze Zeit mit mir so weiter, so muß ich wahnsinnig werden oder —"
Sein Auge heftete sich auf ein schwarzes, glänzend
polirtes Kästchen mit Nickelbeschlägen, das in der Ecke des Zimmers auf einem kleinen Tisch neben Rauchutensilien stand. In seinen Zügen malte sich ein schmerzlich sehnsüchtiger Ausdruck.
„Wär's nicht das Beste, ich machte ein Ende?" murmelte er.
„Was hat mir das Leben noch zu bieten als Reue, Schmerz und Qual? Freudlos und friedlos muß ich umherirren, belastet mit dem Fluch der Erinnerung, belastet mit ihrer Verachtung!"
Er machte einige Schritte in das Innere des Zimmers und blieb dann stehen.
„Ich darf nicht, ich darf nicht," stöhnte er. „Meiner armen Mutter, der sanften Dulderin, darf ich nicht auch diesen Schmerz bereiren. Ich muß ausharren und das Leben ertragen so lange sie lebt."
„Anna, arme, süße Anna, Du bist gerächt, schwerer und härter als Du es mir je gewünscht haben würdest!"
Er kehrte zum Reißbrett zurück und versuchte die Arbeit wieder aufzunehmen, hatte aber erst wenige Striche gemacht, da klopfte es an die Thür und Frau Böckel, die Eigen- thümerin der Wohnstube, von der er zwei Zimmer gemiethet hatte, trat herein.
„Entschuldigen Sie, Herr Bauführer, daß ich Sie störe," sagte sie und gab sich große Mühe ruhig zu scheinen, vermochte jedoch ihre Erregung nicht zu verbergen, „aber es ist ein Bote aus Rapshagen da, Sie möchten —"
Göbener war schon aufgesprungen.
„Was giebt's, welch neues Unheil ist dort geschehen?" rief er.
„Ach, nicht doch, Herr Göbener, wer wird denn gleich das Schlimmste fürchten?" suchte ihn Frau Böckel zu beruhigen, aber ihr Aussehen strafte ihre Worte Lügen. „Der Bote kann seine Bestellung übrigens selbst ausrichten," fügte sie hinzu und rief, rückwärts nach der Thür schreitend: „Kommen Sie doch herein."
„Jochen! Was ist geschehen?" schrie Adolf, sobald er des Knechtes ansichtig ward, dem buchstäblich die struppigen strohgelben Haare zu Berge standen und dessen verstörte Mienen Entsetzliches fürchten ließen. Er entledigte sich seines Auftrags in der denkbar ungeschicktesten Weise, indem er sagte:
„Ach Gott, ach Gott, junger Herr, heute ist's ja wohl noch viel schlimmer wie dazumal, als ich Sie aus Waldhof fortholte) Sie sollen schnell nach Rapshagen kommen, die Frau Amtmännin liegt im Sterben und —"


