Ausgabe 
4.6.1898
 
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etzt, o Herze, oder nimmer Kannst du neu zu hoffen wagen. Scheint dein Wünschen auch beschsoffen.

Ist es doch in diesen Tagen, Daß sogar die Tannen sprossen, Fortzugrünen so für immer. Martin Greif.

Das Fräulein.

Roman von E. Vely.

(Fortsetzung.)

Line lehnte am Thüipfosten, als wage sie sich nicht weiter in diese schwüle Atmosphäre hinein- es dunkelte schon in dem Zimmer, denn die hohe, graue Wand des Neben­hauses sperrte das Licht früh ab. Eine ungewöhnliche Be­haglichkeit bot der Raum sonst aber, und für den Ausputz hatte Olga durch Anbringen bunter Fächer, Stoffe und künstlicher Blumen gesorgt. Eine große Photographie des hübschen Mädchens hing über dem Sopha, und ein Kranz von Schneebällen schlang sich um den Rahmen.

Ich will fort, von Berlin!" stöhnte Jacqueline.

I, solch'n Unverstand!" brummte Walther, der sich den Anschein gab, als sänne er über eine wichtige Frage nach. Ne das ist nun man nicht so leicht," fiel die Meyer ein, deren Ton scharf wurde,wer entschädigt denn mich, sozu­sagen, wo bleibe ich?"

Na na!" sagte Walther und machte ein bedeutungs­volles Zeichen,was das anbctrifft"

//In Schaden kommt Keiner gern und daß die Sache so bald auffliegen sollte, das habe ich auch nicht vermuthet," grollte die häßliche Frau.

Ah" der Boden wich freilich nicht unter Lines Füßen, der Thürpfosten, an welchem sie lehnte, gab auch nicht nach aber in ihr stürzte Alles zusammen der letzte Rest von Glauben, daß sie das Leben weiter tragen könne.

Der Consul?" fragte sie athemlos,der hat wohl" sie konnte nicht weiter, sie schämte sich, das sie so grenzenlos Demüthigende auszusprechen.

Na, so grün waren Sie wohl denn doch nicht, daß Sie meinen konnten, Ihre paar Pfennige hätten gereicht ne, ne!" rief die Meyer höhnisch.

Wenn Sie Frau Johann Conrad geworden wären, da hätten Sie über Unsereinen auch was zu sagen gehabt," näselte Walther und kratzte sich hinter den Ohren.Aber so könnten Sie doch guten Rath annehmen Noth bricht Eisen!"

Ich habe auch geheult," wiederholte Olga, aber jetzt, jetzt bin ich lustig und lache." Sie warf dem Cousin eine Kußhand zu,oh, oh," flüsterte der.

Und da fällt mir erst ein," fuhr Walther fort,daß der junge, schwarze Doctor mich auch mal nach Ihnen ge­fragt hat. Ist noch nicht lange her. Fiel mir natürltch > nicht ein, zu sagen, was ich wußte. Denn, weß Rock ich i trage, deß Lied ich singe und über dessen Angelegenheiten : schweige ich. Sie sehen wohl, Matthäi ist noch nicht am i Letzten gefällt dem Einen seine lange Nase nicht, so vielleicht dem Anderen seine dicke! So verzweifelt, wie jetzt, brauchen Sie immer noch lange nicht auszusehen, liebes Fräulein!"

Ueber den blumigen Teppich kam er auf sie zu, katzen­artig leise, wie sein Gang in den vornehmen Häusern ge­worden war vertraulich und unverschämt lächelnd. Die Meyer fixirte sie mit den stechenden Augen, Olga biß in ein Stück Kuchen und wiegte sich in den Hüften, welche das graue Kleid knapp umspannte.

Sie hatte es nur langsam nach und nach fassen können, sie, Line, das einstmals auch lachende, auch fröhliche Ge­schöpf, daß sich über den Sonnenschein gefreut, an frischer Luft und Blumenduft Freude gehabt hatte

Langsam aber sicher wars bergab gegangen.

Fort fort!" rief sie und dann riß sie die Börse mit der letzten kleinen Habe hervor und schleuderte sie in das Zimmer-dada! nehmt Alles, was ich besitze"

Und dann war sie draußen, die Treppe hinab, Olga rannte ihr nach, aber sie war schon nicht mehr zu erhaschen gedankenvoll stand das hübsche Mädchen eine Sekunde am Kopfe der Treppe. Dann verzog sie die Lippen, zuckte die Achseln und ging wieder hinein.

I bewahre, so'n Gethue!" sagte die Meyer und hob das schäbige Geldtäschchen auf.Wie viel kann denn drin sein?"

Walther wiederholte nochmal seinen Ausspruch von vorhin: Es giebt wahrhaftig Menschen, die nicht in die Welt paffen," und der stille Cousin zog an seinem zierlichen Schnurrbart und flüsterte:Oh oh!"