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erzählte überstürzt und seltsam undeutlich, daß er von einem seiner Hauptg'äubiger betrogen und vernichtet wäre. Dann stampfte er mit dem Fuße und murmelte Worte, die ver- riethen, wie er es empfand, seiner eigenen Sache nicht ge­wachsen zu sein, ja, von ihr übermannt zu werden.

Plötzlich sank er mit dumpfem Stöhnen zusammen. Blut strömte dem Gequälten aus der Nase über das Gesicht.

Frau Wulffen stieß einen schrillen Schrei aus. Sie verharrte wie gelähmt, während die Mägde herbeistürzten, davonliefen und kopflos einander umrannten. Sie schrieen nach dem Doctor, daß die Knechte die Pferde aus dem Stalle rissen, als ob es brenne, und sie zur Eile peitschten, ehe sie angesträngt waren.

Der Arzt kam und hatte zwei Tage lang seine Mühe, ehe die starke Blutung des erschöpften Mannes gestillt war.

Sophie sah nach diesen Erlebnissen wie eine vertrocknete Citrone aus, als sie die beiden Knaben frisch kleidete und ins Besuchszimmer führte, wie die Mutter angeordnet hatte, die jetzt hereinkam, ihre Jungen küßte und die Thränen aus den Augen rieb- aber sie quollen immer wieder in ihren Blick.

Unten hielt ein Wagen.

Onkel Wulffen," sagte Franz leise vom Fenster her.

Frau Wulffen trat flüchtend hinter die Kinder und er­griff Heinrichs Hand, doch Sophie ordnete den Krepp an ihrem weißen Halse, reichte ein frisches Taschentuch und zog die Kleidfalten zurecht da ging die Mama dem Onkel entgegen, der bereits ungestüm die Thüren aufriß, den Ueberrock abwarf und die Mädchen auschnaubte, daß sie ähnlich gescheuchtem Federvieh davonstoben. Erst beim An­blick der Schwägerin ging ein Zucken über sein starkes, rothes Gesicht, ein Ruck durch seine mächtige Gestalt, wonach er dem gebildeten Manne mit den abgeschliffenen Umgangs- sormen einigermaßen den Vortritt ließ.

Na, wie geht das nun Deinem Manne, Luischen?"

So begann er, und Frau Wulffen erzählte von den letzten Tagen, denn ihr Schwager war bereits am ersten hier gewesen und hatte versprochen, den Kram mit dem Gelde zu ordnen.

Der Heinemann bezahlt, Luise, oder er trägt seine Knochen im Taschentuch nach Hause", hatte er vorgestern gesagt.

Felsgarten steht alleweil noch, so 'n bischen Wackeln muß Euch nicht gleich allen Muth nehmen," fuhr er nun fort, als Frau Wulffen aufathmend ihn zu ihrem Manne führte.

(Fortsetzung folgt.)

Die Perle der Nordsee.

Schilderung einer Sommerfahrt von Otto Bruhnsen.

lFortsetzung.)

Kaum saß ich auf einer Bank am Strande, als mir ein uralter, gebückt gehender Schiffer in blau und weiß ge­streifter Linnenjacke und wahrhaft vorsündfluthlichem Schuh­werk eine seltsam geformte und bewachsene Muschel, in der ein Einsiedlerkrebs steckte, zu Kauf anbot.

Ich lehnte ab. Den kleinen Kerl da in der Muschel ruhig eintrockncn zu lassen, sei Thierquälerei, machte ich geltend.

Da zog der Alte ein verrostetes Messer aus der Tasche und stocherte mit der abgebrochenen Klinge in der Muschel umher, um den Leichtgepanzerten aus seinem Freilogis zu vertreiben.

Nun wurde ich um die Weichtheile des Meerbewohners ernstlich besorgt, holte daher schnell eine Silbermünze hervor, legte sie in die schwielige, haarige Tatze des schlechtrasirten, ungemein gutmüthig blickenden Alten und schleuderte das Verkaufsobject augenblicklich, weit ausholend, ins Meer.

Langsam entfernte sich der edle Friese.

Ich aber verfolgte die Strandpromenade bis zu jener Felsecke an der Ostseite, wo die See bei Fluthzeit einem weiteren Vordringen Halt gebietet. Hier ist der Strand mit Felsbrocken und aus dem Meer angeschwemmtem Gestein buchstäblich übersäet, ein wüstes Trümmerfeld starrt Einem entgegen.

Ich ließ die Blicke an der fast senkrechten Felswand hinaufgleiten. Fahlrothes und graues Gestein liegt schicht­weise übereinander, an den zu Tage liegenden Schichten so zermürbt, daß man große Brocken ohne Anstrengung mit der Hand herausheben kann. In trockener Luft wird dieses lockere Triasgestein allerdings bald felshart.

Meine geologischen Untersuchungen unterbrach ein kleiner Haderlump, der plötzlich, wie aus dem Boden gewach'en, vor mir stand und sich erbot, einHelgoländer Lied" zu singen.

Da ich, obgleich solchen zweifelhaften Kunstgenüffen gründlich obhold, die geplante Leistung nicht geradezu mit einem Verbot belegte, so schöpfte der barfüßige Junge Muth und schnarrte seinen Gassenhauer in der Art der um die Zeit der Pfingsten bei uns umherziehenden Italiener ab.

Ich war froh, als er endlich schwieg, und dafür mußte ich nun auch noch in die Tasche fahren. Der kleine, geldgierig blickende Proletarier nahm die Münze ohne einen Laut entgegen, verschwand auch ebenso lautlos.

Ich ließ noch eine Zeitlang die heranrollenden Wogen meinen Fuß netzen, dann trat ich wieder in die Nähe der Strandhalle.

Ein beleibter barhäuptiger Alter mühte sich dort seit einiger Zeit, Musikinstrumente aus dem Conversationshause in den, diesem gegenüberliegenden, Musikpavillon za tragen.

Es war ein bedeutendes Stück Arbeit für ihn, man sah es. Um neun Uhr mochte er begonnen haben, wenn er bis zum Beginn des ersten Promenadenconcerrs, um 104/2 Uhr, fertig sein wollte, durfte er sich sputen. Es handelte sich ungefähr um zwei Dutzend Instrumente für Streich- und Blechmusik, die der Alte, einer fetten Schnecke gleich unendlich lang am und unbeholfen an Ort und Stelle brachte. Er hat sicher keines zerbrochen.

Mit einer Baßgeige im Arm blieb er schließlich vor dem schmalen Eingang zum Pavillon sinnend stehen. Um ihn passiren zu können, mußte er nach seinem Dafürhalten entweder die Geige mit der Breitseite vor sich herschieben oder hinter sich nachschleifen. Einen anderen Ausweg schien es für ihn nicht zu geben, beides ihm aber gefährlich zu sein.

Endlich raffte er sich auf und schob mit unendlicher Mühe den ungefügen Brummkasten, ihn so eng um­klammernd, daß er fast über ihn zu Fall gekommen wäre, und stt> selbst geräuschvoll ins Orchester hinein.

Es war zum Todtlachen!.....

Die jugendliche Schaar der Musiker versammelte sich allgemach, der Director erschien. Bald darauf erfolgte ein kurzes Aufklopfen des Tactstockes, und die Theatermusik setzte discret ein.

Ein herrlicher Hochsommermorgen umwob das sonnige Gestade der Ostküste mit zauberischem Glanze. Tiefblau war das Himmelsgewölbe, von langzerfetzten Windwolkenschleiern überzogen. Ein leichter Südwest, die Gluth der Sonnen­strahlen mildernd, kräuselte die See und lullte im Ohre.

Wie erfrischend drang zu mir der Salzhauch des Meeres, wie wohlthuend war für die in dem verwirrenden Getriebe der großen Stadt abgespannten Nerven das Rauschen der Wogen, die den steinigen Strand brausend und schäumend hinaufrollten! '

Weiße und graue Möven in großer Anzahl wiegten sich mit lei e klagendem, melancholischem Schrei auf der Fluth oder 'chwammen gesellig in dem smaragdgrünen Meeres­streifen zwischen Düne und Oststrand umher.

Die Musik spielteAennchen von Tharcm". Zuerst das