ilUiUfl
' '0V - E
W^^WWWD
UM i-rtVx-^‘,r
tets hörest Du den Klageschrei
Der Welt, rote kurz das Leben fei, — Und d »noch ist bei Tag und Rächt Der Mensch auf - Zeitvertreib bedacht.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
AmtSrath Wenzel wollte keinen Arzt zum Schwiegersohn. Nicht Doctor Holtens Armuth war es, woran er Anstoß nahm, sondern sein Beruf. Der stets gesunde, lebensfrische Mann hatte eine an Furcht grenzende Scheu vor Krankheit, und besonders vor Epidemien und entfernte sich, soweit er es, ohne aufzufallen, thun konnte, aus jedem Kreise, in welchem man sich über Krankheitsfälle und Operationen unterhielt.
Der Gedanke, der Mann seiner Tochter sollte Jedem, der seiner ärzlichen Hilfe bedurfte, bei Tage, wie in der Nacht zur Verfügung stehen, in jede Hütte kriechen müssen, seiner Familie ansteckende Krankheiten ins Haus schleppen, war ihm unerträglich!
Warum mußte denn die Neigung seiner Tochter auch gerade auf einen Arzt fallen? Jedem Anderen würde er sie ja gegeben haben, wenn sie ihn geliebt hätte, selbst wenn er mit dessen Stellung weniger zufrieden gewesen wäre, selbst wenn er Opfer hätte bringen müssen!
Holten hatte ihm während des durch Metas Krankheit bedingten Verkehrs den Eindruck eines durchaus anständigen, gebildeten Mannes gemacht, er konnte ihm auch die Anerkennung nicht versagen, daß er sich bei der soeben stattgehabten Unterredung tadellos benommen habe — und Meta liebte ihn! Aber sein Schwiegersohn ein Arzt! Nein, nein!
Hart kämpfte die Liebe zu seiner Tochter mit der einzigen Schwäche des trefflichen Mannes, und noch trug die letztere den Sieg davon.
„Sie wird sich täuschen, wie sie sich in ihren Empfindungen für Adolf getäuscht hat!" tröstete er sich, zog einen Stuhl herbei, ließ sich darin nieder und stützte den Kopf in die Hand.
Meta hatte sich zu einem mehr seitwärts stehenden Rosen- |
Bouquet gewendet, er konnte sie vom Fenster aus nicht mehr sehen. '
"Warum muß er denn just Arzt sein?" seufzte er auf. Sonst wäre ihm ja an der Sache so Manches recht gewesen!
Wenn er vorher gegen Holten von einer Neigung seiner Tochter zu einem Jugendgespielen gesprochen, so war dies mehr als eine höfliche Ausrede gewesen, dennoch lag es keineswegs in seinen Wünschen, daß diese Kinderneigung wirklich zu einem Liebes- und Ehebündniß führe.
Bei Lebzeiten seiner verstorbenen Gattin hatte ein ziemlich reger Verkehr zwischen Waldhof und Rapshagen bestanden. Die letztere hatte die sanfte, ein schweres Geschick mit Würde und nie ermüdender Geduld tragende Frau Göbener sehr lieb gehabt und sogar einen gewissen Einfluß auf den Amtmann besessen. Die Göbenerschen Kinder, besonders aber Adolf, der Jüngste der Geschwister, waren häufig in Waldhof gewesen, er hatte mit der kleinen Meta gespielt und es war manchmal scherzhaft gesagt worden, aus beiden müsse ein Paar werden.
Nach Frau Wenzels Tode waren die Familien mehr auseinander gekommen,- die Göbenerschen Töchter hatten sich verheirathet, Adolf auswärts seinen Studien obgelegen, auch Meta war in eine Pension nach Berlin gekommen. Hatten sich die beiden Jugendfreunde in der Zwischenzeit gesehen, so waren sie stets herzlich und freundlich miteinander gewesen, von einer besondern Liebe und Zärtlichkeit hatte jedoch Niemand etwas wahrgenommen, wenn es nicht der Amtmann Göbener gewesen war. Der ließ nicht leicht eine Gelegenheit Vorbeigehen, ohne Meta sein Schwiegertöchterchen zu nennen und nahm dem Amtsrath gegenüber gern die Miene an, als halte er die Heirath ihrer Kinder für eine ausgemachte Sache-
Der Amtsrath hatte solchen Anzapfungen gegenüber immer eine große Zurückhaltung bewahrt. Obwohl dem alten Göbener nichts nachzusagen war, was ihn für anständigen Verkehr unmöglich gemacht hätte, und Niemand es ihm gegenüber an allen ihm zukommeeden Ehrenbezeugungen fehlen ließ, haftete ihm doch vermöge seines Geizes, seiner Habsucht und seiner Geriebenheit in Handel und Wandel ein Makel an, sodaß es dem Amtsrath nicht gerade wünschenswerth war, mit ihm in verwandtschaftliche Beziehungen zu treten. Hätten die jungen Leute aneinander fest gehalten und Meta darauf bestanden, Adolf zu heirathen, o würde er indeß nichts dagegen einzuwenden gehabt haben. Geschah es nicht, so war es ihm noch viel lieber.
Am erfreulichsten wäre es ihm gewesen, hätte sich ein


